Schwerpunkt Wein & Spirituosen
Lieber ein Glas zu wenig als eines zu viel

| Redaktion 
| 24.06.2026

Die Generation Z wird langsam erwachsen und auch deshalb trinkt die Gesellschaft immer weniger Alkohol: Das führt bei Wein- und Spirituosenproduzenten jedoch nicht automatisch zu massiven Einbrüchen – zumindest bei jenen, die auf den Generationenwandel mit entsprechenden Produkten reagieren.  

Übermäßiger Alkoholkonsum schadet bekanntlich der Gesundheit – vor allem bei der aktuellen Hitze. Der eine oder andere Spritzer zur Abkühlung ist in Maßen aber laut Expert:innen unbedenklich. Ohnehin scheint in Zeiten bewussterer und gesünderer Ernährung der Weinnation Österreich der Durst auf Rebensaft noch nicht vergangen zu sein, wie KEYaccount so mancher Winzer berichtet: "Unsere Partner im österreichischen Lebensmittelhandel haben uns bestätigt, dass sich unser Sortiment überdurchschnittlich gut verkauft", berichtet Ludwig Holzer, Geschäftsführer der Winzer Krems.

So habe man das letzte Jahr besser als erwartet abgeschlossen und konnte den Umsatz annähernd halten. Dennoch sind auch in der Wachau die Zeiten nicht unbedingt rosé: "Für 2026 erwarten wir eine weiterhin angespannte Situation. Speziell bei Rotwein merken wir spürbare Konsumzurückhaltung." Die nachwachsenden Wein:trinkerinnen haben es offenbar gerne leichter: "Konsumenten fragen nach wie vor fruchtig-duftige und vor allem leichte (Weiß-)Weine nach. Unsere Weiß- und Roséweine decken die derzeitigen Konsumentenwünsche sehr gut ab. Wir setzen im Marketing auf neue Zielgruppen wie die Generation Z, um jüngeres Zielpublikum zu generieren." So habe man seit Ende 2024 auch drei alkoholfreie Produkte lanciert und wolle heuer noch einen Design-Relaunch bei einzelnen Sortimentslinien vornehmen. Der Klassiker bleibe jedoch weiterhin der Grüne Veltliner, die größte Herausforderung wiederum dennoch laut Holzer für die gesamte Branche die "voraussichtlich nachhaltige" sinkende Nachfrage nach Wein, insbesondere rotem.

Kompromisse wolle er angesichts der Lage in bestimmten Bereichen aber nicht machen: "Als Winzergenossenschaft haben wir unseren Winzerfamilien gegenüber die Verantwortung, angemessene Traubenpreise zu bezahlen, von denen sie leben können. Unsere Traubenpreise sind an hohe qualitative Vorgaben geknüpft." Damit einhergehend lege man entsprechenden Wert auf eine nachhaltige Produktion: "Wir sind nach den Kriterien von „Nachhaltig Austria" zertifiziert und haben darüber hinaus 2025 das Nachhaltigkeitsprojekt „Lebendige Weingärten" gestartet." Durch die Anpflanzung von Weingartenbegrünung, dem Setzen von Bäumen und Sträuchern, Nistkästen und Steinhaufen fördere man die Biodiversität in den Weingärten. 

Kinder an die Macht

Auch im benachbarten Burgenland verweist man auf die nachhaltige Produktion. Leo Hillinger, Eigentümer des gleichnamigen Weinguts erzählt: "Unser Betrieb ist seit 2010 biozertifiziert – wir sind also mit Fug und Recht Vorreiter in Sachen biologischer Landwirtschaft und Nachhaltigkeit." Nachhaltigkeit sei hier von den einzelnen Arbeitsschritten im Weingarten bis hin zum fertigen Produkt überall zu finden. "Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch Regionalität. Wer eine Flasche Hillinger-Wein kauft, kauft ein zu hundert Prozent in Österreich hergestelltes Produkt."

So arbeite man ausschließlich mit österreichischen Produzenten und Lieferanten zusammen. "Die meisten davon sind mehr als nur Geschäftspartner. Sie sind jahrelange Wegbegleiter und viele davon im Laufe der Jahre zu Freunden geworden. Darauf sind wir sehr stolz – vor allem in diesen für uns alle schwierigen Zeiten." Die Brache sei schließlich trotz 2025 einigermaßen eingependelter Energiepreiskrise und Inflation ähnlich wie in den Vorjahren mit einem gleichbleibend schwierigen Marktumfeld konfrontiert. Steigende Herstellungskosten können nicht zur Gänze an die Kund:innen weitergeben, müssen aber irgendwie kompensiert werden.

Feindbild Alkohol?

Der sinkende Konsum habe aber nicht nur wirtschaftliche Gründe: "Wir vernehmen mit Sorge eine Wandlung in der Wahrnehmung von alkoholischen Getränken. Dieses regelrechte Alkohol-Bashing durch die (sozialen) Medien setzt die gesamte Branche schwer unter Druck." Dabei sei Wein weit mehr als ein Getränk – nämlich eine jahrhundertealte Tradition, die es zu bewahren gelte. "Nichtsdestotrotz möchten wir weiterhin optimistisch in die Zukunft blicken und versuchen, den Herausforderungen mit Fleiß und Kreativität entgegenzuwirken. Auch wenn die bekannten Krisenherde bislang nicht unbedingt zur Stabilisierung der Weltmärkte beigetragen haben, haben wir Hoffnung." Hillinger fokussiert sich daher umso intensiver auf seinen Mikrokosmos: "Wir freuen uns auf einen qualitativ und quantitativ vielversprechenden Ernteertrag – vor allem im Weißweinbereich, wie schon in den letzten Jahren."

Daher ist Hillinger optimistisch, die anhaltenden Herausforderungen wie bisher zu meistern: "Unsere Geschäftsbereiche sind, wie für ein Familienunternehmen typisch, eng verzahnt, was uns ermöglicht, rasch auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Gleichzeitig optimieren wir laufend unsere Ressourcen, stärken weiter die jahrzehntelang bestehenden Partnerschaften und erschließen neue Absatzmärkte." Aber insbesondere bei hochpreisigen Produkten sei der Rückgang deutlich spürbar. Auch Hillinger setzt deshalb auf den Generationenwechsel: "Vor allem die neue Hillinger-Generation, meine beiden Kinder Vivienne und Leo, reagieren auf diese Entwicklung mit frischen, fruchtigen und vor allem leichten Weinen, die dem Geschmack der neuen Generation und auch deren Budget entsprechen." Der Trend gehe unverändert hin zu frisch-fruchtigen Weißweinen und leichten Rotweinen. Auch der entalkoholisierte Schaumwein, den es seit einigen Jahren in Hillingers Produktpalette gibt, erfreut sich großer Beliebtheit. "Mit der steigenden Bekanntheit der jungen Hillinger-Generation steigt die Nachfrage an ihren Eigenkreationen. Wir sind überzeugt davon, dass sie auch die nachkommende Generation an Weintrinkern abholen werden."

Coole Rotweine

Dass bei alkoholischen Produkten vor allem die Neugier auf Innovationen wächst, beobachtet man ebenso im Handel – etwa bei Spar, mit Schloss Fels zudem seit Jahrzehnten Eigentümer eines eigenen Weingutes. Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann: "Insbesondere innovative Ansätze stoßen auf gute Akzeptanz bei unseren Kund:innen." So fiel die Bilanz 2025 bei Wein wie Spirituosen positiv aus, die Erwartung für 2026 sei gut. "Entgegen dem moderaten Konsumrückgang in der Branche schaffen wir es, Konsument:innen weiterhin für unser Sortiment zu begeistern und wir setzen im besten Fall sogar Trends, wie mit unseren exklusiven „coolen Sommer-Rotweinen"". Insofern könne man bei Spar hier von keiner Krise sprechen, auch bei Spirituosen nicht. "Wir haben unser Sortiment gezielt in wachstumsstarken Bereichen wie ReadyToDrink-Spritzern, innovativen Saisonartikeln, sowie insbesondere entalkoholisierten und alkoholfreien Alternativen ausgebaut."

Gerade bei alkoholfreien Wein- und Genussprodukten habe man früh Kund:innenbedürfnisse erkannt und gemeinsam mit heimischen Betrieben eigene Spar-Artikel entwickelt. "Auch im Bereich Spirituosen bauen wir unser Sortiment im Bereich Aperitif und Alkoholfrei aus, während aber Premium-Rum und Single Malt Whisky nach wie vor sehr relevant bleiben."

Alles zu seiner Zeit 

In jenem Segment ist hierzulande Pernod Ricard ein Schwergewicht. Österreich-Geschäftsführer Christopher Robl ist im Blick auf das laufende Geschäftsjahr zuversichtlich: "Wir gehen für 2026 von einem weiterhin herausfordernden, aber auch chancenreichen Jahr aus. Die Konsument:innen bleiben preissensibel, gleichzeitig sehen wir, dass Qualität, Markenvertrauen und besondere Genussmomente weiterhin eine sehr wichtige Rolle spielen." Der Fokus liege daher klar auf nachhaltigem, wertorientiertem Wachstum: Starke Marken sollen weiter weiter ausgebaut, Partner:innen aus Handel und Gastronomie bestmöglich unterstützt und langfristiges Potenzial soll ausgeschöpft werden – das identifiziert Robl insbesondere bei Premium-Spirituosen, Aperitifs, ReadyToDrink, Whisky sowie innovativen Konsumanlässen. "Wir bleiben optimistisch, aber realistisch: konsequente Markenführung, Nähe zum Markt und effizientes Arbeiten werden entscheidend sein."

Die vergangenen Jahre seien schließlich nicht leicht gewesen: Gestiegene Kosten, zurückhaltendere Konsumstimmung und Unsicherheit im Handel sowie in der Gastronomie. "Gleichzeitig zeigt sich, dass starke Marken in unsicheren Zeiten Stabilität geben. Konsument:innen kaufen selektiver, aber sie greifen weiterhin zu Produkten, denen sie vertrauen und die für Qualität stehen." Mit einem entsprechenden Sortiment sieht sich Robl gut gewappnet: "Pernod Ricard verfügt über ein sehr breites, hochwertiges Portfolio, das unterschiedliche Anlässe, Preispunkte und Geschmäcker abdeckt. Marken wie Jameson, Absolut, Ballantine’s oder Chivas haben eine starke Position und profitieren davon, dass Konsument:innen hochwertige, bekannte und vielseitig einsetzbare Produkte suchen."

Sehr dynamisch bleibe auch der Aperitif-Bereich wie der Erfolg von Lillet der vergangenen Jahre zeige. "Potenzial sehen wir branchenweit dort, wo Konsument:innen noch mehr Orientierung brauchen: etwa bei alkoholfreien und alkoholreduzierten Alternativen. Hier geht es weniger darum, nur neue Produkte ins Regal zu stellen, sondern Genussmomente verständlich und attraktiv zu machen." Aber solche gönnen sich die Konsument:innen angesichts der ökonomischen Lage zuletzt zunehmend weniger – vor allem hinsichtlich Genuss- und Premiumprodukten. "Wir beobachten aber nicht, dass Konsument:innen grundsätzlich auf Genuss verzichten. Vielmehr entscheiden sie bewusster. Das bedeutet für uns, dass Relevanz noch wichtiger wird. Unsere Marken müssen nicht nur bekannt sein, sondern zum richtigen Anlass passen – vom Aperitif über den klassischen Longdrink bis hin zum Premium-Moment."

Aber gerade ein Spirituosenanbieter bemerkt den allgemeinen Rückgang des Alkoholkonsums natürlich: "Wir sehen, dass Konsument:innen bewusster trinken. Das bedeutet nicht automatisch Verzicht, sondern mehr Auswahl: kleinere Mengen, bessere Qualität, leichtere Drinks, alkoholfreie Alternativen und klare Informationen. Für uns steht fest: Die Zukunft der Branche liegt nicht in „mehr", sondern in „besser"."

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