Alkoholfreie Getränke im Mittelpunkt
Nach dem Pfand rücken neue Trends in den Fokus

| Johannes Lau 
| 13.07.2026

Die Getränkebranche hatte im Vorjahr die Einführung des Einwegpfands zu schultern. Das sei gelungen, hört man von den Produzenten, sodass sie sich nun wieder verstärkt den bestehenden Herausforderungen wie Kosteneffizienz, Konsumzurückhaltung und Kalorienreduktion widmen können.

Vor wenigen Tagen stöhnte Österreich unter einer beispiellosen Hitzewelle. Daher wurde wohl das eine oder andere Kaltgetränk getrunken. Gesundheitlich ist zu empfehlen, dass es alkoholfreie Drinks waren. Für KEYaccount/LEADERSNET ein passender Anlass, um sich mit den Produzenten entsprechender Produkte zu unterhalten. Auf das vergangene Jahr blickt die Branche als auf ein besonderes zurück, wie Yvonne Haider-Lenz, Marketingleiterin von Vöslauer, berichtet: "2025 war für den österreichischen Mineralwasser- und Near-Water-Markt ein herausforderndes Jahr. Wesentliche Einflussfaktoren waren die Einführung des Einwegpfands sowie ein wetterbedingt schwächerer Sommer."

In Bad Vöslau habe man das Jahr aber gut überstanden: Die Marktführung auf dem österreichischen Mineralwassermarkt konnte mit einem Umsatzmarktanteil von stolzen 39 Prozent weiter deutlich gefestigt werden. "Auch im Near-Water-Segment halten wir mit rund 30 Prozent Umsatzmarktanteil die Spitzenposition. Besonders erfreulich entwickelte sich unser 0-kcal-Segment, in dem Vöslauer Flavours weiter zulegen konnte", so Haider-Lenz. 

2026 wolle man wieder wachsen, auch angesichts veränderter Konsument:innenwünsche, die man mit dem eigenen Sortiment bereits weitreichend bediene: "Wir sehen, dass sich Trends wie zuckerfreie Getränke, 0-kcal-Produkte und Mehrweg weiter fortsetzen. Mit kontinuierlichen Innovationen, Investitionen, etwa in unsere neue Aseptik-Anlage, und einer konsequenten Ausrichtung auf diese Konsumtrends sehen wir uns für die Zukunft gut aufgestellt. Gleichzeitig erweitern wir unser Portfolio konsequent um Innovationen und erschließen damit zusätzliche Zielgruppen", sagt die Markertingleiterin von Vöslauer. 

Mineralwasser bleibt Innovationsmotor

Auch bei der Nummer zwei auf dem Mineralwassermarkt setzt man auf Innovationen, wie Pierre Jantzer, Marketingleiter von Waldquelle, verrät: "Wir haben im Herbst mit Waldquelle+ eine völlig neue Marke im Vitaminwassersektor eingeführt, ein wichtiger Schritt, um neben dem klassischen Mineralwasser auch im Bereich funktionaler Getränke eine starke Position aufzubauen."

Im Zeichen dieser Lancierung steht das laufende Geschäftsjahr: "Nach der erfolgreichen Einführung wollen wir die neue Marke im Vitaminwassersektor weiter stark als Erfrischung mit Zusatznutzen positionieren. Functional Drinks sind eines der spannendsten Wachstumsfelder im Getränkemarkt, mit Waldquelle+ wollen wir dieses Segment aktiv mitgestalten", so Jantzer. 

Dennoch habe man auch 2025 den Druck gespürt, unter dem die ganze Branche stand. Die Einführung des Einwegpfands habe man aber bereits gut überstanden: "Die Umstellung auf das Pfandsystem ist inzwischen Alltag, die Prozesse laufen stabil, die Abläufe sitzen und die Konsument:innen gewöhnen sich an die neue Situation. Wir verzeichnen wie im Vorjahr ein deutliches Plus im Glas-Segment."

Eine neue Herausforderung seien aber gestiegene Treibstoffpreise bei den logistischen Abläufen. "Die Produktionsseite ist nach wie vor durch Rohstoff-, Energie- und Logistikkosten geprägt, doch da sich die Inflationsraten eingependelt haben, können wir unsere Preise insgesamt stabil halten", sagt der Marketingleiter von Waldquelle. Den gestiegenen Kosten auf der Produktionsseite begegne man mit entsprechenden Effizienzmaßnahmen.

Auch die derzeitige Konsumzurückhaltung sei im ersten Halbjahr 2026 spürbar gewesen. In einem Segment greifen die Konsument:innen jedoch weiter munter zu: "Wir sehen ein klares Nachfrageplus bei funktionalen Getränken und zuckerreduzierten beziehungsweise zuckerfreien Varianten."
 
Gesundheit bleibt ein Wachstumstreiber

Ohne (Frucht-)Zucker kommen die Saftproduzenten naturgemäß nicht aus. Aber auch hier spielt der Gesundheitsaspekt eine zunehmende Rolle, berichtet Daniel Wüstner, Geschäftsführer von Rauch: "Besonders dynamisch entwickeln sich Getränke mit zusätzlichem Nutzen für die Konsument:innen. Funktionale Getränke, Wellness- und Health-Konzepte sowie moderne Eistee- und Genusssegmente gewinnen weiter an Bedeutung."

Da Rauch darauf längst reagiert hat, entwickelt man sich weiterhin gut. So bilanziert Wüstner: "2025 war ein erfolgreiches Wachstumsjahr. Die Unternehmensgruppe steigerte ihren Umsatz auf 1,81 Milliarden Euro und beschäftigte zum Jahresende 3.247 Mitarbeiter:innen." Besonders erfreulich entwickelte sich das internationale Geschäft: Rauch-Produkte werden inzwischen in mehr als 100 Ländern verkauft, der internationale Geschäftsanteil liege bei über 70 Prozent. Dementsprechend baue man nicht nur die Werke in Österreich aus, sondern auch in den USA und in Deutschland: "In Deutschland, einem der wettbewerbsintensivsten Fruchtsaftmärkte Europas, zählt Rauch mittlerweile zu den stärksten Marken der Branche", freut sich Wüstner.

Somit rechnet er 2026 ebenfalls mit weiterem Wachstum. Die wirtschaftliche Unsicherheit und die Konsumzurückhaltung seien jedoch weiterhin spürbar. Es zeige sich aber, dass die Konsument:innen bereit sind, für starke Marken Geld auszugeben. Ohnehin betrachtet Wüstner den Fokus der Preisdebatte auf Lebensmittel skeptisch: "In der öffentlichen Diskussion werden Lebensmittel häufig als wesentliche Preistreiber wahrgenommen. Ein Blick auf die offiziellen Zahlen zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. Die größten Belastungen für viele Haushalte entstehen zunehmend außerhalb des Lebensmittelsektors."

Die größten Herausforderungen benennt Wüstner ähnlich wie die Mitbewerber: volatile Rohstoffmärkte, geopolitische Unsicherheiten, Klimaveränderungen und eine verhaltene Konsument:innenstimmung. "Zudem wächst der bürokratische Aufwand für die Unternehmen vor allem im EU-Raum kontinuierlich und stellt auch uns vor gewaltige und teils schwer nachvollziehbare Herausforderungen."

Neue Vorschriften, zum Beispiel die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) oder nicht harmonisierte Pfandsysteme innerhalb der EU, führen zu einem erheblichen Zusatzaufwand. "Ressourcen, die Unternehmen eigentlich für Innovationen, Investitionen und Wachstum einsetzen möchten, müssen heute zunehmend für regulatorische Anforderungen aufgewendet werden", so der Geschäftsführer von Rauch. 

Mehrwert statt bloßer Erfrischung

Die Vorgaben im Hinblick auf das Einwegpfand hat man bei Eckes-Granini, Markeninhaber der Marken hohes C, Pago und Yo, aber erfolgreich erfüllt, erzählt Geschäftsführerin Irina Sonnleitner: "Die Einführung des Pfandsystems im ersten Quartal 2025, die viele unserer PET-Produkte im Fruchtsaftbereich betraf, erforderte umfassende Anpassungen. Diese konnten wir jedoch erfolgreich meistern."

2026 wolle man seinen erfolgreichen Weg weiter beschreiten: "Mit Innovationen wie funktionalen Getränken, neuen Sirup-Konzepten und alkoholfreien Genusslösungen wollen wir die Bedürfnisse unserer Konsument:innen noch besser bedienen. Produkte mit Zusatznutzen, etwa mit Vitaminen, Elektrolyten oder weiteren funktionalen Inhaltsstoffen, sind stark gefragt", so Sonnleitner. 

Der Getränkemarkt befinde sich in einem strukturellen Wandel: Konsument:innen erwarten heute mehr als reine Erfrischung. "Getränke sollen einen klaren Mehrwert bieten, etwa in Form von Funktionalität, Gesundheit oder Convenience."

Die Konsumzurückhaltung sei aber aktuell deutlich spürbar. "Viele Konsument:innen greifen vermehrt zu kostengünstigen Alternativen wie Leitungswasser. Das zeigt auch die seit zehn Jahren rückläufige Entwicklung im Fruchtsaft-Segment."

Trotz der aktuellen Preisthematik achten Konsument:innen weiterhin verstärkt auf die Zutatenlisten: "Wir beobachten eine zunehmende Sensibilität der Konsument:innen, etwa in Bezug auf Preise, aber auch auf Inhaltsstoffe. Für uns bedeutet das, unsere Prozesse laufend anzupassen und unser Portfolio gezielt weiterzuentwickeln. Nachholbedarf sehen wir dort, wo klassische Kategorien noch nicht vollständig von diesen Entwicklungen profitieren. Hier arbeiten wir gezielt daran, unser Portfolio stärker an aktuellen Konsumtrends auszurichten."

Apropos Eckes-Granini: Erst vor wenigen Wochen besuchte KEYaccount-Herausgeber Wolfgang Zechner Irina Sonnleitner in der Firmenzentrale in St. Florian bei Linz. Die Story lesen Sie hier.  

Zuckerfrei bleibt gefragt

Kommen wir von Oberösterreich nach Wien: Wie sieht es in der Abteilung Limonade aus, zum Beispiel bei Almdudler? "2025 war für uns ein herausforderndes Jahr", konstatiert Geschäftsführer Gerhard Schilling. "Umso erfreulicher ist, dass wir trotz der Rahmenbedingungen in wichtigen Zukunftssegmenten Erfolge erzielen konnten." Positiv entwickeln sich vor allem die zuckerfreien Produkte, das Sirup-Sortiment sowie die österreichische Cola-Mix-Marke Spezi.

Und was erwartet Schilling heuer? "Wir gehen davon aus, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen 2026 herausfordernd bleiben, gehen aber auch davon aus, dass sich zumindest im zweiten Halbjahr der pfandbedingte Absatzrückgang etwas ausgleicht. Wir sehen gute Chancen für Marken, die ihren Konsument:innen Qualität und Verlässlichkeit bieten. Als österreichisches Familienunternehmen mit einer so starken Markenidentität sehen wir darin eine Chance, unsere Stärken weiter auszuspielen."

Deshalb investiere man weiterhin in Produktinnovationen und in den Ausbau der Marke in Deutschland. "Gerade bei zuckerfreien Produkten und vielseitig einsetzbaren Getränken sehen wir weiterhin großes Wachstumspotenzial." Und da möchte Schilling gerne vorangehen, anstatt hinterher zu rennen: "Unser Anspruch ist es, Trends nicht nur zu begleiten, sondern mit innovativen Produkten aktiv mitzugestalten."

www.voeslauer.com

waldquelle.at

www.eckes-granini.at

www.almdudler.com

www.rauch.cc

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