Fotos der Premiere
Die Opernstudios der Volksoper Wien baten zum Kaiser-Drama "Titus"

Im Muth feierte Mozarts letzte Oper eine umjubelte Premiere. Die Inszenierung bewies eindrucksvoll, dass das Werk über die Milde des römischen Kaisers auch über 200 Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner psychologischen Wucht verloren hat.

Am 8. Mai 2026 feierte das Kaiser-Drama "Titus" Premiere im Muth. Doch als sich der Vorhang des vollbesetzten Konzertsaals der Wiener Sängerknaben hob, blickte das Publikum nicht etwa auf das antike Rom, sondern in die unterkühlte Ästhetik eines Regierungsbüros der Reagan-Ära. Regisseur Maurice Lenhard verzichtete in seiner Inszenierung von Mozarts letzter Oper "La clemenza di Tito" – oder kurz "Titus" – gänzlich auf Toga und Lorbeerkranz. Stattdessen dominierte ein sanftes Minzgrün die Bühne von Christina Geiger, das sowohl die Unschuld als auch giftige Intrigen untermalte.

Ein Herrscher zwischen den Fronten

Das Bühnenstück gleicht einem psychologischen Kammerspiel, das die Oper in einen zeitgenössischen Thriller über Machtmechanismen verwandelt. Die von Ricardo Vendramin Ross neu arrangierte Fassung blickt hinter die Fassade der kaiserlichen Milde. Dabei wird die Bühne zum Schauplatz eines Attentats, das die Grundfesten des Staates erschüttert.

Im Zentrum steht die verzweifelte Vitellia, die sich durch Titos Heiratspläne gedemütigt fühlt und ihren ergebenen Verehrer Sesto zum Mord am Kaiser anstiftet. Sesto gerät dabei in einen unlösbaren Konflikt zwischen seiner tiefen Freundschaft zu Tito und seiner obsessiven Liebe zu Vitellia. Als das Kapitol in Flammen aufgeht und der Anschlag vermeintlich gelingt, offenbart sich die Instabilität des Systems. Auch das zweite Liebespaar, Servilia und Annio, wird in das Netz aus politischer Erpressung und moralischen Dilemmata gezogen.
So nutzt Tito die abschließende Vergebung nicht als Akt der Menschlichkeit, sondern als strategische Staatslüge zur Machtsicherung. Vor dem Hintergrund aktueller politischer Dynamiken verstricken sich die Protagonist:innen in ein gefährliches Netz aus Loyalität und Verrat. In dieser Inszenierung wird deutlich, dass Titos Milde kein Zeichen von Herzensgüte ist, sondern ein kalkuliertes Manöver, um die öffentliche Meinung zu steuern und die Verschwörer:innen psychologisch zu entwaffnen.

In einer Welt, in der jedes Geständnis und jede Gnade medial inszeniert wird, bleibt am Ende die Frage, wer in diesem skrupellosen System aus Korruption und Mord tatsächlich die Oberhand behält.

Radikale Klänge

Musikalisch basierte die Produktion auf einer Kammerfassung von Ricardo Vendramin Ross, der Mozarts Partitur für ein kleineres Ensemble bearbeitete. Ein Merkmal dieser Bearbeitung war die Einbindung moderner Instrumente wie E-Gitarre und Keyboard. Diese brachen das klassische Klangbild auf und dienten dazu, die psychischen Spannungen der Figuren deutlicher hervorzuheben. Unter der Leitung von Michael Papadopoulos setzte das junge Ensemble diese Fassung um, wobei die musikalische Substanz des Originals trotz der modernen Ergänzungen erhalten blieb.

In der Premiere von "Titus" am 8. Mai 2026, bei der es sich um eine Produktion des Opernstudios der Volksoper Wien handelt, übernahm Michael Papadopoulos die musikalische Leitung. Die Titelpartie des Tito wurde von Seiyoung Kim gesungen, während Mira Alkhovik als Vitellia und Chelsea Guo als Servilia auf der Bühne standen. In den weiteren Rollen waren Camila Aguilera Yáñez als Sesto, Aleksandra Dimić als Annio und Smelo Mahlangu als Publio zu erleben. Das Instrumentalensemble setzte sich aus Josip Maticic (1. Violine), Juan Pablo Parra-Bedoya (2. Violine), Nataliia Kuleba (Viola) und Zsuzsanna Pázmándi (Violoncello) zusammen. Unterstützt wurden sie von Nicole Henter an der Flöte, Felicia Bulenda an der Klarinette sowie Ricardo Ross an der E-Gitarre. Die rhythmische und harmonische Begleitung gestalteten Florian Pöttler am Schlagwerk und der Pauke sowie Christopher Flaskamp an den Tasteninstrumenten.

Einen Eindruck von der Premiere können Sie mittels Galerie gewinnen. 

www.volksoper.at

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