Fotos vom "The Power of Audio"
iab austria rückte Audio als unterschätzten Werbekanal in den Fokus

| Larissa Bilovits 
| 22.06.2026

Visuelle Reize bestimmen den Alltag, und trotzdem zählt ausgerechnet der Ton zu den glaubwürdigsten Werbeumfeldern. Eine Branchenrunde ging der Frage nach, woran das liegt.

Mehr als 6.000 Werbebotschaften prasseln täglich auf die Menschen ein, ein Großteil davon visuell. Gerade in diesem Umfeld behauptet sich Audio als Kanal mit hoher Reichweite und vergleichsweise großer Akzeptanz. Unter dem Titel "The Power of Audio" lud das interactive advertising bureau (iab) austria am Donnerstag, 18. Juni 2026, zu einer Diskussion über die Rolle von Radio, Podcasts und Digital Audio. Am Podium dabei waren Stefan Gensasz (RMS Austria), Corinna Drumm (Verband Österreichischer Privatsender), Lukas Brändle (Audiosation), Rüdiger Landgraf (kronehit), Sarah Schwarzinger (Mediaplus Austria) und Katrin Steiner-Deditz (Content Link).

"Es ist kein Geheimnis, dass Audio zu den wichtigsten Werbekanälen zählt – dennoch wird das Medium im österreichischen Medienmarkt nach wie vor unterschätzt. Unser Ziel ist es daher, Audio noch stärker zu verankern und seine Potenziale sichtbarer zu machen", so Josip Cukic (RMS Austria), Gründer der Arbeitsgruppe Digital Audio.

Ein unterschätzter Kanal mit großer Reichweite

Den inhaltlichen Rahmen steckte Stefan Gensasz, Head of Market and Media Research bei RMS Austria, der in seiner Keynote zeigte, dass Radio auch im digitalen Zeitalter nichts an Strahlkraft eingebüßt hat. Mehr als sechs Millionen Menschen hören laut aktuellen Studien täglich Radio, im Schnitt über drei Stunden lang. Parallel wächst Digital Audio kontinuierlich: 4,8 Millionen Österreicher:innen nutzen Audio inzwischen auch über Internet, Smartphone oder Smart Speaker.

Dazu kommt eine hohe Akzeptanz. Innerhalb einer Woche nahmen 66,5 Prozent der Befragten Werbung im Radio oder Online-Radio wahr und damit mehr als bei TV/BVOD (65,2 %), Social Media (62,3 %), Websites (61,1 %) oder YouTube (48,8 %). Als störend empfanden Radiowerbung lediglich 18,7 Prozent, während der Wert bei YouTube auf 44,5 Prozent und bei Websites auf 43,2 Prozent kletterte.

"Wir leben in einer Welt der visuellen Reizüberflutung. Radiowerbung hingegen scheint in den Köpfen der Menschen am präsentesten – und wird nicht nur gehört, sondern auch akzeptiert. Zudem spielt das Werbeumfeld eine entscheidende Rolle: Radio genießt ein hohes Maß an Vertrauen und Glaubwürdigkeit, was sich unmittelbar auf die Wahrnehmung von Marken auswirkt", fasste Gensasz abschließend zusammen.

Podcasts, Daten und der Faktor Mensch

Durch das anschließende Panel führte Corinna Drumm, Geschäftsführerin des Verbands Österreichischer Privatsender. Sie verwies auf Marktforschungsdaten, wonach auch junge Zielgruppen weiterhin intensiv Radio hören und Audio-Angebote nutzen. "Audio steht heute mehr denn je für Authentizität, Glaubwürdigkeit und Vertrauen – Eigenschaften, die in einer zunehmend digitalen Medienwelt enorm an Bedeutung gewinnen", so Drumm.

Sarah Schwarzinger, Senior Strategy & Business Innovation Managerin bei Mediaplus Austria, sieht Radio als unverzichtbares Reichweitenmedium, das durch Digital Audio sinnvoll ergänzt wird. Podcasts hätten sich vor allem bei den 30- bis 49-Jährigen etabliert, während zugleich Programmatic Advertising und Künstliche Intelligenz in die Mediaplanung einziehen. "Künstliche Intelligenz kann viele Prozesse unterstützen, ersetzt jedoch nicht die menschliche Expertise", ist Schwarzinger überzeugt: "Unsere Kund:innen schätzen die Beratung durch echte Menschen, die Orientierung geben und ihnen helfen, am Ende die richtige Entscheidung zu treffen."

Auch Katrin Steiner-Deditz von Content Link hob die wachsende Bedeutung von Podcasts hervor. Aus dem einstigen Nischenprodukt sei ein Massenmedium mit großer Formatvielfalt geworden, und die enge Bindung zwischen Hosts und Publikum schaffe ein Vertrauensverhältnis, das auch Werbetreibende anspreche. Einer vollständig KI-generierten Audiozukunft steht sie jedoch skeptisch gegenüber: "Es macht für mich keinen Sinn, ein Medium, das sich speziell durch seine Authentizität auszeichnet, nicht von Menschen sprechen zu lassen. Menschen mögen es, wenn es wo menschelt – und nicht maschinelt."

Ergänzung statt Konkurrenz

Lukas Brändle, Geschäftsführer von Audiosation, richtete den Blick auf Online-Audio. Trotz zahlreicher Plattformen und technischer Möglichkeiten fehle vielen Unternehmen noch Erfahrung im Umgang mit Audio-Werbung und den passenden Kennzahlen, zugleich wachse die Offenheit für neue Formate. "Online-Audio ist keine Konkurrenz zu bestehenden Medien, sondern eine charmante Ergänzung zu den bereits etablierten Planungsmöglichkeiten", so Brändle.

Für Rüdiger Landgraf, Chief Digital Officer bei kronehit, liegt die Stärke des Radios vor allem in seiner gesellschaftlichen Funktion: "Radio bringt die Menschen zusammen, Social Media trennt die Menschen durch Echo Chambers oder Filter Bubbles." Künstliche Intelligenz setze kronehit bereits im Nachrichtenbereich ein, indem APA-Meldungen automatisiert aufbereitet werden. Die finale Präsentation bleibe jedoch bewusst in menschlicher Hand.

Eindrücke vom Event finden Sie in der Galerie.

www.iab-austria.at

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