Fotos vom Praxistest
So schlägt sich der neue BYD Atto 3 Evo im LEADERSNET-Test

Die Chinesen haben ihr elektrisches Kompakt-SUV-Segment grundlegend überarbeitet. Wir haben uns angesehen, wie sich die Kombination aus neuer Plattform, schneller Ladeleistung und verbessertem Fahrverhalten im Alltag schlägt.

Der Atto 3 war für BYD so etwas wie der Türöffner nach Europa. Nun legen die Chinesen nach – und zwar nicht mit einem klassischen Facelift, sondern mit einer umfassenden technischen Neuauflage. Größere Batterie, moderne Plattform und deutlich gesteigerte Ladeleistung sollen den Kompakt-SUV fit für die Konkurrenz machen. LEADERSNET konnte die weiterentwickelte Version bereits ausgiebig testen.

Deutlich mehr Technik unter vertrauter Hülle

Optisch bleibt der Atto 3 Evo zurückhaltend. So wirkt die Linienführung nun etwas ruhiger, die Lichtsignaturen moderner, insgesamt aber bleibt der Wiedererkennungswert hoch. Die eigentlichen Fortschritte stecken unter dem Blech. Und da hat sich dafür umso mehr getan. Denn die völlig neue Plattform bringt nicht nur eine größere Batterie, sondern auch eine modernisierte Architektur, die dank Umstellung auf 800-Volt-Technologie Ladeleistungen von bis zu 220 kW ermöglichen soll. In der Praxis bedeutet das vor allem eines: deutlich kürzere Ladepausen – ein echter Pluspunkt und Alleinstellungsmerkmal in dieser Klasse.

Im Test waren wir mit der Einstiegsversion mit Heckantrieb unterwegs. Obwohl Einstiegsversion etwas untertrieben klingt – denn mit 313 PS (230 kW) steht selbst die schwächere der beiden Varianten äußerst gut im Futter. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 5,5 Sekunden, was für ein Kompakt-SUV mehr als ausreichend ist. Auch der Wechsel vom bisherigen Front- auf Heckantrieb macht sich positiv bemerkbar. Jetzt wirkt der Atto agiler, ausgewogener und insgesamt fahraktiver.

Fahrverhalten

Beim Fahrwerk wird schnell klar, dass BYD den europäischen Geschmack treffen wollte. Die Abstimmung ist spürbar straffer als beim Vorgänger. Dadurch liegt der Atto 3 Evo satter auf der Straße und vermittelt auch bei höherem Tempo ein sicheres Gefühl. Gleichzeitig ist das Setup nicht auf maximalen Komfort ausgelegt – kurze Unebenheiten werden deutlich weitergegeben.

Passend dazu arbeitet die Lenkung auf Wunsch überraschend direkt und präzise, wirkt stellenweise fast etwas zu schwergängig abgestimmt. Das passt zwar zum insgesamt dynamischeren Charakter, könnte aber nicht jeden Geschmack treffen. Hier schafft aber eine Einstellungsänderung im Menü für Abhilfe. An der Geräuschdämmung gibt es hingegen nichts zu kritteln. Selbst bei Autobahntempo bleibt es im Innenraum angenehm leise.

Laden und Reichweite

Mit einer WLTP-Reichweite von bis zu 510 Kilometern positioniert sich der Atto 3 Evo solide im Segment. Beim Verbrauch zeigt sich jedoch ein zweigeteiltes Bild. Über Land und in der Stadt begnügte sich der Atto 3 Evo im Test mit rund 16 kWh/100 km – ein sehr guter Wert, der Reichweiten von gut 450 km ermöglicht. Auf der Autobahn sollte man es hingegen nicht übertreiben: Bei Tempo jenseits von 120 km/h steigt der Verbrauch deutlich und kann die 30-kWh-Marke überschreiten. Für effizientes Reisen empfiehlt sich daher ein moderates Tempo. Ist der Tempomat auf 120 km/h eingestellt, sind es gut 20 kWh was auch auf der Autobahn für Reichweiten von rund 350 bis 400 km sorgt. 

Die Ladeleistung gehört zu den größten Stärken des Fahrzeugs. In dieser Klasse ist derart schnelles DC-Laden noch keine Selbstverständlichkeit – hier verschafft sich BYD mit seinen bis zu 220 kW einen klaren Vorteil. Bei der Rekuperation wäre aber mehr drinnen. Sie lässt sich zwar einstellen, ein echtes One-Pedal-Driving fehlt jedoch. Gerade im Stadtverkehr wäre das ein Komfortgewinn gewesen. 

Aufgewerteter Innenraum

Im Innenraum zeigt sich, wie ernst BYD die Weiterentwicklung genommen hat. Die Materialanmutung ist hochwertiger geworden, die Oberflächen wirken sauber verarbeitet und modern. Am Layout selbst hat sich kaum etwas geändert. Dominiert wird das Cockpit vom großen Touchscreen, der klar strukturiert ist und schnell reagiert. Besonders gelungen ist die Integration von Google-Diensten, inklusive Sprachsteuerung. Letztere könnte aber gerne etwas flotter arbeiten. Auch kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sind mit an Bord. Am nun 8,8 Zoll großen Kombiinstrument lässt sich auf Wunsch die Navikarte großflächig einblenden.

Praktisch im Alltag sind die induktive Ladeschale mit hoher Ladeleistung (50 Watt), zahlreiche USB-C-Anschlüsse sowie einige physische Tasten für wichtige Funktionen, welche die Bedienung spürbar erleichtern. Besonders hervorzuheben sind dabei die Lenkradtasten, die Tastenleiste auf der Mittelkonsole und die traditionelle Spiegelverstellung in der Fahrertür.

Für ein Kompakt-SUV der 4,4-Meter-Klasse fällt das Platzangebot großzügig aus. Vorne wie hinten sitzt man bequem, der Kofferraum bietet mit 490 bis 1.360 Litern ausreichend Stauraum. Hinzu kommt jetzt ein Frunk, der zusätzlichen Platz für Ladekabel oder kleinere Gegenstände bietet.

Assistenzsysteme mit Licht und Schatten

Die Assistenzsysteme sind umfangreich und größtenteils serienmäßig an Bord. Im Alltag arbeiten sie grundsätzlich zuverlässig, allerdings mit kleinen Schwächen. So greift der Spurhalteassistent mitunter sehr rigoros ins Lenkrad ein, was gerade auf längeren Strecken störend sein kann. Und auch die Notfallbremsung sowie der Aufmerksamkeitsassistent reagieren für unseren Geschmack zu sensibel. Wie bei vielen anderen Herstellern gleicht die Tempolimitanzeige eher einem Glücksspiel. Positiv: Es gibt praktische Shortcuts, mit denen sich die Systeme vergleichsweise schnell deaktivieren lassen.

Fazit

Mit dem Atto 3 Evo hat BYD deutlich mehr als ein klassisches Facelift auf die Räder gestellt. Die technische Überarbeitung bringt spürbare Fortschritte bei Antrieb, Ladeleistung und Effizienz. Besonders der Wechsel auf Heckantrieb, die gute Alltagseffizienz und die schnelle Ladefähigkeit heben ihn von vielen Wettbewerbern ab. Demgegenüber stehen ein straffes Fahrwerk, ein bei hohem Tempo stark steigender Verbrauch und kleinere Schwächen bei Assistenzsystemen und Bedienung.

Unterm Strich bietet der Atto 3 Evo jedoch ein sehr rundes Gesamtpaket mit viel Ausstattung, moderner Technik und einem konkurenzfähigen Preis – die von uns getestete Ausstattungslinie "Design" gibt es ab 42.990 Euro. Für alle, die ein kompaktes Elektro-SUV mit guter Reichweite, äußerst flotten Fahrleistungen und schneller Ladefähigkeit suchen, ist er eine ernstzunehmende Alternative zu Konkurrenten wie Skoda Elroq, Kia EV3, Renault Megane E-Tech, Hyundai Kona Electric, Leapmotor B10, MG4, etc.

Fotos vom Praxistest sehen Sie in unserer Galerie.

www.bydauto.at

Technische Daten BYD Atto 3 Evo Design

Motor: Permanentmagnet-Synchronmotor
Antrieb: 1-Gang-Getriebe, Hinterradantrieb
Leistung: 230 kW (313 PS)
Drehmoment: 380 Nm
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 5,5 Sekunden
Spitze: 180 km/h
Batteriekapazität: 74,8 kWh
Ladeleistung (AC/DC): 11 kW / bis zu 220 kW
Normverbrauch (WLTP): 16,4 kWh/100 km
Testverbrauch: ca. 16 kWh/100 km (Land/Stadt) / über 30 kWh Autobahn
Reichweite (WLTP): bis 510 km
Reichweite (Test): rund 420 km
Abmessungen: 4.455 / 1.875 / 1.615 mm
Kofferraum: 490 bis 1.360 Liter
Frunk: 95 Liter
Leergewicht: 1.880 kg
Anhängelast: bis 1.500 kg gebremst

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Technische Daten BYD Atto 3 Evo Design

Motor: Permanentmagnet-Synchronmotor
Antrieb: 1-Gang-Getriebe, Hinterradantrieb
Leistung: 230 kW (313 PS)
Drehmoment: 380 Nm
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 5,5 Sekunden
Spitze: 180 km/h
Batteriekapazität: 74,8 kWh
Ladeleistung (AC/DC): 11 kW / bis zu 220 kW
Normverbrauch (WLTP): 16,4 kWh/100 km
Testverbrauch: ca. 16 kWh/100 km (Land/Stadt) / über 30 kWh Autobahn
Reichweite (WLTP): bis 510 km
Reichweite (Test): rund 420 km
Abmessungen: 4.455 / 1.875 / 1.615 mm
Kofferraum: 490 bis 1.360 Liter
Frunk: 95 Liter
Leergewicht: 1.880 kg
Anhängelast: bis 1.500 kg gebremst

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