Experte analysiert Folgen des Iran-Kriegs
Diese wirtschaftlichen Risiken drohen bei einer längeren Eskalation im Nahen Osten

Die militärischen Handlungen rund um den Iran sorgen für neue Unsicherheit an den globalen Rohstoffmärkten. Hierzulande kommt es bereits zu "Hamsterkäufen" an Tankstellen. Mögliche Auswirkungen gehen aber deutlich über die Energiemärkte hinaus.

Die jüngste militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran wirkt sich zunehmend auch auf Österreich aus (LEADERSNET berichtete). Seit Sonntag sind die Preise für Diesel und Super an heimischen Tankstellen um mehr als zehn Prozent gestiegen. Aus Sorge vor weiteren Preissprüngen kommt es bereits zu verstärkten Tankvorgängen: Viele Autofahrer:innen befürchten, dass der Liter Kraftstoff bald wieder mehr als zwei Euro kosten könnte – ein Niveau, das zuletzt kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine erreicht wurde.

Nervosität an internationalen Energiemärkten

Grund für den starken Anstieg binnen kurzer Zeit ist die erhöhte Nervosität an den internationalen Energiemärkten. Zwar sind bislang keine größeren Versorgungsunterbrechungen gemeldet worden, doch zentrale Transportwege für Öl und Gas geraten zunehmend in den Fokus der Märkte. Besonders kritisch gilt die Straße von Hormus: Rund 20 Prozent des weltweit verbrauchten Öls passieren diese strategisch wichtige Schifffahrtsroute.

"Ein auf wenige Tage oder Wochen begrenzter Konflikt dürfte nur begrenzte Auswirkungen haben. Sollte der Konflikt jedoch andauern, könnten die makroökonomischen Auswirkungen erheblich sein und weit über die Frage der Energiepreise hinausgehen", erklärt Ruben Nizard, Head of Sector Research bei Coface.

Geopolitische Risikoprämie treibt Preise

Nach Einschätzung von Marktbeobachter:innen markieren die US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran einen Wendepunkt für die Energiemärkte. Zum Wochenstart stieg der Ölpreis Brent um mehr als zehn Prozent. Der Anstieg sei vor allem auf eine höhere geopolitische Risikoprämie zurückzuführen und weniger auf konkrete Lieferausfälle.

Zuvor war der Ölmarkt von einem Überangebot geprägt. Zusätzliche Fördermengen von Produzent:innen außerhalb der OPEC+ sowie rasch wieder aufgefüllte Lagerbestände hielten die Preise unter Druck. 2025 lag der Durchschnittspreis bei rund 68 US-Dollar pro Barrel. Der Konflikt habe diese Ausgangslage jedoch grundlegend verändert und führe zu erhöhter Unsicherheit über die Versorgungslage.

Engpass Straße von Hormus

Das größte Risiko sehen Analyst:innen in möglichen Störungen in der Straße von Hormus. Durch die Meerenge werden etwa 20 Prozent des globalen Ölverbrauchs und fast 30 Prozent der Rohöltransporte auf dem Seeweg abgewickelt.

Ausweichmöglichkeiten sind begrenzt. Längere oder wiederholte Unterbrechungen könnten den Brent-Preis in den dreistelligen Bereich treiben – und damit auch frühere Höchststände übertreffen.

Auswirkungen auf asiatische Abnehmer

Auch ein Ausfall iranischer Exporte könnte die Märkte zusätzlich belasten. Der Iran produziert mehr als drei Millionen Barrel pro Tag und exportiert rund 1,5 Millionen Barrel, überwiegend nach China. Fielen diese Lieferungen weg, müssten Käufer:innen – insbesondere in Asien – auf teurere Alternativen ausweichen, was den Preisdruck erhöhen würde.

Ferner könnte der Iran auch Energieinfrastruktur in anderen Golfstaaten ins Visier nehmen. Nizard zufolge hängen die Auswirkungen vom Ausmaß möglicher Schäden und der Dauer der Unterbrechungen ab. Die Reservekapazitäten der OPEC+ gelten mit rund vier bis fünf Millionen Barrel täglich als begrenzt und sind stark auf wenige Staaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate konzentriert.

Folgen über den Ölmarkt hinaus

Die wirtschaftlichen Folgen könnten weit über den Energiesektor hinausreichen. Über die Straße von Hormus werden auch Flüssigerdgas, Düngemittel, Industriemetalle wie Aluminium sowie Petrochemikalien transportiert. Zudem könnten andere strategische Engstellen wie Bab el-Mandeb oder der Suezkanal indirekt betroffen sein.

Mögliche Konsequenzen wären steigende Frachtkosten und höhere Prämien für Transportversicherungen. Gleichzeitig könnten Störungen in den Lieferketten das Risiko von Versorgungsengpässen erhöhen und zusätzlichen Inflationsdruck auslösen, speziell in stark energieabhängigen Volkswirtschaften.

Risiko für Wachstum und Inflation

Sollten die Ölpreise länger über 100 US-Dollar pro Barrel bleiben, könnte dies einen erneuten Inflationsschub auslösen. Zentralbanken müssten ihre geldpolitische Lockerung möglicherweise überdenken und wieder auf eine restriktivere Linie einschwenken.

Ein dauerhafter Anstieg des Brent-Preises um 15 US-Dollar könnte das globale Wachstum um rund 0,2 Prozentpunkte verringern und die Inflation um etwa 0,5 Prozentpunkte erhöhen, so der Coface-Analyst. In einem solchen Umfeld würde auch das Risiko einer Stagflation – schwaches Wachstum bei gleichzeitig hoher Inflation – wieder deutlich steigen.

Fazit

Alles in allem sind das keine guten Nachrichten für die heimische Wirtschaft, die sich zuletzt auf einem leichten Erholungspfad befand. Gleiches gilt für die Inflation, die in Österreich im Jänner auf zwei Prozent gesunken ist und im Februar bei 2,2 Prozent (Schnellschätzung) lag. Bleibt also nur zu hoffen, dass der Konflikt so schnell wie möglich beendet wird.

www.coface.at

Über Coface

Coface zählt seit fast 80 Jahren zu den weltweit führenden Unternehmen im Kredit- und Risikomanagement und unterstützt Firmen dabei, sich in einem unsicheren und volatilen Umfeld zurechtzufinden und zu wachsen. 

Das Unternehmen ist in rund 200 Märkten aktiv und bietet u.a. Warenkreditversicherung, Wirtschaftsauskünfte, Inkasso und Absicherung von Projektgeschäften an. Im Jahr 2024 beschäftigte Coface rund 5.200 Mitarbeitende und erzielte einen Umsatz von rund 1,845 Milliarden Euro.

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