Editorial des Herausgebers
Der Nahe Osten brennt, die Preise steigen

Der Krieg im Iran ist eine humanitäre Katastrophe und zugleich ein geopolitischer Schock für die Weltwirtschaft. Steigende Ölpreise, höhere Energiekosten und neuer Inflationsdruck werden auch den Handel spürbar treffen.

Krieg ist immer eine Tragödie. Für die Menschen vor Ort bedeutet er Leid, Zerstörung und Unsicherheit. Das gilt auch für den aktuellen Krieg im Iran. Trotzdem wird jeder realistisch denkende Mensch nicht übersehen können, dass das Regime der Mullahs seit Jahrzehnten zu den brutalsten und gefährlichsten Akteuren der internationalen Politik gehört. Wenn dieses massenmörderische Regime auf der Sondermülldeponie der Geschichte landet, wird kaum jemand ernsthaft eine Träne vergießen.

So klar diese politische Bewertung sein mag, so nüchtern muss man die wirtschaftlichen Folgen betrachten. Konflikte im Nahen Osten schlagen unmittelbar auf die Energiemärkte durch. Der Ölpreis reagiert prompt und mit ihm steigen die Energiepreise. Damit wächst auch der Druck auf die Inflation wieder. Gerade der Handel spürt solche Entwicklungen besonders schnell. Energie, Transport und Logistik hängen direkt am Ölpreis. Wenn dieser anzieht, steigen früher oder später die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nach einer Phase relativer Stabilisierung droht damit neuer Druck auf Preise und Margen.

Langfristig führt an einer Konsequenz kein Weg vorbei. Die Weltwirtschaft wird sich Schritt für Schritt aus der Abhängigkeit von Öl aus politisch instabilen Regionen lösen müssen. Das wird nicht von heute auf morgen passieren, aber es wird passieren müssen. Auch Österreich wird stärker und konsequenter auf alternative Energieformen setzen müssen, wenn man sich aus dieser geopolitischen Geiselhaft befreien will.

Und noch ein Punkt gehört ausgesprochen. Wenn Energiepreise steigen, profitieren oft jene Konzerne am stärksten, deren Kosten gar nicht im gleichen Ausmaß steigen. Genau deshalb gehört die Preisbildung im Energiesektor dringend unter das Brennglas der Wettbewerbshüter:innen. Wer ständig Wettbewerb im Handel einfordert, sollte ihn auch bei Energie ernst nehmen.

Der Krieg im Iran zeigt einmal mehr, wie eng Geopolitik, Energiepreise und wirtschaftliche Stabilität miteinander verknüpft sind. Für die Handelsbranche bedeutet das vor allem eines. Die nächste Inflationswelle könnte schneller kommen, als vielen lieb ist.

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