Zwei Konzessionen laufen 2027 aus
Das österreichische Glücksspielgesetz ist ein Relikt aus dem Jahr 1989 und wurde eigentlich im Konzept sehr unregelmäßig angepasst. Nun wird damit langsam aber sicher Schluss sein. Grund sind Fristen: Die Konzession der Österreichischen Lotterien, zu der das gesamte Online-Geschäft gehört, gilt laut dem Bundesministerium für Finanzen noch bis 30. September 2027. Sechs der zwölf Spielbanklizenzen der Casinos Austria laufen am 31. Dezember 2027 aus.
Seit November 2025 liegt ein Reformentwurf in Begutachtung. Er sieht erstmals eine unabhängige Glücksspielbehörde vor, die künftig die Lizenzen vergeben soll. Bisher lag diese Aufgabe beim Finanzministerium. Finanzminister Markus Marterbauer will am Monopol festhalten und verzichtet auf eine Marktöffnung. Vergeben wird also nicht der Zugang zu einem freien Markt, sondern das Recht, der einzige Anbieter zu sein. Das macht den Wettbewerb um die Bewerbung so hart. Ohne rechtzeitige Neuregelung entstünde zudem eine juristische Lücke, die den gesamten Markt beträfe. Der Zeitplan ist deshalb eng. In Kraft treten soll das neue Gesetz bereits im ersten Halbjahr 2026, die eigentliche Vergabe folgt danach. Der Entwurf verschiebt zugleich den Bestand im Inland. Die Video-Lottery-Terminals der Österreichischen Lotterien, die unter der Marke WinWin laufen, sollen schrittweise auslaufen.
496 Mio. Euro Umsatz online
Der eigentliche Wert der Lotterienkonzession steckt nicht im Lotto, sondern im Netz. Mit win2day betreiben die Österreichischen Lotterien das einzige konzessionierte Casino in Österreich online, auf dem hierzulande legal Spielautomaten, Roulette und Poker laufen. Dieser Umsatzanteil ist entsprechend gewachsen. In den zwölf Spielbanken des Konzerns ging zuletzt wenig voran, das Internetgeschäft dagegen legt seit Jahren zu. Der Marktforscher Andreas Kreutzer veranschlagt den Bruttospielertrag im Online-Bereich auf rund 496 Millionen Euro und rechnet damit, dass der Wert bei unveränderter Rechtslage bis 2031 auf etwa eine Milliarde steige. Für die Bewerber ist das der springende Punkt. Wer die Lotterienkonzession bekommt, sichert sich damit dieses Online-Geschäft, Lotto und Rubbellose inklusive.
Hinter diesen Zahlen steht eine offene Frage. Wie viel der tatsächlichen Nachfrage das legale Angebot erreicht, ist umstritten. Casinos Austria verweist auf eine Kanalisierung von über der Hälfte. Eine im Auftrag des Wettanbieters Tipico erstellte Studie der Beratungsfirma Regulus kommt auf knapp ein Drittel. Beide Seiten haben ein Interesse an ihrer jeweiligen Zahl. Sicher ist nur, dass ein beträchtlicher Teil der Spieler bei nicht lizenzierten Anbietern im Ausland landet, deren Umfang sich naturgemäß schwer prüfen lässt.
Die Durchsetzung gegen ausländische Anbieter ist der wunde Punkt jeder Monopollösung. Der Entwurf setzt auf schärfere Sperren gegen nicht lizenzierte Seiten. Ob das wirkt, ist umstritten, denn solche Anbieter sitzen meist in anderen EU-Staaten. Im Dezember 2025 leitete die Europäische Kommission ein Verfahren gegen Malta ein, wo viele dieser Firmen registriert sind.
Brightstar formiert ein Konsortium mit der Post
Der Amtsinhaber geht gestärkt in die Verlängerung und ist trotzdem angreifbar. Die Casinos Austria und Österreichische Lotterien Gruppe gehört mehrheitlich der tschechischen Sazka-Gruppe, hinter der der Milliardär Karel Komárek und sein Lotteriekonzern Allwyn stehen. Die Republik Österreich hält über die Staatsholding ÖBAG nur ein knappes Drittel. Das Monopol, wie es in Europa sonst nur noch Polen kennt, ist also längst kein rein staatliches mehr. Es wird von einem international agierenden Glücksspielkonzern kontrolliert. Wie die Gruppe geführt wird, regelt ein Syndikatsvertrag zwischen der Sazka-Gruppe und der ÖBAG.
Genau hier setzt Brightstar an. Der an der New Yorker Börse notierte Konzern war früher die Lotteriesparte des Technologieanbieters IGT und gehört mehrheitlich der italienischen Familie De Agostini. Nach eigenen Angaben betreut das Unternehmen acht der zehn größten Lotterien der Welt. Für Österreich baut es ein Konsortium mit heimischen Partnern auf. Im Gespräch ist die Österreichische Post, auch Medienhäuser wie der Kurier zeigten Interesse. Für die Post wäre eine Beteiligung ein Weg, ihr Filialnetz stärker auszulasten. Mit Oliver Schmerold holte Brightstar einen Mann, der den ÖAMTC mehr als 15 Jahre führte und erst im Juni 2025 an seinen Nachfolger übergab. Brightstar-Vorstand Marco Tasso sagte dem Wirtschaftsmagazin trend, im österreichischen Lotteriegeschäft stecke noch Potenzial, man könne die Wertschöpfung der Lotterien deutlich steigern, womöglich verdoppeln.
Ein dritter Strang kommt aus Malta. Die Izi-Group formiert ebenfalls ein Konsortium mit prominenten Österreichern. Der Markt teilt sich damit nicht zwischen Staat und Ausland auf, wie es die politische Debatte zuweilen nahelegt. Er teilt sich zwischen mehreren internationalen Anbietern, von denen einer bereits im Land verankert ist. Eine unabhängige Behörde nach dem Vorbild Deutschlands und Irlands soll die Lizenzen künftig erteilen und die Anbieter prüfen. Wie schnell sie arbeitsfähig ist, ist offen.
Die Wettgebühr steigt auf fünf Prozent
Während die Konzerne sich positionieren, verteuert der Staat das Geschäft. Im Zuge der Budgetkonsolidierung hob die Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS die Wettgebühr zum 1. April 2025 von zwei auf fünf Prozent an. Aus der höheren Glücksspielabgabe erwartet der Bund 2025 zusätzliche 50 Millionen Euro, 2026 sollen es 129 Millionen sein. Für das Lotteriengeschäft, das 2024 einen Bruttospielertrag von 1,047 Milliarden Euro erzielte, wie der trend berichtete, fällt diese Last spürbar aus.
Erwin van Lambaart, seit 2022 Generaldirektor der Casinos Austria, reagierte deutlich. Er stellte fünf der zwölf Standorte auf den Prüfstand, darunter Zell am See, Kitzbühel und Velden, und warnte, ein Teil davon müsse womöglich schließen. Ob das Drohkulisse ist oder ernst gemeint, wird sich zeigen. Sicher ist die Mechanik dahinter. Wer eine Konzession übernehmen will, kalkuliert mit den künftigen Abgaben, und die steigen. Ein Bieter, der das Geschäft modernisieren und ausbauen will, trifft auf einen Staat, der zugleich mehr abschöpft. Diese Spannung bleibt vorerst offen.
Die Folgen reichen über die Standorte hinaus. Casinos und Lotterien zählen zu den größten Sponsoren des Landes. Im Frühjahr 2025 kündigte die Gruppe an, ihre Unterstützung für Sport, Kultur und Soziales zurückzufahren, und informierte Nutznießer wie die Bregenzer Festspiele und die Österreichische Sporthilfe über mögliche Kürzungen. Auch das gehört zur Rechnung, die ein künftiger Konzessionär aufmachen muss.
Für Mitte 2026 wird die Vergabe erwartet. Der Gewinner bindet sich dann für 15 Jahre. Ausgeschrieben ist bis heute keine einzige der Lizenzen.