KEYaccount: Herr Darbo, die Lebensmittelindustrie steht massiv unter Kostendruck. Wo spüren Sie aktuell die größten Belastungen entlang Ihrer Wertschöpfungskette?
Klaus Darbo: Die größten Belastungen spüren wir bei den zuletzt stark gestiegenen Fruchtpreisen und bei Verpackungen. Gerade die letzte Ernte stellte uns vor außergewöhnliche Herausforderungen, da sich die Preise für bestimmte Früchte mehr als verdoppelten, und wir bei der Qualität für unsere Produkte aber entsprechend unserer Markenphilosophie keinen Kompromiss eingehen. Zusätzlich treiben Energie-, Transport- und Logistikkosten die Gesamtkosten entlang der Wertschöpfungskette spürbar nach oben.
KEYaccount: Inwiefern wirken sich die zuletzt stark gestiegenen Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen konkret auf Ihre Produktion und Preisgestaltung aus?
Darbo: Stark steigende Energiepreise erhöhen unsere Produktionskosten sowie jene der Lieferanten spürbar. Besonders betroffen sind die Bereiche Kühlung, Verarbeitung und Logistik. Wir optimieren Prozesse und arbeiten stets an neuen Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung, können aber nicht garantieren, dass wir alle Mehrkosten intern kompensieren können. Dies hängt von den weiteren Entwicklungen ab.
KEYaccount: Wie viel dieser Kostensteigerungen können Sie intern abfedern und ab wann müssen Sie sie an den Handel weitergeben?
Darbo: Einen Teil fangen wir durch Effizienzmaßnahmen und Margenanpassungen ab. Bei anhaltend hohem Kostendruck ist eine selektive Weitergabe an unsere Handelspartner jedoch unvermeidbar. So mussten wir die Preise im Herbst letzten Jahres auch entsprechend erhöhen, um die Qualität unserer Produkte auf gewohnt hohem Niveau zu halten.
KEYaccount: Wie hat sich die Situation bei zentralen Rohstoffen wie Früchten, Zucker und Verpackung zuletzt entwickelt?
Darbo: Der wichtigste Rohstoff ist die Frucht. 2025 war geprägt von einer historisch schlechten Erntesituation, u. a. ausgelöst durch starke Frostperioden. Zucker und Verpackung waren sehr volatil.
KEYaccount: Wie wichtig sind langfristige Partnerschaften mit Lieferanten in einer Zeit, in der Beschaffung und Preise immer volatiler werden?
Darbo: Langfristige Partnerschaften sind entscheidend, um Versorgungssicherheit und stabile Qualität zu gewährleisten. Wir haben viele Partner, mit denen wir seit Jahrzehnten zusammenarbeiten. Gerade in Jahren, in denen qualitativ hochwertige Rohwaren sehr knapp sind, sind wir darauf angewiesen, dass wir diese auch in der gewünscht hohen Qualität und Menge beziehen können. Langjährige, vertrauensvolle Lieferantenbeziehungen verschaffen uns in diesem Zusammenhang einen Vorteil.
KEYaccount: Wie würden Sie das aktuelle Kräfteverhältnis zwischen Markenherstellern und Lebensmitteleinzelhandel beschreiben?
Darbo: Verhandlungen sind meist hart, aber das gehört dazu. Wir erleben die Geschäftsbeziehung zu den österreichischen Handelsorganisationen dennoch als eine langfristige Partnerschaft auf Augenhöhe. Letztendlich teilen wir die Intention, die jeweilige Warengruppe weiterzuentwickeln und den Konsument:innen attraktive Angebote zu stellen.
KEYaccount: Der Handel baut seine Eigenmarken weiter aus. Sie haben in einem Interview einmal gesagt „Wir sind keine Preiskämpfer“. Wie lässt sich diese Position im Wettbewerb noch durchhalten?
Darbo: Unsere Stärke liegt in Qualität, kontinuierlicher Innovation, Sortenvielfalt und Marke, nicht im Preiswettbewerb. Diese Differenzierung ist ein attraktives Gesamtkonzept für Konsument:innen, welche hohe Qualität und Genuss schätzen. Letztlich ist auch unsere gesamte Wertschöpfungskette auf die Premium-Positionierung ausgerichtet, sei es von Rohstoffbeschaffung über Produktion bis zur Werbestrategie.
KEYaccount: Sie erzielen rund 60 Prozent Ihres Umsatzes im Export. Wo sehen Sie aktuell die größten Hoffnungsmärkte?
Darbo: Der deutsche Markt ist für uns sehr attraktiv und die Entwicklung für Darbo bisher sehr erfreulich. Diese Entwicklung ist aber mit jahrelangen und hohen Investments verbunden. Wir verzeichneten in Deutschland im Geschäftsjahr 2025 ein Wachstum von 10,3 Prozent und sind mittlerweile die Nummer drei der Markenhersteller. Zudem sind Italien, aber auch Fernost zentrale Märkte, in denen wir relevantes Wachstum erwarten.
KEYaccount: Wo sehen Sie produktseitig aktuell die spannendsten Wachstumsfelder und Innovationschancen für Darbo?
Darbo: Wachstumschancen für Darbo sehen wir bei zuckerreduzierten Produkten als auch beim Thema Regionalität, gerade im Zusammenhang mit Honig. Zudem steckt Potenzial in kurzen Zutatenlisten und hohen Fruchtanteilen beziehungsweise -mengen. Dementsprechend haben wir letztes Jahr auch einen Etiketten-Relaunch bei unseren Sirupen realisiert. Wir loben nun die außergewöhnlich hohe Fruchtmenge, welche für die Darbo Sirupe verarbeitet wurde, auf den Vorderetiketten aus.
www.darbo.com
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