Schwerpunkt Molkereiprodukte
Der Markt bleibt frisch dank Käse

| Johannes Lau 
| 12.05.2026

Die Hersteller von Molkereiprodukten blicken trotz der schwierigen Gesamtlage auf ein gutes Jahr zurück. Vor allem im Ausland bleibt die Nachfrage hoch. Aber auch heimische Konsument:innen halten die Stange – dank entsprechender Produktinnovationen.    

Österreich – ein Land, in dem Milch fließt: Trotz all der aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen blickt die heimische Molkereibranche mit einem lächelnden Auge auf das Geschäftsjahr zurück, wie der Milchverband Österreich bei der Präsentation seiner Bilanz 2025 vor einem Monat vermeldete: So sind im Vorjahr die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter:innen auf 4,4 Milliarden Euro gestiegen – ein Wachstum von insgesamt circa neun Prozent. Zuwächse seien dabei im In- wie Ausland zu verzeichnen gewesen: Die österreichischen Milchexporte erreichten laut Statistik Austria mit 1,95 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert. Das bedeutet zudem ein Plus von 9,5 Prozent beziehungsweise 175 Millionen Euro. Hauptabnehmer – circa die Hälfte der Exporte – ist Deutschland, dahinter reihen sich Italien, Spanien, Griechenland und die Niederlande ein. Am liebsten beziehen sie alle Käse: Dieses Molkereiprodukt erzielte mit 987 Millionen mehr als die Hälfte der Exportumsätze.

Wenig verwunderlich, dass diese Tendenzen KEYaccount der Marktführer schon vorab bestätigte. So verriet uns Josef Braunshofer, Geschäftsführer von Berglandmilch bereits beim Interview Ende März: "Deutschland ist unser wichtigster Exportmarkt. Produkte wie beispielsweise Bergkäse passen ideal zur österreichischen Herkunft. Die Exportquote liegt bei rund 50 Prozent und wird 2026 leicht steigen." Auch auf diesem Weg verarbeitete Berglandmilch 2025 insgesamt 1,3 Milliarden Kilogramm Milch und erwirtschaftete einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz." Das komplette Interview mit Josef Braunshofer lesen Sie hier.

Kefir im Kommen

Der größte heimische Mitbewerber der Berglandmilch, die NÖM, blickt ebenfalls auf ein gutes Geschäftsjahr zurück: "2025 war für uns ein erfolgreiches Jahr unter sehr anspruchsvollen Rahmenbedingungen", berichtet Vorstand Alfred Berger. "Trotz hoher Kostenbelastungen bei Rohstoffen, Energie, Verpackung und Personal ist es gelungen, unsere Marktposition in zentralen Kategorien zu halten und in wachstumsstarken Segmenten weiter auszubauen." Darauf wolle man heuer aufbauen: "Für 2026 gehen wir von einem noch herausfordernden Marktumfeld aus, das von hoher Kostenvolatilität und einer insgesamt zurückhaltenden Konsumstimmung geprägt bleibt. Gleichzeitig sehen wir Chancen bei funktionalen Milchprodukten und klar positionierten Marken." Die Zeiten werden aber wohl sicherlich nicht leichter: "Die Logistikkosten – sowohl Sammlung der Rohmilch sowie Auslieferung – steigen quasi täglich und auch die Rohstoffkosten sind in Dimensionen, die echt fordernd sind. Diese Entwicklungen lassen sich nicht kompensieren und erfordern laufende Anpassungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette." So stehen aktuell vor allem die Sortimentsbereiche im Fokus, in denen Konsument:innen besonders preissensibel reagieren: "Die Komplexität in der Produktion und im Sortiment nimmt stetig zu – bei gleichzeitig sinkender Zahlungsbereitschaft. Hier ist eine klare Sortimentsfokussierung notwendig oder raus aus Bereichen, die mittelfristig nicht sanierbar sind."

Aufwärts dagegen gehe es aber wiederum vor allem in den ernährungsbewussten Segmenten: Insbesondere Proteinprodukte, Kefir, laktosefreie Produkte und ausgewählte Frischekonzepte entwickeln sich sehr gut. Auf den allgemeinen Kostendruck antworte man wie folgt: "Wir reagieren mit striktem Kostenmanagement, Effizienzsteigerungen, Investitionen in moderne Technologien sowie mit einer laufenden Überprüfung von Rezepturen, Packungsgrößen und Produktionsabläufen – ohne dabei unsere Qualitätsstandards zu kompromittieren." Denn angesichts der spürbaren Konsumzurückhaltung müsse der Fahrplan für Markenhersteller lauten: "Relevanz zeigen, Vertrauen sichern und Produkte anbieten, die für Konsumenten auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten einen nachvollziehbaren Nutzen haben."

Skyr is the Limit

Die Nummer 3 auf dem Markt ist SalzburgMilch, wo man von Geschäftsführer Andreas Gasteiger einen ähnlichen Lagebericht bekommt: "2025 war ein in vieler Hinsicht herausforderndes Jahr mit einer nie dagewesenen Dynamik im Milchmarkt mit stark steigenden Rohmilchmengen und ab Sommer stark fallenden Milchpreisen, was eine enorme Belastung für unsere rund 2.400 Milchlieferantinnen und -lieferanten darstellt." Unsichere Zeiten mit stark schwankenden Märkten seien eben immer eine Herausforderung und erschweren Planung und Kostenmanagement. Dennoch sei es gelungen, das Geschäftsjahr mit einem Plus in Menge und Umsatz abzuschließen.

Für die Zukunft sieht man sich zudem insbesondere durch die Fusion mit Pinzgau Milch gerüstet: "Das heurige Jahr ist geprägt von der Zusammenführung und der Nutzung der vielfältigen Synergien dieser beiden Unternehmen. Mit einem sehr engagierten Team und vielen neuen Möglichkeiten sind wir davon überzeugt, auch 2026 wieder zu einem erfolgreichen Jahr zu machen." Somit ist Gasteiger trotz all der derzeitigen Schwierigkeiten optimistisch gestimmt: "Krisen bieten auch neue Chancen und Möglichkeiten. So unangenehm und unvorhersehbar viele Entwicklungen sein mögen, in anderen Bereichen spüren wir auch Aufwind und investieren viel in neue Anlagentechnik, um der hohen Nachfrage gerecht werden zu können." So bestehe ein sehr hohes und sogar steigendes Interesse bei proteinreichen Produkten wie Skyr oder Joghurt sowie bei Frischkäse.

Und auf sich verändernde Verwendungsgewohnheiten schnell einzustellen, sei aktuell ökonomisch noch mehr geboten als sonst: "In einigen Bereichen ist eine verminderte Nachfrage festzustellen, es ist daher notwendig rasch zu reagieren und Kapazitäten für andere Produktgruppen zu schaffen, um Ausgleich erzielen zu können. Das gelingt uns gut, weil wir generell sehr flexible Strukturen haben." Ein beständiger Klassiker bleibt aber auch bei SalzburgMilch mit dem Premium Almkönig ein Produkt aus dem Bereich Käse – wie erwähnt der brummende Motor der heimischen Molkereiindustrie – vor allem im Exportgeschäft.

Käse von der Wiese

Das kann mit Woerle eine hierzulande bekannte Marke in dem Bereich bestätigen: Mit einer Exportquote von rund 61 Prozent ist das Unternehmen aus Henndorf am Wallersee aktuell in 70 Ländern vertreten – wenn auch häufig unter einem anderen Namen, sagt Geschäftsführer Gerrit Woerle: "Unter der Marke "Happy Cow" positionieren wir international vor allem Schmelzkäse, zunehmend aber auch Naturkäse und Frischkäse. Während „Woerle" in vielen Märkten erklärungsbedürftig ist, transportiert 'Happy Cow' Herkunft, Qualität und Sympathie auf einen Blick." Trotzdem bleibe das Auslandsgeschäft anspruchsvoll: Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen müssen in vielen Märkten sehr genau beobachtet werden. Aber insgesamt konnte man bislang der schwierigen Weltlage trotzen, erzählt Woerle: "Wir haben uns 2025 in einem angespannten Marktumfeld stabil behauptet. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung sind wir insgesamt zufrieden."

Vor allem Frischkäse, High-Protein- und Bioprodukte gewinnen weiter an Bedeutung – wie ebenfalls weiterhin nachhaltige Erzeugnisse: "Käse ist ein Naturprodukt und seine Qualität entsteht nicht erst in der Käserei, sondern auf der Wiese in der täglichen Arbeit unserer bäuerlichen Partner. Wichtig ist uns dabei, dass Nachhaltigkeit nicht verordnet, sondern gemeinsam entwickelt wird. Nur wenn ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und Transparenz zusammenkommen, entsteht ein echter Mehrwert." Bei Woerle stand insgesamt am Schluss ein Umsatz von 189 Millionen Euro in der Bilanz – eine moderate Steigerung zum Vorjahr. Und was erhofft er sich für 2026? "Die Rahmenbedingungen bleiben in Teilen anspruchsvoll, gleichzeitig sehen wir gute Chancen für eine stabile Weiterentwicklung." Und dabei wolle man andere Wege gehen als mancher Mitbewerber: "Gerade in einer Zeit, in der viele Molkereien auf Größe und Zusammenschlüsse setzen, ist für uns klar: Fusionen sind kein Thema." Als Familienunternehmen in fünfter Generation wolle Woerle seine Eigenständigkeit bewahren.

Schafsmilch gesucht

Die Käsemacher ist ebenfalls ein Familienunternehmen, wo sich Geschäftsführerin Doris Ploner ähnlich über einen positiven Abschluss freuen kann: "Im Wirtschaftsjahr 2024/2025 konnten wir den Umsatz planmäßig halten, mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. In einigen Produktgruppen haben wir an Umsatz verloren, dafür aber in anderen dazugewonnen." Für den Abschluss des aktuellen Geschäftsjahres strebt sie eine leichte Steigerung des Umsatzes an: "Wir sind zuversichtlich, dass wir durch strategische Maßnahmen und eine effiziente Unternehmensführung unsere Position am Markt weiterhin behaupten können." Dazu musste man zuletzt zu ähnlichen Mittel greifen wie andere Mitbewerber: "Wie viele Produktionsbetriebe kämpfen auch wir mit steigenden Kosten. Genau diese Kosten mussten wir zuletzt 2025 am Markt anpassen, um unsere Rentabilität in Zukunft weiter sichern können. Ein Schritt, der schon lange notwendig war, da Preisanpassungen unsererseits in den letzten Jahren gar nicht oder nur sehr dezent vorgenommen wurden." Das Sortiment sei aber insgesamt gut aufgestellt, auch weil man Produkte mit schlechter Drehung und geringen Absätzen regelmäßig auslistet. Der Preisdruck im Handel sei nämlich eine große Herausforderung: "Durch gestiegene Lebensmittelpreise im Einzelhandel sind Konsument:innen weniger bereit, in nachhaltig produzierte Spezialitätenprodukte zu investieren. Wir sind mit einem intensiveren Wettbewerb konfrontiert und müssen unseren Kund:innen immer mehr Mehrwert bieten."

Dabei bringt Ploner derzeit die Rohstoffbeschaffung ins Schwitzen: "Aufgrund der wirtschaftlichen Situation werden viele, meist kleinere Milchbetriebe nicht mehr weitergeführt. Dies hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass wir einige Lieferanten verloren haben. Aktuell suchen wir weitere Partnerbetriebe, die uns mit Schaf- und Ziegenmilch versorgen." Insbesondere daraus hergestellte Produkte werden nämlich derzeit verstärkt nachgefragt, da sie im Vergleich zu Kuhmilchprodukten generell als leichter verträglich gelten und vor allem für Kuhmilchallergiker besser geeignet seien. Von welcher Pflanze oder welchem Tier also auch immer – der Milchdurst ist den Österreicher:innen noch längst nicht vergangen.   

www.berglandmilch.at

www.noem.at

www.milch.com

www.woerle.at

www.kaesemacher.at

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