Preis-Leistung versus Herkunft
Jeder zweite Österreicher offen für E-Autos aus China – das sind die Gründe

Eine neue Studie belegt, dass die Mehrheit der Europäer:innen den Kauf eines Stromers aus dem Reich der Mitte in Erwägung zieht – getrieben durch ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis und steigende Qualitätsstandards.

Was die steigenden Verkaufszahlen der letzten Jahre bereits vermuten lassen, gibt es jetzt auch schwarz auf weiß: Die Akzeptanz für chinesische Automobilmarken in Europa nimmt signifikant zu. Laut aktuellen Daten von Horváth können sich mittlerweile 55 Prozent aller Europäer:innen vorstellen, ein Elektroauto eines chinesischen Produzenten zu erwerben. Dies entspricht einer Steigerung von zwölf Prozentpunkten gegenüber dem Jahr 2023. Besonders deutlich zeige sich dieser Trend im "Autoland" Deutschland, wo die Bereitschaft von 37 Prozent Anfang 2024 auf nunmehr 52 Prozent angestiegen sei, heißt es in der Studie der Managementberatung.

In Österreich zeichne sich hingegen ein differenzierteres Bild ab. Hier verharre das Interesse mit 49 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres. Christoph Kopp, Associate Partner und Automobilexperte bei Horváth, konstatiert hierzu, dass das anfänglich große Interesse in Österreich spürbar nachgelassen habe. Er führt dies darauf zurück, dass die Markenbekanntheit inzwischen gesättigt sei und sich eine klare Präferenz für europäische Modelle herausgebildet habe.

Internationale Diskrepanzen in der Marktdynamik

Während in Märkten wie Spanien und Ungarn rund drei Viertel der Bevölkerung den Kauf eines chinesischen Fahrzeugs in Betracht ziehen, zeigen sich Schweizer:innen (46 Prozent) und Niederländer:innen (47 Prozent) zurückhaltender. Global betrachtet bleibt China mit einer Umstiegsbereitschaft von 92 Prozent der unangefochtene Leitmarkt.

Georg Mrusek, Principal bei Horváth, erläutert die strategische Diskrepanz: "Der internationale Vergleich verdeutlicht die strategische Herausforderung für europäische Unternehmen. Elektromobilität gehört in China längst zum Mainstream, während sie in Europa noch stark von politischen und wirtschaftlichen Diskussionen geprägt ist."

Preis-Leistung als primärer Treiber

Für die an chinesischen Modellen interessierten Österreicher:innen fungiert primär das Preis-Leistungs-Verhältnis als Kaufargument (56 Prozent), gefolgt von der Preisgestaltung an sich (50 Prozent). Zudem gewinne der Faktor Qualität an Relevanz: Gaben 2023 lediglich 20 Prozent der befragten Österreicher:innen die Qualität als Kaufargument an, so stieg dieser Wert aktuell auf 27 Prozent. Gleichzeitig bestehen weiterhin Vorbehalte, da 42 Prozent der Befragten mangelnde Qualität als Grund gegen einen Kauf anführen.

Kopp sieht darin eine strukturelle Verschiebung und betont, dass chinesische Autos zunehmend als technologisch ernstzunehmende Alternative wahrgenommen würden. Die Kundschaft bewerte die Fabrikate zunehmend nüchtern anhand von Leistungsparametern und weniger nach emotionalen Aspekten wie der Herkunft.

Sinkende Dynamik auf dem österreichischen Markt

Trotz des Aufstiegs chinesischer Hersteller schwächelt der österreichische Elektromarkt insgesamt. Nur noch 57 Prozent der Fahrzeughalter:innen mit konkreten Kaufabsichten planen in den nächsten zwei bis drei Jahren den Umstieg auf ein batterieelektrisches Fahrzeug – ein Rückgang von zehn Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.

Christoph Kopp führt diese Entwicklung unter anderem auf das Ende des Verbrennerverbots zurück, wodurch der unmittelbare Druck auf die Verbraucher:innen abgenommen habe, sich mit der Elektromobilität auseinanderzusetzen. Ob die aktuellen Treibstoffpreise hier eine Trendumkehr bewirken könnten, bleibe laut dem Experten abzuwarten.

Iran-Krieg als E-Mobilitätstreiber?

Dabei muss aber auch gesagt werden, dass die Befragung im Februar 2026 abgeschlossen war - also noch vor dem Beginn des Iran-Kriegs. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass aufgrund der stark gestiegenen Treibstoffkosten immer mehr heimische Autofahrer:innen mit dem Umstieg auf ein E-Auto liebäugeln.

www.horvath-partners.at

Über die Studie

Für die repräsentative Studie befragte das Verbraucherforschungsinstitut Appinio im Auftrag von Horváth knapp 4.500 Pkw-Besitzer:innen in 16 Ländern Europas sowie in China, Brasilien, Indien und den USA.

Berücksichtigt wurden demnach ausschließlich Fahrzeughalter:innen, die in den nächsten zwei bis drei Jahren einen Fahrzeugkauf planen. Die internationale Studie wurde im Februar 2026 abgeschlossen.

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Über die Studie

Für die repräsentative Studie befragte das Verbraucherforschungsinstitut Appinio im Auftrag von Horváth knapp 4.500 Pkw-Besitzer:innen in 16 Ländern Europas sowie in China, Brasilien, Indien und den USA.

Berücksichtigt wurden demnach ausschließlich Fahrzeughalter:innen, die in den nächsten zwei bis drei Jahren einen Fahrzeugkauf planen. Die internationale Studie wurde im Februar 2026 abgeschlossen.

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