Markttest bei Sotheby’s?
Das 30-Millionen-Euro-Phantom: Warum der Keutschacher See unverkäuflich bleibt

| Julia Weninger 
| 29.04.2026

30 Millionen Euro auf dem Tisch und trotzdem kein Deal. Der Keutschacher See stand vor wenigen Jahren bei Sotheby's zum Verkauf. Trotz regem Interesse der öffentlichen Hand blieb der Deal aus. War das Verkaufsangebot am Ende nur ein spektakuläres Testen?


Kärnten schreibt gerade Immobiliengeschichte im Schnelldurchlauf. Das Angerer-Schlössl in Pörtschach wechselte heuer für 33 Millionen Euro den Besitzer. Bauträger Herbert Waldner entwickelt derzeit das Heidi-Horten-Areal in Sekirn, laut Kleiner Zeitung ein Deal im Wert von rund 80 Millionen Euro. Und der Kauf der Blumeninsel durch Familie Kraßnig sorgt für Aufsehen.

Sotheby's inseriert einen ganzen See

"Ein eigener See im Herzen Österreichs": mit diesem Sujet schaltete Sotheby's eine Verkaufsanzeige, die österreichweit für Aufsehen sorgte. Neben einer Ranch auf Hawaii um 260 Millionen Dollar wurde der 1,32 Quadratkilometer große Keutschacher See angeboten, mit einem Ausrufpreis: 30 Millionen Euro. Im Paket enthalten wären das Wasser- und Fischereirecht, das Vier-Zimmer-Chalet der Eigentümerfamilie sowie die prähistorischen Pfahlbauten am Seeufer gewesen,  ein UNESCO-Weltkulturerbe.-

Verkauft wurde letztlich nichts. Wer damals konkret Interesse angemeldet hatte, ist nicht bekannt. Die Gemeinde Keutschach zumindest wäre dabei gewesen. Vizebürgermeister Karl Dovjak (SPÖ), der zum damaligen Zeitpunkt noch Gemeindechef war, sagt: "Mit Unterstützung des Landes wäre für uns der Kauf des Sees natürlich Thema gewesen."

Ein See mit bewegter Familiengeschichte

Der Keutschacher See befindet sich seit 1924 im Privatbesitz der Familie Meßner. Ein Großgrundbesitzer vermachte ihn damals seiner Schwester, die männlichen Nachkommen seien mit "wertvolleren" Dingen bedacht woeden. Dass ein See in Kärnten kein minderwertiges Erbe ist, sollte sich erst später zeigen.

In den Siebzigerjahren wurde es dann ernst: Gundula Meßner, Mutter der heutigen Besitzerin, sollte "im öffentlichen Interesse" enteignet werden. Sie klagte und gewann in allen Instanzen. Der See blieb in Familienhand.

Die Sotheby's-Anzeige Jahrzehnte später sei Insider:innen zufolge wohl weniger ein ernsthafter Verkaufsversuch als ein professioneller Markttest: Wie viel ist ein privater Kärntner See wert? Die Antwort lautete: mindestens 30 Millionen Euro , aber offenbar nicht zu haben.

Privatseen: Ein Kärntner Phänomen

Der Keutschacher See ist kein Einzelfall. Kärnten hat eine bemerkenswerte Tradition privater Seenbesitzer. Der Faaker See gehört den Familien Catasta und Bucher. Der Gösselsdorfer See ist Eigentum des Stifts St. Paul. Und den Hörzendorfer See hält die Familie Kraßnig. Der Turnersee gehört dem Verein Kärntner Grenzland.

Für Investoren bleibt das eine unbequeme Realität: Die attraktivsten Wasserflächen des Landes sind entweder seit Generationen in Familienbesitz oder institutionell gebunden und selbst dann, wenn sie formal auf dem Markt erscheinen, ist ein Abschluss längst nicht garantiert.

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