Großinsolvenz
Millionenpleite einer Medizintechnikfirma: Fast 90 Jobs betroffen

| Tobias Seifried 
| 18.02.2026

Die Verbindlichkeiten des 2012 gegründeten Forschungs- und Entwicklungsunternehmens belaufen sich auf knapp 20 Millionen Euro. 

Wie der KSV1870 und der AKV mitteilten, wurde über das Vermögen der MEON Medical Solutions GmbH & Co KG beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Das 2012 gegründete Unternehmen ist in Forschung, Entwicklung, Produktion und Handel von Medizinprodukten und zugehörigen Waren, sowie Handel aller Art, insbesondere Waren zu Laborzwecken, tätig.

Laut den Gläubigerschützern werden die Passiva (zu Liquidationswerten) mit 19,92 Millionen Euro beziffert, wobei ein wesentlicher Teil auf Bankverbindlichkeiten und Verbindlichkeiten gegenüber nahestehenden Unternehmen entfalle. Den Passiva stehen Aktiva (zu Liquidationswerten) in der Höhe von 1,13 Millionen Euro gegenüber. Von der Pleite sind rund 65 Gläubiger:innen und 86 Dienstnehmer:innen betroffen.

Innovation, die (noch) nicht marktreif ist

MEON Medical Solutions mit Sitz in Graz entwickelt ein Gerät, mit dem Immunoassay-Tests, klinische Chemie-Tests und Elektrolyt-Tests kompakt in einem durchgeführt werden können. Die Innovation vereint mehrere Technologien und soll erlauben, Laboranalysen durchzuführen, für die bislang unterschiedliche Geräte und deutlich mehr Platz erforderlich waren. Zudem bestehe laut dem Unternehmen eine einzigartige Technologie, die es zulasse, Küvetten wiederzuverwenden, weshalb das System nachhaltiger als die üblichen Methoden sei. Es wurden auch zahlreiche Patente angemeldet.  

Eine Marktreife ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht erreicht. Das Gerät sei zwar fertig entwickelt, aber bislang nicht serienreif, da noch Zulassungen fehlen. Es wurde auch noch kein entsprechendes Vertriebssystem aufgebaut.

Insolvenzursachen

Bei den Insolvenzursachen wird darauf verwiesen, dass die Entwicklung des Produktes deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen habe als ursprünglich geplant. Da noch zeit- und kostenintensive Schritte notwendig seien und zudem bis zum Break-even ein Vertriebsnetz aufgebaut werden müsse, sei ein Investoreneinstieg geplant. Dazu wurden dem Unternehmen zufolge bereits Gespräche geführt, die bis dato jedoch noch nicht zum Abschluss gebracht werden konnten. Da man gegenwärtig nicht in der Lage ist, die fälligen Verbindlichkeiten zu bezahlen, kam es zur Insolvenz.

Fortführung geplant

MEON Medical Solutions plant die Fortführung und bietet den Gläubiger:innen eine Quote von insgesamt 20 Prozent, zahlbar innerhalb von 24 Monaten ab Annahme, an. Die Finanzierung des Sanierungsplans soll einerseits durch den Fortbetrieb des Unternehmens, sowie andererseits durch Unterstützung von dritter Seite erfolgen. "Der Insolvenzverwalter wird nunmehr zu prüfen haben, ob eine Fortführung im Interesse der Gläubiger:innen liegt und der vorgelegte Sanierungsplan eingehalten werden kann", so Julia Liszt vom KSV1870 in Graz.

Zum Insolvenzverwalter wurde der Grazer Rechtsanwalt Bernhard Kämmerer bestellt.

www.ksv.at

www.akv.at

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