LEADERSNET auf der MIPIM 2026
Immobilienbranche diskutierte über Chancen und Risiken in unsicheren Zeiten

| Redaktion 
| 12.03.2026

Im französischen Cannes standen vier Tage lang Herausforderung, Innovation, Wachstum und Zukunftsvisionen im Mittelpunkt der weltweit führenden Immobilienmesse. Charles Steiner, Chefredakteur Immobilien Investment, war auch für LEADERSNET bei der MIPIM unterwegs und holte von österreichischen Immobilienprofis Meinungen ein.

Die MIPIM in Cannes gilt als eine der wichtigsten internationalen Plattformen der Immobilienwirtschaft. Von 10. bis 13. März 2026 traf sich die Branche erneut an der Côte d’Azur, um aktuelle Entwicklungen, Trends und Investitionsperspektiven zu diskutieren. Auch heuer zeigte sich die österreichische Immobilienwirtschaft stark vertreten. LEADERSNET berichtete – wie bereits bei der MIPIM 2024 und der MIPIM 2025 – auch 2026 direkt aus Cannes, wo internationale Investor:innen, Projektentwickler:innen, Berater:innen und Branchenvertreter:innen zusammenkamen, um über die aktuelle Marktlage und künftige Chancen zu sprechen.

Immobilienbranche diskutiert über Risiken und Chancen

Wenige Tage nach dem Ausbruch neuer Unruhen im Nahen Osten bestimmte vor allem die Unsicherheit über die weitere Entwicklung die Gespräche unter Investor:innen und Branchenvertreter:innen. Die Situation sorgt international für Verunsicherung, unter anderem wegen möglicher steigender Risiken auf den Finanzmärkten und eines möglichen Zinsanstiegs.

Michael Ehlmaier, geschäftsführender Gesellschafter der EHL Immobilien Gruppe, betonte dabei die grundlegenden Rahmenbedingungen für funktionierende Immobilienmärkte: "Stabilität und langfristige Planbarkeit sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine nachhaltig positive Entwicklung der Immobilienmärkte."

Trotz der angespannten geopolitischen Situation zeigte sich in Gesprächen mit internationalen Marktteilnehmer:innen auch Zuversicht: "Wir sprechen hier mit Geschäftspartner:innen aus aller Welt, bei denen trotz der Phase der Instabilität insgesamt der Optimismus und die Hoffnung auf eine schnelle Überwindung der aktuellen Situation überwiegen", so Ehlmaier. 

Österreich könnte von Stabilität profitieren

Die globalen Entwicklungen betreffen auch den österreichischen Markt. Vor allem steigende Energiekosten oder mögliche Auswirkungen auf internationale Lieferketten könnten eine Rolle spielen. Gleichzeitig rückt Österreich als vergleichsweise stabiler Standort stärker in den Fokus. "Die globalen Auswirkungen wie vor allem die neuerlich steigenden Energiekosten betreffen natürlich auch Österreich. Aber in einer Phase großer globaler Unsicherheiten gewinnt die relative Stabilität eines Landes wie Österreich stark an Bedeutung und kann aufgrund der geografischen Lage ein Investment in heimische Immobilien gerade für sicherheitsorientierte Investor:innen sehr interessant sein", ist sich Ehlmaier sicher. 

Auch aus rechtlicher Perspektive bleibt Stabilität ein entscheidender Faktor für Investor:innen. Stefan Artner, Partner von Dorda Rechtsanwälten, rechnet zwar kurzfristig nicht mit einem Immobilienboom, sieht aber die Standortqualität Europas weiterhin als wichtigen Vorteil: "In diesen Zeiten ist politische und rechtliche Stabilität ein wesentliches Asset für Investor:innen", so der Experte. 

Wohnimmobilien bleiben ein gefragtes Investment

Im Wohnsegment zeigt sich der Markt laut den Experten weiterhin robust. Die Nachfrage nach Wohnraum entwickelt sich demnach häufig unabhängig von konjunkturellen Schwankungen und bleibt auch in wirtschaftlich schwierigeren Phasen hoch.

Franz Pöltl, Geschäftsführer der EHL Investment Consulting, verweist auf strukturelle Entwicklungen, die insbesondere Wien betreffen: "Die Urbanisierung ist ein globaler Megatrend. Junge Menschen kommen zur Ausbildung und zum Studium nach Wien und bleiben auch danach in der Stadt. Diese Binnenmigration bewirkt ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum und ist unabhängig von etwaigen Migrationswellen zu sehen."

Internationale Investor:innen sehen deshalb weiterhin Potenzial am österreichischen Wohnungsmarkt. Zwar liegen die Renditen im internationalen Vergleich vergleichsweise niedrig, doch die zunehmende Angebotslücke bei Mietwohnungen sorgt für steigende Nachfrage.

Institutionelle Investor:innen rechnen deshalb teilweise mit weiteren Mietsteigerungen und entsprechenden Wertzuwächsen bei Bestandsobjekten.

Allerdings könnten politische Eingriffe in den Markt das Interesse internationaler Geldgeber:innen bremsen. "Die großen institutionellen Investor:innen, mit denen wir hier auf der MIPIM sprechen, sind diesbezüglich sehr transparent in ihrer Strategie: Sie agieren europaweit oder gar global und sind vor allem renditegetrieben. Eingriffe der Politik in den Markt werden sehr kritisch gesehen und veranlassen die Kapitalquellen, oft in anderen, diesbezüglich stabileren Regionen zu investieren."

Gewerbeimmobilienmarkt zeigt differenzierte Entwicklung

Während Wohnimmobilien vergleichsweise stabil bleiben, zeigt sich der Markt für Gewerbeimmobilien stärker von der konjunkturellen Entwicklung beeinflusst. Markus Mendel, Geschäftsführer der EHL Investment Consulting GmbH, beschreibt eine insgesamt zurückhaltendere Marktsituation: "Höhere Finanzierungskosten, vorsichtigere Kapitalallokationen institutioneller Investor:innen und eine insgesamt erhöhte Risikoaversion führen zu einer selektiveren Nachfrage und einer geringeren Transaktionsdynamik."

Gleichzeitig entwickeln sich einzelne Assetklassen unterschiedlich. Klassische Segmente wie Büro oder Einzelhandel verzeichnen laut dem Geschäftsführer der EHL Investment Consulting aktuell eine verhaltene Aktivität, während spezialisierte Nutzungsarten zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Besonders dynamisch präsentiere sich derzeit der Hospitality-Sektor. Hotels, Serviced Apartments und studentisches Wohnen zählen international zu den aktivsten Bereichen im gewerblichen Immobilieninvestmentmarkt. Österreich profitiert dabei von der weiterhin starken touristischen Nachfrage und der hohen Attraktivität Wiens als internationalen Standort.

Parallel dazu gewinne auch der Markt für Rechenzentrumsstandorte zunehmend an Bedeutung. Der Ausbau von Cloud-Infrastrukturen und der steigende Bedarf an Datenverarbeitung führen zu wachsender Nachfrage nach geeigneten Flächen. Dabei sind vor allem eine leistungsfähige Stromversorgung und stabile technische Infrastruktur entscheidend.

"Insgesamt befindet sich der Gewerbeimmobilieninvestmentmarkt weiterhin in einer Phase der strukturellen Anpassung. Investoren agieren selektiv und legen verstärkt Wert auf Lagequalität, stabile Cashflows und klar definierte Nutzungskonzepte. Gleichzeitig zeigt sich, dass spezialisierte Segmente wie Hospitality oder digitale Infrastruktur zunehmend an Bedeutung gewinnen und auch in einem herausfordernden Marktumfeld attraktive Investmentmöglichkeiten bieten. Für etablierte Standorte wie Wien ergeben sich daraus weiterhin gute Perspektiven, internationale Investoren anzuziehen", fasst Mendel die aktuelle Marktsituation zusammen. 

Büromarkt zwischen Nachfrage und Angebotslücke

Auch der Büromarkt entwickelt sich regional unterschiedlich. In vielen europäischen Städten wurde in den vergangenen Jahren viel neue Bürofläche errichtet, die aufgrund der schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung noch nicht vollständig vom Markt aufgenommen wurde.

Stefan Wernhart, Geschäftsführer der EHL Gewerbeimmobilien, erklärt: "In vielen europäischen Metropolen, besonders in unserem Nachbarland Deutschland, verzeichnete man bis 2023 eine hohe Neuflächenproduktion, welche aufgrund der wirtschaftlich herausfordernden Zeiten bis heute vom Markt noch nicht vollständig absorbiert wurde."

In vielen deutschen Metropolen liegen die Leerstandsquoten mittlerweile deutlich über zehn Prozent, so der Experte. In Wien ist die Situation hingegen deutlich anders: Dort liegt die Leerstandsrate aktuell bei lediglich 3,8 Prozent.

Gleichzeitig konzentriere sich die Nachfrage zunehmend auf hochwertige Büroflächen in Toplagen mit hoher Flächeneffizienz. "Der Fokus liegt heute eindeutig auf qualitativ hochwertigen Flächen, die eine hohe Flächeneffizienz aufweisen und optimale Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter:innen bieten", so Wernhart.

Nachhaltigkeit spiele bei Standortentscheidungen derzeit eine geringere Rolle als noch in den vergangenen Jahren. Angesichts der wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen sei sie aktuell eher ein "nice to have" als ein entscheidender Faktor.

Fehlendes Neubauangebot beschäftigt die Branche

Neben den geopolitischen Entwicklungen blieb auch die Marktdynamik ein zentrales Thema der MIPIM. Einige Branchenvertreter:innen sehen insbesondere im fehlenden Neubauangebot ein Problem. Manfred Wiltschnigg, Managing Partner von GalCap Europe, beschreibt die aktuelle Situation kritisch: "Wenn nur Bestandsimmobilien gegenseitig ge- und verkauft werden, entsteht keine Wertschöpfung. Es muss neu gebaut werden."

Trotz der aktuellen Unsicherheiten zeige sich damit ein differenziertes Bild: Während geopolitische Spannungen die Märkte bremsen, könnten stabile Standorte wie Österreich für internationale Investor:innen weiter an Attraktivität gewinnen.

www.mipim.com

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