Interview mit Michael Maier & Tessa Pfattheicher
"KI-Transformation ist kein Technologieprojekt, sondern Initiator eines Organisationswandels"

| Redaktion 
| 16.04.2026

Im LEADERSNET-Interview sprechen Michael Maier, Director iteratec Austria, und Tessa Pfattheicher, Geschäftsführerin iteratec, u.a. darüber, wie Künstliche Intelligenz schon heute Geschäftsmodelle, Projektarbeit und Skill-Sets verändert, welche Chancen sich daraus für Unternehmen ergeben und worauf es bei einer verantwortungsvollen Transformation ankommt.

LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Pfattheicher, wenn wir auf iteratec im Jahr 2026 schauen: Welche Rolle soll Künstliche Intelligenz dann für Ihr Geschäftsmodell, Ihre Projekte und Ihre tägliche Arbeit spielen?

Tessa Pfattheicher: Für uns ist KI ein integraler Bestandteil unserer Wertschöpfung. Sie wird unser Geschäftsmodell, unsere Delivery-Modelle und unsere tägliche Arbeit fundamental prägen. Konkret bedeutet das: KI ist tief in unsere Projektarbeit integriert, unterstützt unsere Teams entlang der gesamten Wertschöpfungskette und ermöglicht neue, skalierbare Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Unser Anspruch ist es, KI nicht punktuell einzusetzen, sondern systematisch in agentischen, end-to-end gedachten Wertströmen zu nutzen – stets unter menschlicher Verantwortung.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Maier, als IT-Unternehmen ist iteratec gleichzeitig Anwender und Treiber von AI. Wo sehen Sie für iteratec die größten Chancen – und wo die größten Herausforderungen – in dieser Doppelrolle?

Michael Maier: Die größte Chance dieser Doppelrolle liegt in unserer Glaubwürdigkeit: Wir beraten nicht theoretisch, sondern aus eigener, operativer Erfahrung. Indem wir KI selbst produktiv einsetzen, verstehen wir sowohl technologische als auch organisatorische Hürden aus erster Hand. Wir betreiben "Walk the Talk".

Die Herausforderung wiederum besteht darin, Innovationsgeschwindigkeit und Verantwortung auszubalancieren. Als Treiber neuer Technologien müssen wir schnell sein – als Anwender müssen wir zugleich Qualität, Sicherheit, Datenschutz und Governance gewährleisten. Genau aus diesem Spannungsfeld entsteht aber unser Mehrwert für Kund:innen.

LEADERSNET: Welche konkreten internen AI-Use-Cases bei iteratec haben für Sie heute schon das größte Transformationspotenzial, z. B. in Softwareentwicklung, Beratung oder internen Prozessen?

Maier: Einer der illustrativsten Cases hört auf den einprägsamen Namen MAIA. Der Multi-Agent-Invoicing-Assistant wird seit 2025 bei iteratec eingesetzt und ist sicherlich eines der transformativsten Projekte für den Geschäftsalltag. Ein eigentlich als schwer automatisierbar geltender Prozess – die individuelle Rechnungserstellung für Kund:innen – wird so mittels der Zusammenarbeit mehrerer spezialisierter KI-Agenten, klassischer Automatisierung und menschlicher Mitarbeit und Aufsicht in der Effizienz gesteigert. Das System wird laufend weiterentwickelt, gibt uns aber schon heute vielfache Learnings für die vollumfängliche KI-Transformation in allen Unternehmensbereichen. 

LEADERSNET: Wie verändert AI aus Ihrer Sicht bis 2026 das Skill-Set Ihrer Mitarbeitenden – und was bedeutet das für Weiterbildung, Recruiting und Kultur?

Pfattheicher: Wenn KI die Routine übernimmt, entsteht Raum für das, was Menschen ausmacht: Kreativität, Empathie und Urteilsvermögen. Skills verschieben sich klar von reiner Ausführung hin zu Steuerung, Kontextverständnis und Ergebnis- sowie Prozessverantwortung. Mitarbeitende orchestrieren spezialisierte Agenten im vollen Verständnis ihrer Funktionsweise.

Das hat direkte Auswirkungen auf Weiterbildung und Recruiting: Neben technischem Know-how gewinnen Systemdenken, kritisches Urteilsvermögen und der souveräne Umgang mit KI-bedingter Ambiguität und Unschärfe stark an Bedeutung. Und für die Kultur gilt: Wer die nötige Transformation konsequent mit und für die Menschen gestaltet, legt damit auch das Fundament für eine nachhaltig menschenzentrierte Kultur.

LEADERSNET: In Kundenprojekten erleben Sie sehr unterschiedliche Reifegrade im Umgang mit AI. Wie positioniert sich iteratec strategisch, um Kund:innen von ersten Experimenten bis hin zur skalierbaren AI-Transformation zu begleiten?

Pfattheicher: iteratec versteht sich als End-to-End-Partner für die KI-Transformation. Wir holen Kund:innen dort ab, wo sie stehen – von der Strategie, ersten Pilotprojekten über organisatorische und technologische Skalierung bis hin zur tief integrierten, produktiven Nutzung, und gehen dabei natürlich mit Erfahrung auf die unterschiedlichen Entwicklungspunkte ein, in denen unsere Kund:innen stehen. Strategisch setzen wir auf relevante Use-Cases, starke Pilotprojekte, klare Daten- und Governance-Modelle sowie auf eine enge Verzahnung von Technologie, Organisation und Kultur.

LEADERSNET: Wo haben Sie in Kundenprojekten bereits gesehen, dass AI echten Business-Impact liefert – jenseits von Prototypen und Hype?

Maier: Bei der Unterstützung unseres Kunden Raiffeisen Immobilien kann der praktische Impact bereits jetzt beobachtet werden: Durch den in gemeinsamer Arbeit entwickelten KI-Assistenten Ri.Ki haben Raiffeisen-Makler:innen nun die Möglichkeit, entlang des gesamten Vermittlungsprozesses die adaptive Hilfe dieses neuen Systems zu nutzen: Bei der Begutachtung von Exposés und rechtlichen Dokumenten als Vorbereitung, bei Besichtigungsterminen, während derer alle erdenklichen Informationen über das Objekt abgerufen werden können – das ist möglich, da der Assistent mit allen Datenbanken verbunden ist – und auch nach der Besichtigung, wen etwa passende Objekte direkt in der Nähe vorgeschlagen werden können. 

LEADERSNET: AI beschleunigt Entscheidungen, Entwicklung und Innovation massiv. Wie stellen Sie sicher, dass Sie dabei verantwortungsvoll handeln – z. B. in Bezug auf Qualität, Transparenz und Ethik?

Pfattheicher: Verantwortung ist für iteratec integraler Teil der neuen AI-Welt. Zentral ist, dass sie letztendlich immer beim Menschen bleiben muss. Wir setzen konsequent auf "Human in the Loop", klare Qualitätsmechanismen, transparente Entscheidungslogiken und strenge Datenschutz- und Security-Standards. Gerade weil KI Geschwindigkeit erhöht, braucht es klare Leitplanken – technisch, organisatorisch und kulturell.

LEADERSNET: Welche Investitionen oder strategischen Weichenstellungen sind aus heutiger Sicht notwendig, damit iteratec 2026 zu den führenden AI-getriebenen IT-Unternehmen zählt?

Maier: Zentral sind Investitionen in Talente, Plattformen und Organisationsstrukturen. Dazu gehören KI-optimierte IT-Architekturen, eigene sichere KI-Infrastrukturen, kontinuierliche Weiterbildung sowie neue Delivery-Modelle. Ebenso wichtig ist die Bereitschaft, bestehende Strukturen zu hinterfragen und weiterzuentwickeln – technologisch wie kulturell.

LEADERSNET: Wenn Sie Ihren potentiellen Kund:innen / Unternehmen eine zentrale Botschaft zur AI-Transformation mitgeben müssten: Was ist Ihnen persönlich am wichtigsten für die kommenden Jahre?

Pfattheicher: KI-Transformation ist kein Technologieprojekt, sondern Initiator eines Organisationswandels. Entscheidend ist nicht, möglichst schnell alles zu automatisieren, sondern die richtigen Fragen zu stellen: Wie tief wollen wir KI in unsere Organisation integrieren? Sind wir uns der Auswirkungen bewusst? Und wie befähigen wir Menschen in diesem Wandel? Wer diese Fragen früh und konsequent adressiert, wird nachhaltig profitieren.

LEADERSNET: Vielen Dank!

www.iteratec.com

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