Gastkommentar von Christoph Stieg
KI wird Führungskräfte ersetzen…und warum das Blödsinn ist

Algorithmen analysieren Daten – Führungskräfte entwickeln Menschen. Warum Beziehung, Beanspruchung und Befähigung zum entscheidenden Erfolgsfaktor werden. Ein Gastkommentar von Christoph Stieg, Gründer und Geschäftsführer von Perfact Consulting.

KI wird ganze Berufsgruppen verändern, vielleicht sogar ersetzen. Künstliche Intelligenz ist längst zu einem wertvollen Begleiter in unserem Berufsalltag geworden und macht auch vor Führungsebenen nicht halt. 

Wird Führung also durch KI ersetzt? Wenn Algorithmen und KI Daten präziser analysieren, Entscheidungen schneller treffen, Prozesse effizienter steuern und dazu auch noch menschlich perfekt wirksam kommunizieren, braucht es dann überhaupt noch Führung? Die kurze Antwort lautet: JA. Die lange Antwort lautet: mehr denn je.

Je leistungsfähiger Technologie wird, umso mehr rückt eine entscheidende Frage in den Mittelpunkt: Was macht menschliche Führung eigentlich aus? Gerade in einer Welt voller Algorithmen zeigt sich, dass wirksame Führung nicht in Daten entsteht, sondern in Beziehungen, klaren Erwartungen und gezielter Entwicklung von Menschen. 

Genau hier setzt ein Modell an, das in vielen Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnt: Das Perfact 3B-Modell moderner Führung.

3 Hebel wirksamer Führung

Das Model beschreibt die zentralen Aufgaben moderner Führungskräfte. Es geht um Beziehung, Beanspruchen und Befähigung

Gemeinsam bilden sie das Fundament leistungsfähiger Teams in herausfordernden Zeiten.

Beziehung: Vertrauen in einer komplexen Welt: 

Es geht darum, eine stabile und belastbare Beziehung zu den Mitarbeitenden aufzubauen. Gerade in Zeiten großer Veränderungen und Unsicherheit suchen Menschen Orientierung. Beziehung bedeutet dabei nicht Harmonie oder Kuschelkurs, sondern Präsenz, Klarheit und echtes Interesse an Menschen im Team. Wenn Mitarbeitende erleben, dass ihre Führungskraft (emotional) erreichbar, aufmerksam und klar ist, entsteht Vertrauen – eine der wichtigsten Ressourcen in Transformationsprozessen.

In einer zunehmend technologischen Welt wird Beziehung damit zur entscheidenden menschlichen Stärke von Führung. Das Ergebnis: Teams wissen, wohin und wofür es sich lohnt, die Extrameile zu gehen.

Beanspruchen: Klare Erwartungen statt Orientierungslosigkeit und leere Appelle:

Technologische Veränderungen bringen neue Systeme, neue Prozesse und neue Anforderungen mit sich, die oftmals den Druck auf Organisationen erhöhen. Hier braucht es Führungskräfte, die beanspruchen, die klare Ziele formulieren, Prioritäten setzen und Erwartungen transparent machen. Beanspruchen bedeutet keinesfalls Druck zu erzeugen, vielmehr geht es darum, eine Richtung vorzugeben. Es bedeutet, so zu fordern, dass Mitarbeitende sich entwickeln können (und müssen).

Teams, die wissen, worauf es ankommt, arbeiten fokussierter, übernehmen Verantwortung und erreichen Ziele, weil sie "alles geben". Die Leistungsbereitschaft wächst. Führungskräfte, die beanspruchen, schaffen messbare Ziele, klare Prioritäten und ein Leistungsverständnis, das sich fair anfühlt und nachvollziehbar ist.

Befähigung: Entwicklung statt Überforderung:

Technologische Veränderungen passieren schneller, als Menschen sich anpassen können. Die Leistungsfähigkeit wird zum entscheidenden Faktor. Wer stark beansprucht wird, muss auch spüren und sehen, dass Unterstützung da ist, die dafür erforderlichen Fähigkeiten zu entwickeln. Damit Mitarbeitende diese Leistungsfähigkeit entwickeln können, braucht es Führung, die befähigt: durch klare Kommunikation, Training, Feedback und kontinuierliche Entwicklung. Nur so können potenzielle Ängste vor dem Neuen und vielerorts noch Unbekannten genommen und gleichzeitig Mitarbeitende befähigt werden, mit genau diesen Herausforderungen umzugehen. Moderne Führung denkt dabei ähnlich wie im Sport: Fortschritt entsteht durch strukturiertes Training und konsequente Weiterentwicklung.

Diese 3 Bs sind nicht nur ein Modell, sie sind der methodische Motor erfolgreicher Führungsarbeit.

Warum Unternehmen genau jetzt diese Methodik brauchen

Der wirtschaftliche Druck steigt, Kundenanforderungen wachsen, Teams stehen zwischen Veränderung, Geschwindigkeit und permanentem Erwartungsmanagement.

Führung wird damit zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Organisationen, die auf Beziehung, Beanspruchung und Befähigung setzen, berichten von: 

  • stabileren Teams
  • höherer Performance
  • weniger Fluktuation
  • besserer Umsetzungsqualität

Kurz gesagt: mehr Wirksamkeit – messbar und nachhaltig.

KI wird Organisationen verändern, das steht fest. Führung entscheidet jedoch darüber, ob Menschen in dieser Veränderung wachsen oder daran scheitern. Denn eines ist sicher: KI liefert Daten für die Geschäftsentwicklung, Menschen entwickeln Menschen, um KI sinnvoll und wertschöpfend einzusetzen und mit ihr freundschaftlich (zusammen) zu arbeiten.

Drei Fragen, die sich Führungskräfte zur Überprüfung ihrer Selbstwirksamkeit im KI-Zeitalter regelmäßig stellen können:

Passend zu Beziehung: Wann habe ich mir zuletzt bewusst Zeit genommen, um meine Mitarbeitenden wirklich zu verstehen, nicht nur ihre Ergebnisse, sondern auch ihre Perspektiven und Herausforderungen?

Passend zu Beanspruchen: Wie klar kommuniziere ich / kommunizieren unsere Führungskräfte Erwartungen an Leistung, Ziele und Prioritäten ohne die Angst, Mitarbeitende zu überfordern und ohne ins Schonen zu verfallen?

Passend zu Befähigen: Was habe ich in den letzten Wochen konkret getan, um mein Team / meine Führungskräfte und Mitarbeitenden weiterzuentwickeln, damit sie mit den steigenden Anforderungen und mit den technologischen Anforderungen erfolgreich umgehen zu können?

Wenn Sie sich in diesen Fragen wiederfinden, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Wir begleiten Führungskräfte dabei, den nächsten wirksamen Schritt zu gehen, um Teams erfolgreich durch volatile Zeiten zu führen. 

www.perfactconsulting.com


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