Interview mit Alexander Rainsberger & Alexander Humer
"Filialen im Handel werden zur digitalen Prozessdrehscheibe"

Mit der Erweiterung der Geschäftsführung stellt sich der IT-Anbieter Barcotec strategisch für die nächste Wachstumsphase auf. Die beiden Geschäftsführer sprechen im LEADERSNET-Interview über steigende Anforderungen im Handel und darüber, warum Themen wie KI, Cybersecurity und Device-Management künftig über den Erfolg digitaler Prozesse entscheiden werden.

KEYaccount: Sehr geehrter Herr Rainsberger, warum war jetzt der richtige Zeitpunkt, die Geschäftsführung zu erweitern und welche Entwicklungen der letzten Jahre haben diese Entscheidung notwendig gemacht?

Alexander Rainsberger: Barcotec ist seit der Gründung 1989 in Salzburg kontinuierlich gewachsen und betreut heute über 5.000 Kund:innen vom KMU bis zum Konzern – mit einer Platzierung unter den Top 20 der Hardware-Lieferanten in Österreich. Mit dieser Größe steigen auch die Anforderungen: NIS-2, der wir bereits vollständig entsprechen, ITIL-nahe Strukturen auf Kundenseite, höhere operative Komplexität. Eine zweite Geschäftsführung war der logische Schritt, um diese Bandbreite professionell zu führen und gleichzeitig den persönlichen Betreuungsanspruch beizubehalten, der Barcotec auszeichnet.

KEYaccount: Sehr geehrter Herr Humer, was bedeutet dieser Schritt für Sie persönlich und fachlich und welche Zukunftsvision haben Sie für Barcotec?

Alexander Humer: Früher haben wir Geräte verkauft. Heute betreiben unsere Kund:innen damit geschäftskritische Infrastruktur – und erwarten Service-Level, strukturiertes Incident- und Change-Management nach ITIL und durchgängige Lifecycle-Betreuung. Genau hier liegt meine Vision: Barcotec als den österreichischen Betriebspartner zu etablieren, der Hardware, Software und Services aus einer Hand verantwortet. Persönlich ist die Geschäftsführungserweiterung die folgerichtige Fortsetzung meines Wegs durch Vertrieb, Gebietsleitung und Geschäftsleitung; fachlich der nächste Schritt, um diesen Wandel mit Alexander Rainsberger gemeinsam und konsequent zu skalieren. Mit klarem Bekenntnis zur persönlichen Betreuung und zum Standort Österreich – das hat uns hierhergebracht und bleibt unser Fundament.

KEYaccount: Wo sehen Sie aktuell die wichtigsten Wachstumstreiber für Barcotec?

Humer: Vier Treiber: Erstens KI-gestützte Auto-ID – Computer Vision übernimmt heute Multicode-Erfassung, Offline-OCR und Objekterkennung, die vor zwei Jahren noch Menschen erledigt haben. Zweitens Enterprise Mobility und UEM, also Unified Endpoint Management – mit zunehmenden Geräteflotten wird zentrale Verwaltung geschäftskritisch. Drittens RFID als Standard für durchgängige Prozessdigitalisierung. Und viertens Managed Services – Kund:innen erwarten heute nicht nur Technologie, sondern Betriebssicherheit über den gesamten Lifecycle. Genau dort entwickeln wir uns weiter: vom Hardware-Lieferanten zum Betriebspartner. Technologie allein schafft keinen Mehrwert – erst der saubere Betrieb tut es.

KEYaccount: Wie verändern sich die Anforderungen Ihrer Kund:innen, insbesondere im Handel?

Rainsberger: Filialen im Handel werden zur digitalen Prozessdrehscheibe: Click & Collect, Ship-from-Store, Retouren, Self-Checkout, Electronic Shelf Labels, Altersverifikation – das alles muss nahtlos zusammenspielen. Es geht nicht mehr um einzelne Geräte, sondern um stabile End-to-End-Prozesse vom Lager bis zur Kassa. Gleichzeitig steigt mit jeder vernetzten Hardware die Angriffsfläche. Sichere Datenübertragung, Geräte- und Benutzer-Authentifizierung, Schutz vor Manipulation entlang der Supply Chain – diese Themen stehen heute genauso weit oben wie reine Performance. Handelskund:innen erwarten beides: messbare Effizienz und nachweisbare Sicherheit.

KEYaccount: Herr Humer, wie unterstützen Sie Unternehmen konkret dabei, ihre digitale Infrastruktur stabil und sicher am Laufen zu halten?

Humer: Wir begleiten von der Beratung über Inbetriebnahme bis zum laufenden Betrieb – mit zentraler Gerätekonfiguration, Firmware- und Sicherheitsupdates, Kiosk-Modus, Support und sauberen Rollout-Prozessen. Im Zentrum steht unsere mCloud, eine in Österreich gehostete Unified-Endpoint-Management-Plattform. Das ist ein klarer Unterschied zu globalen Hyperscalern: Datensouveränität, DSGVO-Konformität und Erreichbarkeit ohne Sprachbarriere. Ab einer gewissen Geräteflotte ist zentrales Management nicht mehr Komfort, sondern Voraussetzung für Verfügbarkeit und Compliance – und genau dort setzen wir an.

KEYaccount: Wie gut sind Unternehmen aus Ihrer Sicht aktuell auf Themen wie Cybersecurity und regulatorische Anforderungen vorbereitet?

Rainsberger: Gemischt. Viele kennen NIS-2 und die seit August 2025 geltende Radio Equipment Directive – also neue Sicherheitsanforderungen für Geräte wie Authentifizierung, deaktivierte Netzwerkdienste und höhere WLAN-Standards. In der operativen Umsetzung hapert es aber oft. Plug-and-Play funktioniert hier nicht mehr; es braucht strukturierte Implementierung und durchdachte Secure-by-Design-Konfigurationen. Wir selbst haben NIS-2 bereits vollständig umgesetzt – das ist nicht nur Pflicht, sondern auch Glaubwürdigkeitsbeleg gegenüber Kund:innen, die genau diese Themen an uns auslagern wollen.

KEYaccount: Welche technologischen Innovationen werden Ihre Branche in den kommenden Jahren am stärksten prägen?

Rainsberger: Klar an erster Stelle: KI in der Auto-ID. Bessere Erstleseraten, Multicode-Erfassung aus einem Bild, OCR-Schrifterkennung, Objekterkennung und Qualitätskontrolle – das alles läuft heute auf modernen mobilen Erfassungsgeräten. Im Handel wird KI-basierte Schwundreduktion ein eigener Markt. Dazu kommen RFID für durchgängige Prozessdaten, UEM-Plattformen für stabilen Betrieb, ein sinnvoll nutzbares Identity-Management und vernetzte Echtzeit-Daten als Grundlage für jede weitere Optimierung. Wer heute Hardware kauft, kauft eigentlich Software. Und in ein bis zwei Jahren kauft er einen ganzen Service.

KEYaccount: Woran arbeitet Barcotec aktuell und welche neuen Lösungen dürfen Kund:innen in nächster Zeit erwarten?

Rainsberger: Zwei Pipeline-Schwerpunkte. Erstens der konsequente Ausbau unserer Managed Services rund um die mCloud: standardisierte Rollouts, proaktives Monitoring, automatisierte Updates, klar definierte Service-Level. Zweitens – und das ist die strategisch größere Geschichte – eine Entwicklung, die wir sehr bald in die ersten Installationen bringen. Wir schließen eine Lücke, die in der Industrie zwar bekannt, aber nirgends sauber gelöst ist: die Identität gewerblicher Mitarbeiter:innen auf geteilten Geräten. Im Büro hat heute jede:r Mitarbeiter:in ein eigenes, gesichertes Login, wobei jede Aktion einer Person zugeordnet ist. Im Lager, in der Produktion oder an der Kassa teilen sich oft viele Menschen ein Gerät; identifiziert wird mit einem PIN, der irgendwo sichtbar klebt. Wir schließen diese Lücke biometrisch, offline, hochsicher mit dem Secure Face QR und eben bewusst ohne zentrale Biometrie-Datenbank, also DSGVO- und betriebsratskonform by Design. Über Autarc-ID kommunizieren wir öffentlich in einigen Monaten. Wer früher Einblick haben möchte, kann gerne direkt auf uns zukommen.

www.barcotec.at

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