Klare Gegensätze
Der Tiroler Gewerbemarkt unter der Lupe: Zwischen Flächennot und Strukturwandel

| Redaktion 
| 26.03.2026

Während Gewerbegrundstücke im Großraum Innsbruck die 1.000-Euro-Marke knacken und Logistiker händeringend nach Großflächen suchen, kämpft der Handel mit Rekordinsolvenzen und Leerständen in B-Lagen. 

Wer Gewerbeimmobilien in Tirol sucht, braucht heute vor allem eines: Geduld. Der Markt ist in Bewegung, aber selten in die Richtung, die Suchende sich wünschen. RE/MAX Conterra Immobilien GmbH mit Sitz in Innsbruck, spezialisierter Ansprechpartner für Gewerbeimmobilien in Tirol unter der Leitung von Arno Wimmer hat ein differenziertes Bild erhoben.

Preisrallye bei Grundstücken: Die 1.000-Euro-Schwelle ist gefallen
Die Zahlen für das zweite Quartal unterstreichen den enormen Flächendruck. Im Großraum Innsbruck hat die Nachfrage das Angebot längst abgehängt, was die Preise für Gewerbegrundstücke auf rund 1.000 Euro pro Quadratmeter getrieben hat. Besonders kritisch ist die Situation für die Logistikbranche: Zusammenhängende Flächen über 30.000 m² sind praktisch vom Markt verschwunden. Als Konsequenz weichen Marktteilnehmer immer häufiger auf Baurechtsmodelle aus.

Handel am Limit: Ein Spiegelbild der Insolvenzwelle

Ein düsteres Bild zeichnet der Bericht für den stationären Handel. Der Online-Boom fordert seinen Tribut, was sich in einer rekordverdächtigen Zahl widerspiegelt: Mit 1.388 Insolvenzen im österreichischen Handel wurde im Jahr 2025 ein Höchststand erreicht.

Diese Entwicklung hinterlässt sichtbare Spuren in den Tiroler Städten. Leerstände prägen zunehmend B- und C-Lagen, doch selbst absolute Toplagen sind laut RE/MAX Commercial "keine Selbstläufer mehr". Bei bestehenden Gewerbeobjekten entscheidet ohnehin primär die Funktionalität und viele Altbestände erfüllen die modernen Nutzeranforderungen nicht mehr und erzwingen kostspielige Modernisierungen.

Stabilität im Büro, Bewegung im Tourismus

Im Gegensatz zum Handel präsentiert sich der Büromarkt robust, wenngleich das Angebot an Großflächen ab 750 m² in der Landeshauptstadt limitiert bleibt. Auffallend ist die Dominanz der Miete gegenüber dem Kauf.

Im Hotelbereich kommen zunehmend Liegenschaften auf den Markt. Häufig nicht aus wirtschaftlicher Not, sondern schlicht mangels Nachfolger. Die Nachfrage ist stabil, Investoren schauen dabei allerdings genauer hin als früher: Wirtschaftliche Kennzahlen und Entwicklungspotenziale rücken in den Vordergrund. In der Gastronomie zeigt sich eine erhöhte Fluktuation, den Expert:innen zufolge ein Zeichen dafür, dass auch dieser Sektor im Umbruch ist.

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