Nach Beschlagnahmung
Südkoreanische Behörde postet versehentlich Krypto-Passwort und verliert Millionen

Nach einem großangelegten Zugriff gegen mehr als 100 Steuerhinterzieher:innen präsentierte die Steuerbehörde stolz die beschlagnahmten Vermögenswerte. Doch die veröffentlichten Bilder enthielten unbeabsichtigt sensible Zugangsdaten zu sichergestellten Krypto-Wallets.

Vergangene Woche ist der südkoreanischen Steuerbehörde ein großer Coup gelungen: Laut eigenen Angaben habe man 124 Steuerhinterzieher:innen fassen und dabei Vermögenswerte von insgesamt 8,1 Milliarden Won (ca. 4,7 Millionen Euro) beschlagnahmen können. Um die Bevölkerung vom erfolgreichen Einsatz der Behörde zu informieren, veröffentlichte man kurzerhand eine entsprechende Presseaussendung mit beigelegten Fotos – und büßte ausgerechnet dadurch aus Unachtsamkeit einen beträchtlichen Teil der beschlagnahmten "Beute" wieder ein.

Passwort versehentlich gepostet

Auf den veröffentlichten Bildern waren mehrere USB-Geräte eines gewissen "Herrn C." zu sehen – sogenannte "Ledger Cold Wallets", auf denen sich die privaten Schlüssel für Krypto-Vermögen offline speichern lassen. Die Geräte lagen auf den Bildern in einer kleinen Schachtel. Offenbar übersahen die Ermittler:innen jedoch ein entscheidendes Detail: In ebendieser Schachtel befand sich auch ein Zettel mit der dazugehörigen mnemonischen Phrase, besser bekannt als "Seed-Phrase". Diese besteht in der Regel aus zwölf bis 24 Wörtern und fungiert als Generalschlüssel für das Wallet. Wer im Besitz dieser Wortfolge ist, kann – selbst ohne physischen Zugriff auf das Gerät – uneingeschränkt über die auf der Blockchain hinterlegten Vermögenswerte verfügen.

3,7 Millionen Euro gestohlen

Natürlich blieb der geleakte Code nicht lange unentdeckt. So wurden bereits kurz nach Erscheinen der Presseaussendung vier Millionen Pre-Retogeum-(PRTG)-Token an eine unbekannte Walletadresse transferiert. Am darauffolgenden Tag erfolgte eine weitere Übertragung, wie Cho Jae-woo, Assistenzprofessor an der Hansung University, auf X dokumentierte. Zu diesem Zeitpunkt entsprach der theoretische Gegenwert der gestohlenen Token rund 3,7 Millionen Euro.

Seitens der Steuerbehörde erklärte man schließlich nur, man habe nicht erkannt, dass das Originalfoto sensible Informationen zu virtuellen Vermögenswerten enthielt, und es ohne die erforderliche Vorsicht an Medien weitergegeben. Des Weiteren kündigte Finanzminister Koo Yun-Cheol auf X an, künftig Maßnahmen zur Stärkung der Datensicherheit ergreifen zu wollen, um derartige Missgeschicke in Zukunft zu vermeiden. 

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