Rennen um ORF-Chefsessel
Ingrid Thurnher verzichtet auf Bewerbung, Kathrin Zierhut-Kunz kandidiert

| Tobias Seifried 
| 28.05.2026

Während die amtierende ORF-Generaldirektorin auf eine erneute Kandidatur verzichtet, um mit "absoluter Unabhängigkeit" notwendige Reformen durchzusetzen, wirft die ORF-3-Geschäftsführerin ihren Hut in den Ring.

In der ORF-Führungsebene gibt es am Tag des Endes der Bewerbungsfrist für die Generaldirektion ab 2027 wesentliche personelle Dynamiken. Die amtierende Generaldirektorin Ingrid Thurnher wird sich nicht für eine weitere Amtszeit von 2027 bis 2031 bewerben. Dies teilte sie den Mitarbeiter:innen des Medienkonzerns mit. Demgegenüber hat die Co-Geschäftsführerin von ORF 3, Kathrin Zierhut-Kunz, ihre offizielle Kandidatur für den Chefsessel am Küngiglberg bekannt gegeben.

Verzicht auf Bewerbung für strategische Unabhängigkeit

Thurnher begründete ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur mit dem Vorhaben, die versprochene Aufarbeitung und Transparenz von Fehlverhalten von Führungskräften konsequent fortzusetzen. Für die Umsetzung der Empfehlungen des von ihr eingesetzten Transparenzbeirats (LEADERSNET berichtete), der noch vor dem Sommer seinen Bericht vorlegen soll, benötige sie absolute Unabhängigkeit.

Die Entscheidung, sich nicht für eine weitere Amtszeit zu bewerben, bringe laut Thurnher eine gewisse Freiheit mit sich. Sie müsse dadurch nicht taktieren und nicht tun, was opportun sei. Für den anstehenden Neustart des ORF sowie für Entscheidungen, die möglicherweise Widerstand auslösen oder wehtun werden, brauche sie nach eigenen Angaben "die Hände frei". Zudem betonte Ingrid Thurnher, dass der ORF kein Spielball der Politik sei und nicht der Politik gehöre. Vielmehr gehöre er den Menschen und dem Publikum.

Bis zur Übergabe am 1. Jänner wolle Ingrid Thurnher ihr Arbeitsprogramm vollumfänglich fortführen und die neue Führung bestmöglich unterstützen. Dazu sei im Sommer ein Planungs-Summit geplant, um unter anderem Pläne für die ab 2027 zusätzlich notwendigen Einsparungen zu erarbeiten.

Neue Kandidatur aus den eigenen Reihen

Als weitere Bewerberin geht Kathrin Zierhut-Kunz in das Rennen um die Führung des öffentlich-rechtlichen Medienunternehmens. Sie erklärte gegenüber den Mitarbeiter:innen von ORF 3, diesen Schritt zu gehen, weil sie das Unternehmen aus langjähriger Führungsverantwortung sowie genauer Kenntnis der Strukturen, Abläufe und Potenziale kenne. Als ihr Ziel definierte Kathrin Zierhut-Kunz einen modernen, effizienten und glaubwürdigen ORF, der seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag mit Qualität, Relevanz und Verantwortung erfülle. Zudem verbinde sie mit ihrer Kandidatur den Anspruch, das Unternehmen strukturell weiterzuentwickeln und die journalistische Qualität nachhaltig zu stärken.

Das Bewerberfeld im Überblick

Die Bewerbungsfrist für die Position der Alleingeschäftsführung endet am Donnerstag, den 28. Mai, um Mitternacht. Die endgültige Bestellung durch den Stiftungsrat erfolgt am 11. Juni.

Neben Kathrin Zierhut-Kunz befinden sich bereits mehrere Kandidat:innen im Kreis der Bewerber:innen oder werden für eine Kandidatur erwartet. Offiziell eingereicht wurden bereits die Bewerbungen von ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer (LEADERSNET berichtete), dem ehemaligen ProSiebenSat.1-Vorstand Markus Breitenecker (LEADERSNET berichtete), Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz (LEADERSNET berichtete) der ORF-Journalistin Sonja Sagmeister sowie dem Unternehmensberater und Unternehmer Ernst Primosch. Darüber hinaus werden Bewerbungen von APA-CEO Clemens Pig, der letzte Woche beim Mediengipfel in Seefeld seine Vision für den ORF präsentierte (LEADERSNET berichtete), sowie von Medienmanager Johannes Larcher erwartet. Eventuell steigt auch noch kronehit-Chef Phillip König ins Rennen um den Chefsessel am Küniglberg ein.

Mit LEADERSNET am neuesten Stand

LEADERSNET behält das Thema im Auge. Sobald es Neuigkeiten gibt, wird der Artikel aktualisiert. Der ORF-Stiftungsrat wird die endgültige Liste mit allen Bewerber:innen am Freitagvormittag veröffentlichen. Spätestens dann erfahren Sie an dieser Stelle, wer sich aller für den einflussreichsten Medienposten des Landes beworben hat.

www.orf.at

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