Am Mittwoch luden die Amerikanische Handelskammer in Österreich (AmCham) und Accenture Österreich zur Präsentation ihrer gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut Economica erstellten Studie zur jüngsten Entwicklung der transatlantischen Handelsbeziehungen (PDF-Download unten). Demnach bleiben die USA trotz eines Rückgangs der heimischen Exporte um 20,4 Prozent der zweitgrößte Handelspartner Österreichs. Das gesamte österreichische Exportvolumen ist im Jahr 2025 zurückgegangen, wobei jene Exporte in die USA überdurchschnittlich stark sanken. Der Anteil des Exportvolumens in die USA beträgt mit 12,9 Milliarden Euro 6,8 Prozent. An erster Stelle liegt weiterhin Deutschland mit 56,1 Milliarden Euro (29,5 Prozent), während Italien mit 12,6 Milliarden Euro (6,6 Prozent) den dritten Platz unter den österreichischen Handelspartnern belegt.
"Die aktuellen Unsicherheiten und neuen Handelsbarrieren wirken sich auf das Handelsvolumen sichtbar aus. Wir stehen vor herausfordernden Bedingungen, aber gleichzeitig haben wir starke und tief verwurzelte Wirtschaftsbeziehungen. Das zeigt der Anteil an Schlüsseltechnologien, die steigende Bedeutung von transatlantischen Dienstleistungen und die hohen gegenseitigen Investitionssummen", sagt Michael Zettel, Präsident der AmCham und Country Managing Director Accenture Österreich.
US-Tech-Branche als Transformationsmotor
Aus der Studie geht hervor, dass der wirtschaftliche Strukturwandel im Allgemeinen und die digitale Transformation im Speziellen in Österreich zu einem wesentlichen Teil vom Know-how und dem Engagement der US-Tech-Unternehmen geprägt werden. "Die Tech-Branche stellt mit 28,2 Prozent den höchsten Unternehmensanteil von US-Unternehmen in Österreich. Der wirtschaftliche Strukturwandel im Allgemeinen und die digitale Transformation im Speziellen werden in Österreich zu einem wesentlichen Teil vom Know-how und dem Engagement der US-Tech-Unternehmen geprägt. Sie sind Transformationsmotor für die heimische Wirtschaft", betonte Christian Helmenstein, Vorstand des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica und Chefökonom der Industriellenvereinigung.
Handelsbilanz
Österreich verzeichnet zwar weiterhin eine positive Handelsbilanz, allerdings hat sich der Handelsbilanzüberschuss zwischen Österreich und den USA verkleinert. Damit hat Donald Trump scheinbar sein Ziel erreicht. Dem US-Präsidenten ist das hohe US-Handelsbilanzdefizit ja ein Dorn im Auge, weshalb er auch ordentlich an der Zollschraube drehte. Doch der geringere Handelsbilanzüberschuss resultiert nicht daraus, dass die Österreicher:innen jetzt mehr US-Produkte kaufen, sondern dass wir weniger in die USA exportieren.
Wie Philipp Krabb, Research Lead Accenture und Autor der Studie, erklärte, seien die Importe auf dem gleichen Niveau wie im Jahr zuvor geblieben, während die Exporte zurückgingen. Am stärksten vom Exportrückgang betroffen sind laut dem Experten Maschinen, mechanische Geräte und pharmazeutische Produkte. Gleichzeitig würden jedoch die transatlantischen Dienstleistungs-Handelsströme wachsen. Drei Viertel des transatlantischen Handels betreffen dabei Schlüsseltechnologien.
Konstante Investitionen und zehntausende Arbeitsplätze
Die USA fungieren zudem als zweitwichtigster Kapitalgeber in Österreich. Laut Studie sind die amerikanischen Auslands-Investitionen (FDI, Foreign Direct Investments) in Österreich zuletzt auf 18,7 Milliarden Euro gestiegen, während die österreichischen Investitionen auf dem US-Markt gegenüber dem Vorjahr mit 22,8 Milliarden Euro nahezu konstant blieben. Für international agierende österreichische Unternehmen außerhalb der Europäischen Union bleiben die USA weiterhin der wichtigste Markt. Insgesamt sind 950 Tochterunternehmen von österreichischen Muttergesellschaften in den USA aktiv, welche dort 60.000 Arbeitsplätze schaffen und sichern.
Auch in Österreich sind die Top-50 US-Unternehmen ein bedeutender Faktor für die heimische Volkswirtschaft. Sie verantworten demnach 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), sichern und schaffen hierzulande 142.000 Arbeitsplätze und sind für fünf Milliarden Euro an Steuern und Abgaben in Österreich verantwortlich.
Handelsbarrieren abbauen
Angesichts dieser Rahmenbedingungen lenkt die AmCham den Blick auf die künftigen wirtschaftspolitischen Zielsetzungen. "Die amerikanische Handelskammer wird sich weiterhin für Freihandel und den Abbau aller protektionistischen Maßnahmen, offene Investitionsbedingungen und die Reduzierung von administrativen und regulatorischen Hürden einsetzen", sagt Karin Zeltner, Generalsekretärin der AmCham, abschließend.
Video-Interviews
Was Michael Zettel, Philipp Krabb, Christian Helmenstein und Karin Zeltner im Rahmen der Studienpräsentation sonst noch sagten, erfahren Sie im LEADERSNET.tv-Video.
Fotos von der Präsentation sehen Sie in der Galerie.
www.amcham.at
www.accenture.com
www.economica.eu
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