"Auto-Gipfel" im Ministerium
Wirtschaftsminister fordert Nachschärfungen beim EU-Autopaket

| Tobias Seifried 
| 13.07.2026

Beim Treffen mit Vertreter:innen der heimischen Auto- und Zulieferindustrie plädierte Wolfgang Hattmannsdorfer für mehr Technologieoffenheit, faire Wettbewerbsbedingungen und eine stärkere europäische Wertschöpfung.

Vertreter:innen der österreichischen Automobil- und Zulieferindustrie sind auf Einladung von Wolfgang Hattmannsdorfer zu einem Round Table zusammengekommen. Im Mittelpunkt standen die wirtschaftliche Lage der Branche sowie das derzeit in Brüssel verhandelte EU-Automotive-Package.

Für Österreich ist der Sektor von großer Bedeutung. Den Angaben zufolge umfasst die heimische Fahrzeug- und Zulieferindustrie rund 900 Unternehmen mit mehr als 190.000 Beschäftigten und erzielt eine Exportquote von 87 Prozent (siehe Infobox). Gleichzeitig steht die europäische Automobilindustrie unter wachsendem internationalem Wettbewerbsdruck. Zuletzt sorgten Schlagzeilen über mögliche Werksschließungen, Stellenabbau und längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich bei großen deutschen Autobauern auch hierzulande für Verunsicherung.

Vier zentrale Forderungen an Brüssel

Der Wirtschaftsminister sprach sich für Nachschärfungen des EU-Autopakets in mehreren Bereichen aus. So fordert er eine echte Technologieoffenheit, bei der erneuerbare Kraftstoffe gleichwertig neben der Elektromobilität berücksichtigt werden. Klimaziele müssten erreicht werden, ohne einzelne Antriebstechnologien politisch auszuschließen.

Zudem plädiert Hattmannsdorfer für einen stärkeren Schutz der europäischen Autoindustrie vor unfairem Wettbewerb. Insbesondere bei staatlich subventionierten Fahrzeugen aus China brauche es aus seiner Sicht konsequentere Anti-Dumping- und Anti-Subventionsmaßnahmen.

Darüber hinaus setzt sich der Minister für mehr "Made in Europe" bei Batteriekomponenten sowie für bessere Finanzierungsbedingungen und steuerliche Anreize ein, um Investitionen in Europa zu erleichtern. Auch Innovationen in Bereichen wie Software, Halbleiter, Digitalisierung und Automatisierung müssten gezielt gefördert werden.

"Echte Technologieoffenheit heißt: Klimaziele erreichen, ohne einzelne Technologien politisch auszuschließen. Deshalb müssen erneuerbare Kraftstoffe gleichwertig anerkannt werden", betonte Hattmannsdorfer. Gleichzeitig brauche Europa einen stärkeren Schutz vor unfairer Konkurrenz aus China und mehr europäische Wertschöpfung.

Industrie unterstützt den Kurs

Unterstützung erhält der Wirtschaftsminister aus der Branche. Andreas Gaggl, Geschäftsführer des Fachverbands der Fahrzeugindustrie, begrüßt insbesondere die Positionierung zugunsten von Technologieoffenheit, der Anerkennung klimaneutraler Kraftstoffe sowie einer flexibleren Ausgestaltung der EU-Vorgaben.

Auch Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, wertet den Round Table als wichtiges Signal. Europas Industrie brauche einen Kurs, der Wettbewerbsfähigkeit, Technologieoffenheit und Klimaschutz miteinander verbinde. "Made in Europe" müsse wieder zu einem Erfolgsmodell werden, um Arbeitsplätze, Innovation und Wertschöpfung langfristig in Europa zu sichern.

www.bmwet.gv.at

Österreichs Automobil- und Zulieferindustrie auf einen Blick

  • Rund 900 Unternehmen im automotiven Wertschöpfungsbereich
  • Mehr als 190.000 Beschäftigte im Bereich Automotive; inklusive vor- und nachgelagerter Wirtschaftsbereiche rund 368.000
  • Exportquote von 87 Prozent (2024)
  • Besondere Bedeutung für Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich und Vorarlberg
  • Für Q1 2026 stellt die Statistik Austria für Branche C29 – Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen folgendes fest: Die abgesetzte Produktion lag im Jänner bei 1,342 Mrd. Euro und −11,9 Prozent, im Februar bei 1,508 Mrd. Euro und +15,1 Prozent, im März bei 1,583 Mrd. Euro und +15,0 Prozent. Zusammengerechnet ergibt das rechnerisch rund 4,43 Mrd. Euro im 1. Quartal 2026 und etwa +5,3 Prozent nominell gegenüber Q1 2025.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

Österreichs Automobil- und Zulieferindustrie auf einen Blick

  • Rund 900 Unternehmen im automotiven Wertschöpfungsbereich
  • Mehr als 190.000 Beschäftigte im Bereich Automotive; inklusive vor- und nachgelagerter Wirtschaftsbereiche rund 368.000
  • Exportquote von 87 Prozent (2024)
  • Besondere Bedeutung für Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich und Vorarlberg
  • Für Q1 2026 stellt die Statistik Austria für Branche C29 – Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen folgendes fest: Die abgesetzte Produktion lag im Jänner bei 1,342 Mrd. Euro und −11,9 Prozent, im Februar bei 1,508 Mrd. Euro und +15,1 Prozent, im März bei 1,583 Mrd. Euro und +15,0 Prozent. Zusammengerechnet ergibt das rechnerisch rund 4,43 Mrd. Euro im 1. Quartal 2026 und etwa +5,3 Prozent nominell gegenüber Q1 2025.

leadersnet.TV