Daten von TÜV Nord und Carly
So lange halten die Akkus von Elektroautos wirklich

| Tobias Seifried 
| 23.03.2026

Daten von 50.000 Fahrzeugen unterschiedlicher Marken liefern weitere Hinweise auf die hohe Lebensdauer von E-Auto- und Plug-in-Hybrid-Batterien. Die Analyse zeigt aber auch einen klaren Verschleißanstieg ab einer gewissen Laufleistung.

Die Skepsis gegenüber der Haltbarkeit von E-Auto-Akkus schwindet weiter. Nach beeindruckenden DEKRA-Daten von Elektro-Taxis (LEADERSNET berichtete) und dem ADAC-Langzeittest des VW ID.3 (LEADERSNET berichtete) wird die Zuverlässigkeit nun durch eine aktuelle Großuntersuchung des TÜV Nord untermauert, die den Batterien ebenfalls eine hohe Beständigkeit bescheinigt. Demnach weisen Batterien von Elektrofahrzeugen eine hohe Beständigkeit auf – der Mythos eines raschen Kapazitätsverlusts dürfte damit zunehmend widerlegt sein.

Insgesamt hohes Niveau

Im Rahmen einer Kooperation mit dem Car-Tech-Unternehmen Carly analysierte TÜV Nord rund 50.000 Messungen zur sogenannten State-of-Health (SoH) von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen verschiedener Marken. Ziel war es, mehr Transparenz in den Gebrauchtwagenmarkt zu bringen.

Doch wie lange halten die Akkus jetzt wirklich? Insgesamt zeigen die Ergebnisse ein hohes Batterieniveau: So liegt der Median der SoH-Werte bei 96 Punkten. Werte über 90 gelten als sehr gut, lediglich 9,9 Prozent der untersuchten Fahrzeuge liegen unterhalb von 85 Punkten, was auf eine stärkere Alterung hindeutet.

Ab dieser Laufleistung altern die Akkus schneller

Gleichzeitig identifiziert die Analyse einen klaren Kipppunkt beim Verschleiß. Bis etwa 90.000 Kilometer sinkt der SoH-Wert im Schnitt moderat um rund 0,7 Punkte pro 10.000 Kilometer. Danach beschleunigt sich die Degradation deutlich und liegt bei durchschnittlich etwa 2,3 Punkten pro 10.000 Kilometer. Laut den Tester:innen hat die Laufleistung selbst im Markenvergleich keinen maßgeblichen Einfluss auf die Ergebnisse.

Unterschiede zeigen sich hingegen bei älteren Modellen je nach Hersteller. Während Marken wie Hyundai, Kia oder Mercedes bereits bei älteren Fahrzeugen SoH-Werte von rund 90 bis über 95 Punkten erreichen, starten andere Hersteller wie VW, Renault oder Citroën teilweise deutlich niedriger. Insgesamt ergeben sich je nach Baujahr Differenzen von bis zu zehn Punkten. Bei neueren Modellen gleichen sich diese Unterschiede jedoch weitgehend an, mit Werten von meist über 97 bis 100 Punkten.

"Robuster als oft angenommen"

"Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos ist aktuell stark von Unsicherheiten geprägt, insbesondere mit Blick auf den Zustand der Batterie", sagt Hartmut Abel, CEO von TÜV Nord Mobilität. Objektive SoH-Daten machten den Batteriezustand erstmals nachvollziehbar und vergleichbar und könnten damit die bisherige, oft auf Annahmen basierende Bewertung ersetzen. Dies sei "ein entscheidender Schritt hin zu mehr Transparenz und Vertrauen im Markt".

Auch Carly-CEO Avid Avini betont die Bedeutung der Datengrundlage. Batterien seien "robuster als oft angenommen", würden jedoch mit steigender Laufleistung messbar altern. SoH-Daten würden daher zu einem zentralen Faktor für Preisbildung und Kaufentscheidungen und könnten das Risiko für Marktteilnehmer:innen deutlich reduzieren.

www.tuv-nord.com

www.mycarly.com

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