Was läuft schief in der Lehre? Die Schülerunion Österreich hat tausende Schüler:innen befragt und die Ergebnisse am 13. März 2026 präsentiert. Das Fazit: Bei der Berufsausbildung muss dringend nachgebessert werden.
Ergebnisse der Umfrage
Laut der Erhebung geben zwei von drei Schüler:innen an, sich nicht gut genug auf ihre Zukunft vorbereitet zu fühlen. Zudem kennt jede:r vierte Schüler:in die eigenen Talente nicht und nur eine:r von drei Schüler:innen weiß, welchen Beruf sie:er mal ausüben möchte. Ein weiteres Problem: Das Niveau an Informationen durch die Schule variiert sehr stark. Darüber hinaus fühlen sich zwei Drittel aller Schüler:innen zu wenig bei der Wahl ihres Berufes ausreichend unterstützt.
Forderung nach mehr Zukunftsperspektiven
Bundesobmann Maximilian Pech fordert daher eine Ausweitung der Bildungs- und Berufsorientierung sowie die Mittlere Reife. "Ich bin der festen Überzeugung, dass sowohl die Bildungs- als auch die Berufsorientierung in unserer Gesellschaft stärker gefördert und besser miteinander verbunden werden müssen", so Pech. "Unsere Umfrage zeigt, dass zwei von drei Schüler:innen nicht wissen, welchen Beruf sie später einmal ausüben möchten. Dieses Ergebnis macht deutlich, dass viele junge Menschen zu wenig Orientierung über ihre Möglichkeiten nach der Schule haben."
Gerade deshalb sei es laut dem Bundesobmann so wichtig, dass Schulen mehr Zeit und Ressourcen in Bildungs- und Berufsorientierung investieren. So fordert er, dass Schüler:innen frühzeitig Einblicke in verschiedene Ausbildungsberufe und Studiengänge erhalten sollten. "Praktika, Informationsveranstaltungen oder Gespräche mit Fachkräften und Studierenden können dabei helfen, realistische Vorstellungen von unterschiedlichen Berufswegen zu entwickeln", heißt es weiter. Dabei dürfe jedoch weder die berufliche Ausbildung noch das Studium als "besser" oder "schlechter" dargestellt werden, meint Pech. Denn beide Wege würden wertvolle Chancen bieten und seien für die Gesellschaft gleichermaßen wichtig.
"Wenn zwei Drittel der Schüler:innen noch keine klare Vorstellung von ihrer Zukunft haben, zeigt das, wie dringend bessere Orientierung notwendig ist. Für uns als Schüler:innen ist klar, dass wir hier von Bildungsminister Wiederkehr mehr Bildungs- und Berufsorientierung fordern müssen, denn die Ergebnisse unserer Umfrage haben uns erschüttert", zieht der Bundesobmann Bilanz.
Mögliche Maßnahmen zur Besserung
Bundesgeschäftsführerin Bernadette Krall ist zudem überzeugt, dass es eine klare Grundlage brauche: "Alle Schüler:innen sollen nach der Sekundarstufe I sicher lesen, schreiben und rechnen können. Diese Grundkompetenzen sind entscheidend, egal ob jemand später eine Lehre beginnt oder ein Studium anstrebt." Darüber hinaus sollen bereits in der sechsten oder siebenten Schulstufe IKM-Testungen durchgeführt werden. "Die Ergebnisse sollen bei Schüler:innen mit Defiziten zu individuellen Entwicklungsgesprächen zwischen Eltern, Schüler:innen und Lehrer:innen führen. Außerdem soll der Lehrkörper verpflichtend behandeln, wie man diesen Schüler:innen während der restlichen Zeit in der Sek I hilft, die Grundkompetenzen zu erlangen", so Krall weiter.
Im ersten Semester der Abschlussstufe der Sekundarstufe I soll eine Prüfung über diese Grundkompetenzen stattfinden. Fällt das Ergebnis negativ aus, soll eine verpflichtende Sommerschule besucht werden, gefolgt von einer Wiederholungsprüfung. Nur ein positives Ergebnis ermögliche einen weiterführenden Bildungsweg. "Ein genaues System, um Prüfungsangst präventiv abzufedern, ist zu diskutieren", fügt Krall hinzu. Diese Maßnahme würde Situationen wie etwa in Wien, wo am Schulanfang laut der Bundesgeschäftsführerin 50 Prozent der Kinder nicht ausreichend Deutsch sprechen können, verhindern und so den Schüler:innen helfen, eine Chance in der Schule bzw. später am Arbeitsmarkt zu haben. Krall fordert daher: "Wir müssen die Defizite in unserem Schulsystem an der Wurzel packen und
gemeinsam einen Schritt Richtung Zukunft gehen."
Somit liegt es nun an den politischen Entscheidungsträger:innen, diese konkreten Reformvorschläge aufzugreifen und sicherzustellen, dass kein Jugendlicher ohne klare Perspektive und solides Fundament ins Berufsleben startet
Über die Schülerunion
Die Schülerunion ist mit 30.000 Mitgliedern die größte Schüler:innenorganisation Österreichs, in der sich die Mitglieder ehrenamtlich engagieren. Durch ihr vielfältiges Serviceangebot gilt sie als wichtige Anlaufstelle für Schüler:innen. Zudem bringt sie ihre Förderungen in der Bundesschülervertretung (BSV) ein, in der sie im Schuljahr 2025/26 23 von 29 Mandaten stellt.
Einen Eindruck vom Pressegespräch können Sie sich mittels Galerie verschaffen.
www.schuelerunion.at
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