Mann vs. Frau
Wer beim Einkaufen wirklich auf die Preise achtet

Beim Blick auf den Kassenbon scheiden sich die Geister. Eine Erhebung belegt jetzt, dass Frauen und Männer beim Umgang mit steigenden Kosten grundverschiedene Strategien verfolgen.

Obwohl Frauen heute so gut ausgebildet sind wie nie zuvor, klafft in unserer Gesellschaft eine deutliche Lücke bei der Verteilung von Arbeit und Vermögen. Während Männer häufiger in Vollzeit und in gut bezahlten Führungspositionen zu finden sind, leisten Frauen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit – vom Haushalt bis zur Kindererziehung. 

Diese ungleiche Aufgabenverteilung, auch Gender Care Gap (LEADERSNET berichtete) genannt, führt allerdings zu einem Domino-Effekt, denn kürzere Arbeitszeiten und schlechtere Aufstiegschancen für Frauen münden im sogenannten Gender Pay Gap (LEADERSNET berichtete), der sich im Alter oft in massiven Rentenlücken (Gender Pension Gap) fortsetzt (LEADERSNET berichtete). Arbeit ist somit längst nicht nur eine Frage des Fleißes, sondern oft ein Spiegelbild veralteter Rollenbilder und struktureller Hürden. 

Verschärfung der Ungleichheit

Eine Studie von Shopfully und marketagent, durchgeführt mit 1.057 Personen ab 14 Jahren in Österreich, belegt nun erneut deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede – und zwar bei der Wahrnehmung von Preissteigerungen, wobei Frauen aufgrund des Mental Loads, sprich die kognitive und emotionale Belastung, die durch das ständige Planen, Organisieren und Vorhersehen von Alltagsaufgaben entsteht, bei der Haushaltsplanung die Inflation unmittelbarer spüren. Diese Diskrepanz zwischen statistischer Inflation und persönlichem Erleben wird durch den Gender Inflation Perception Gap verdeutlicht, da Frauen durch geringere finanzielle Puffer die Teuerung aktiver ausgleichen müssen.

Die Inflation ist im Jänner laut Statistik Austria hierzulande deutlich gesunken und beträgt zwei Prozent nach 3,8 Prozent im Vormonat, was vor allem auf statistische Effekte und fallende Energiepreise zurückzuführen ist (LEADERSNET berichtete). Ebenso hat dazu beigetragen auch die planmäßige Aktualisierung des sogenannten Warenkorbs, ein fiktiver Einkaufskorb der Statistik Austria, der mehr als 700 repräsentative Güter sowie Dienstleistungen enthält und als zentrales Instrument zur Messung der allgemeinen Preisentwicklung für Konsument:innen und zur Berechnung der Teuerungsrate gilt. Im Februar ist die Teuerungsrate wieder leicht gestiegen (LEADERSNET berichtete), und aufgrund der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. 

Unterschiedliches Einkaufs- und Konsumverhalten

Laut Studie, die im Herbst 2025 durchgeführt wurde, zeigen sich deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede sowohl in der Wahrnehmung der Belastung als auch im konkreten Einkaufsverhalten. Während 64 Prozent der Männer die Auswirkungen der Inflation als stark bzw. sehr stark bezeichnen, liegt dieser Wert bei Frauen mit fast 70 Prozent deutlich höher. Besonders jener Teil der Befragten, der die Auswirkungen als sehr stark empfindet, offenbart eine signifikante Differenz. So stimmten 38 Prozent der Frauen dieser Aussage zu, während es bei den Männern lediglich 27 Prozent taten. Männer geben hingegen doppelt so häufig an, dass Preissteigerungen sie nur gering oder gar nicht betreffen (7 % vs. 3 % bei den Frauen). 

Diese unterschiedliche Wahrnehmung spiegelt sich auch im konkreten Konsumverhalten wider. So reagieren Frauen etwa konsequenter mit aktiven Sparmaßnahmen. 64 Prozent von ihnen nutzen häufiger Rabatte oder Sonderangebote. Bei Männern liegt dieser Wert bei gerade einmal 51 Prozent. Und auch beim Wechsel zu günstigeren Eigenmarken zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Während 42 Prozent der Frauen vermehrt zu diesen Produkten greifen, sind es bei Männern nur 30 Prozent. Ebenso kaufen 42 Prozent der Frauen teurere Produkte fast ausschließlich im Angebot, bei Männern sind es nur 30 Prozent.

© Shopfully/ marketagent

Wo die Teuerungen spürbar zuschlagen

Preissteigerungen sind besonders im Bereich Lebensmittel und Getränke zu notieren. Ganze 82 Prozent der Befragten nennen diesen Sektor als größte Belastung, wobei der Anteil bei Frauen mit 85 Prozent deutlich über dem der Männer liegt (78 %). Auch bei Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zeichnet sich ein ähnliches Bild. Demnach empfinden 33 Prozent der Frauen hier eine stärkere Belastung, während nur 22 Prozent der Männer Notiz davon nehmen. Die Herren spüren dafür die Preissteigerungen am häufigsten bei Elektronikprodukten (11 % vs. 5 % bei Frauen) sowie Sportartikeln (7 % vs. 3 % bei Frauen). In puncto Kleidung und Schuhe gehen die Belastungen allerdings wieder auf Kosten der Frauen (Frauen 20 % vs. Männer 13 %). 

Wo sich Herr und Frau Österreich einschränken

Das bedeutet, Frauen schränken sich aufgrund der Preissteigerungen wesentlich stärker ein als Männer – und das in fast allen Kategorien, mit Ausnahme von Technik und Elektronik (je 30 %), alkoholischen Getränken (je 20 %), Kaffee (Männer 18 % vs. Frauen 17 %) oder Speiseöl (Männer 10 % vs. Frauen 8 %). Auch auf Obst und Gemüse verzichten Männer (14 %) lieber als Frauen (12 %). Dementsprechend geben Männer auch häufiger an, sich in keiner Produktkategorie einzuschränken (23 % vs. 16 % bei Frauen). 

Besonders arg im Verzicht üben sich Frauen wegen der Teuerungen zudem bei Süßigkeiten (42 % vs. 29 % bei den Männern), Kleidung und Schuhe (41 % vs. 27 % bei den Männern) sowie Schmuck und Accessoires (33 % vs. 23 % bei den Männern). Ein deutlicher Unterschied zeigt sich zudem im Bereich Bücher und Magazine (22 % vs. 13 % bei den Männern). 

© Shopfully/ marketagent

Rettungsversuch: Rabatte

Laut Studie informieren sich 86 Prozent der Österreicher:innen zumindest gelegentlich online vor dem Einkauf im Geschäft. Ein zentraler Teil dieser Vorbereitung ist dabei die gezielte Suche nach Preisvorteilen. Insgesamt geben so 46 Prozent der Befragen an, vor dem Einkauf immer aktiv nach Rabatten zu suchen. Dabei zeigen sich auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern.  Während Frauen nämlich besonders preisbewusst agieren und jede Zweite (52 %) gezielt nach Preisnachlässen sucht, trifft es bei den Männern nur auf 41 Prozent der Befragten zu. 

"Rabattsuche, bewusste Planung und der Griff zu günstigeren Alternativen sind für viele längst Routine. Gleichzeitig wird deutlich, dass Frauen Preissteigerungen stärker wahrnehmen und entsprechend konsequenter reagieren und ihre Einkäufe strukturierter planen. Wer als Händler Kaufimpulse setzen möchte, sollte Rabattaktionen, Angebotskommunikation und digitale Prospekte noch gezielter auf die Zielgruppen zuschneiden und geschlechtsspezifische Unterschiede im Blick haben",  erklärt Alexandra Aichholzer, Country Manager für Shopfully Österreich.

www.shopfully.com

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