Fotos & Video "Peter & Paul"
"Krisen treffen uns unmittelbar – das Wachstum kommt aber zurück"

Im neuen "Peter & Paul" diskutieren Robert Nagele (Vorstandsmitglied Billa) und Julian Jäger (Vorstand Flughafen Wien) darüber, was starke Standorte verbindet. Im Mittelpunkt stehen die Bedeutung von Lage und Infrastruktur, politische Rahmenbedingungen, nachhaltige Investitionen sowie die Frage, wie sich Handel und Luftfahrt erfolgreich für die Zukunft aufstellen.

Ein Lebensmittelmarkt und ein internationaler Flughafen unterscheiden sich auf den ersten Blick deutlich. Dennoch stehen beide vor ähnlichen Aufgaben: Sie müssen ihre Standorte langfristig planen, kontinuierlich weiterentwickeln und an neue wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Anforderungen anpassen. Darüber diskutieren Robert Nagele, Billa-Vorstandsmitglied für Immobilien und Nachhaltigkeit, und Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien AG, in der aktuellen Ausgabe von "Peter & Paul", die in der Wiener Hofburg aufgezeichnet wurde. Im Gespräch mit Paul Leitenmüller (CEO Opinion Leaders Network) geht es beim Thema "Vom Flughafen bis zum Supermarkt – was starke Standorte verbindet" um Lage und Frequenz, langfristige Investitionen, politische Rahmenbedingungen sowie die Frage, wie Handel und Luftfahrt auf veränderte Bedürfnisse und internationale Krisen reagieren.

Zwei große Infrastrukturunternehmen

Billa betreibt in Österreich rund 1.300 Filialen und beschäftigt mehr als 40.000 Mitarbeiter:innen. Nagele ist bereits seit rund 30 Jahren im Unternehmen tätig. Besonders schätze er die Vielfalt seiner Aufgaben und die Möglichkeit, mit der Nahversorgung einen unmittelbaren Beitrag für die Menschen im Land zu leisten.

Auch Jäger blickt auf eine lange Unternehmenszugehörigkeit zurück. Seit nahezu 25 Jahren ist er am Flughafen Wien tätig und hat dessen Entwicklung von einem klassischen Verkehrsflughafen zu einer umfassenden AirportCity begleitet. Heute arbeiten rund 23.000 Menschen am Standort, davon etwa 6.000 bei der Flughafen Wien AG. Im Vorjahr wurden 32,5 Millionen Passagier:innen abgefertigt.

Lage, Frequenz und Erreichbarkeit

Für Nagele gilt im Handel weiterhin die bekannte Formel "Lage, Lage, Lage". Entscheidend sei jedoch ebenso eine ausreichende Kundenfrequenz. Die Märkte müssten dort sein, wo Menschen leben, arbeiten oder reisen – weshalb Billa unter anderem auch am Flughafen stark vertreten ist.

Der Flughafen Wien profitiert wiederum laut Jäger von seiner internationalen und regionalen Anbindung. Die direkte Verbindung zur Autobahn sowie die Nähe zur Slowakei und zu Ungarn machten den Standort für Luftfahrt, Logistik und internationale Unternehmen attraktiv.

Aus einem einzelnen Bürogebäude sei in den vergangenen Jahrzehnten eine AirportCity mit Hotels, Office Parks, Logistikflächen und zahlreichen angesiedelten Unternehmen entstanden. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Nutzungen bringe den Standort zusätzlich zum Leben.

Verlässliche Regeln als Standortfaktor

Beide Gäste betonen, dass erfolgreiche Standorte nicht allein von unternehmerischen Investitionen abhängen. Ebenso wichtig seien praktikable und verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Nagele bezeichnete den Lebensmittelhandel als eine der am stärksten regulierten Branchen Österreichs. Vorgaben zu Verkaufsflächen, Öffnungszeiten oder Steuern hätten direkte Auswirkungen auf den Betrieb. Am Beispiel der seit 1. Juli geltenden Mehrwertsteuerreduktion auf ausgewählte Grundnahrungsmittel kritisierte er insbesondere die komplexe technische Umsetzung.

Jäger verwies auf die internationale Konkurrenz zwischen Flughäfen. Zu hohe nationale Belastungen könnten dazu führen, dass Fluggesellschaften Kapazitäten an andere Standorte verlagern. Die Abwanderung von Verkehr nach Bratislava zeige, wie rasch sich politische Entscheidungen auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken könnten. "Ein starker Flughafenstandort benötigt die richtigen Rahmenbedingungen", fasst Jäger zusammen.

Standorte müssen sich laufend verändern

Sowohl im Handel als auch in der Luftfahrt sei Stillstand keine Option. Der Flughafen Wien investiert weiter in seine Infrastruktur und will im kommenden Jahr die Terminal-Süderweiterung eröffnen. Diese soll rund 70.000 Quadratmeter zusätzliche Fläche schaffen. Gleichzeitig werde die AirportCity als Standort für Luftfahrt, Logistik und weitere Unternehmen ausgebaut.

Auch der Lebensmittelhandel werde sich weiterentwickeln, sagte Nagele. Zwar bleibe das Grundgeschäft bestehen, einzelne Märkte dürften künftig jedoch größer werden und breitere Sortimente anbieten. Diese würden sich noch stärker an den Bedürfnissen der Kund:innen orientieren.

Digitalisierung spiele dabei hauptsächlich in Teilprozessen eine Rolle. Als Beispiele nannte Nagele Self-Checkout-Lösungen sowie automatisierte Abläufe innerhalb der Filialen. Der Onlinehandel mit Lebensmitteln bleibe hingegen aufgrund der hohen Kosten auf der letzten Meile herausfordernd.

Nachhaltigkeit muss wirtschaftlich funktionieren

Auch Nachhaltigkeit ist für beide Unternehmen ein Teil ihrer Standortstrategie. Entscheidend sei jedoch, ökologische und wirtschaftliche Ziele miteinander zu verbinden.

Billa setzt unter anderem auf erneuerbare Energien, nachhaltigere Sortimente und die Begrünung von Filialstandorten. Für seine Maßnahmen zur Klimawandelanpassung erhielt das Unternehmen kürzlich einen Staatspreis (LEADERSNET berichtete). Nachhaltigkeit müsse sich zumindest mittel- oder langfristig rechnen, betonte Nagele: "Ohne dem gibt es keine Nachhaltigkeit."

Am Flughafen Wien decken Photovoltaikanlagen bereits mehr als die Hälfte des jährlichen Stromverbrauchs. Nach Angaben Jägers wurde der Flughafenbetrieb im Vorjahr CO₂-neutral geführt. Die Investitionen hätten sich dabei nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich bezahlt gemacht.

Krisen treffen die Standorte unterschiedlich

Internationale Krisen wirken sich auf den Flughafen besonders schnell aus. Gleich nach dem Beginn des Kriegs im Nahen Osten habe der Standort laut Jäger täglich rund 6.000 Passagier:innen verloren. Die Vergangenheit habe jedoch gezeigt, dass die Reiselust nach Krisen rasch zurückkehre. "Krisen treffen uns unmittelbar – das Wachstum kommt aber zurück", so der Flughafen-Vorstand.

"Die Leute wollen fliegen, die Leute wollen reisen, und das wird auch in Zukunft so sein", zeigt sich der Jäger überzeugt. Europa und Österreich müssten den veränderten Bedingungen mit Mut und Selbstvertrauen begegnen.

Im Handel ist die Stimmung derzeit zurückhaltender. Steigende Kosten und wirtschaftliche Unsicherheit belasteten den Konsum, erklärte Nagele. Es brauche stärkere Impulse und mehr Zuversicht, um wieder eine positivere Konsumstimmung zu schaffen.

Persönliche Begleiter

In der Rubrik "Ding der Woche" gewährten die Gäste auch dieses Mal persönliche Einblicke. Jäger brachte eine Uhr mit, die ihn an seine frühere Tätigkeit am Flughafen Malta erinnert. Seit seinem Abschied vor rund 15 Jahren begleitet sie ihn als Glücksbringer. Nagele präsentierte hingegen sein Fitnessarmband, das unter anderem Schlaf-, Puls- und Erholungsdaten erfasst. Das Gerät unterstütze ihn dabei, auf Bewegung, Regeneration und einen gesunden Lebensstil zu achten.

Was Robert Nagele und Julian Jäger zum Thema "Vom Supermarkt bis zum Flughafen – was starke Standorte verbindet" noch gesagt haben, sehen Sie im LEADERSNET.tv-Video und hören Sie im Podcast. Zwischen den Themenblöcken gibt es im Video wie gewohnt ein Business-Event, dieses Mal von der Eröffnung der neuen Space Factory am Flughafen Wien.

 

Alle "Peter & Paul"-Folgen zum Nachschauen finden Sie hier.

Fotos vom Dreh sehen Sie in der Galerie.

www.viennaairport.com

www.billa.at

Sollten Sie das Video nicht abspielen können, klicken Sie bitte hier!

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV