Neue Initiative gegen die Datenlücke
Österreichs Energiesektor soll messbar weiblicher werden

Im Rahmen der internationalen Initiative "Equality in Energy Transitions" will man hierzulande eine entscheidende Wissenslücke schließen. Mit einer neu entwickelten Erhebung analysieren BMIMI und die Österreichische Energieagentur erstmals präzise die Geschlechterverteilung und Barrieren in der Branche, um Unternehmen eine fundierte Basis für die gezielte Förderung von Expertinnen zu bieten.

Derzeit läuft die internationale Initiative "Equality in Energy Transitions", die sich zum Ziel gemacht hat, Frauen für eine Karriere in der Energiebranche zu gewinnen und sie auf ihrem beruflichen Weg zu unterstützen, in ihrer dritten Periode (2025–2027). Heuer bekommt die Umsetzung allerdings einen neuen Schwerpunkt.

Datenerhebung für Lückenschluss

So soll erstmals eine Datenerhebung entwickelt werden, die ein detailliertes Bild über Geschlechterverteilung, Berufsbilder und bestehende Barrieren in der österreichischen Energiebranche liefert – und zugleich internationale Vergleichbarkeit schafft. "Frauen sind in der Energiebranche nach wie vor klar unterrepräsentiert. Der Frauenanteil liegt in Österreich bei 24 Prozent, in Führungspositionen bei nur zehn Prozent", so Sabine Mitter, Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) und Vice Chair der Equality Initiative. "Besonders in technischen und leitenden Funktionen fehlen uns fundierte Daten darüber, welche Berufe für Frauen attraktiv sind und wie Unternehmen gezielt Bewerberinnen erreichen können. Diese Lücke schließen wir nun – und schaffen eine Datengrundlage, die national wie international einen Unterschied machen wird."

Mehr Chancengleichheit wagen

Hierzulande gibt es bislang kaum aktuelle oder vertiefende Analysen darüber, welche Energieberufe junge Frauen tatsächlich anstreben. Die Praxis würde allerdings zeigen, dass bestimmte Bereiche als attraktiv und gesellschaftlich wahrgenommen werden – besonders rund um erneuerbare Energien. Jedoch ist bislang unklar, welche Faktoren dieser Attraktivität zuträglich sind. Ändern soll sich das schließlich durch die neue Datenerhebung, die dieses Wissen erstmals systematisch erfasse. Vorgesehen sind dabei zwei Befragungen, die zusammen mit Expertinnen aus der Branche entwickelt werden: eine unter Unternehmen und eine unter Mitarbeiterinnen.

Ziel sei es, nicht nur ein aktuelles Bild über die Geschlechterverteilung zu gewinnen, sondern auch Einblicke zu erhalten, wie Berufsbilder gestaltet sein müssen, damit sich mehr Frauen für Energieberufe bewerben. Aus diesen Ergebnissen sollen schlussendlich praxisorientierte Leitfäden entstehen, die Energieunternehmen dabei unterstützen, Stellenausschreibungen gezielt auf Bewerberinnen auszurichten. Das Erhebungsdesign werde zudem so konzipiert, dass es jährlich wiederholbar ist und internationale Partnerländer im Rahmen der Initiative als Vorlage dienen kann. 

Das Botschafterinnen-Programm

Die Equality Initiative umfasst derzeit bereits das Botschafterinnen-Programm. Es soll Frauen aus verschiedenen Bereichen der Energiebranche sichtbar machen und berufliche Perspektiven aufsetzen sowie Impulse für neue Rollenbilder setzen. Derzeit engagieren sich Lisa Diamond (Scientist am AIT Center for Technology Experience), Irmela Kofler (Bereichsleiterin für Dekarbonisierung und Sektorkopplung bei K1-MET), Susanne Supper (Geschäftsführerin des Green Energy Lab) und Christina Veigl (Leiterin der Abteilung Endkund:innen der E-Control). Alle vier bringen ihre Perspektiven aus Forschung, Industrie, Innovation und Regulierung ein. 

Österreich in der Vorreiterrolle

Zusätzlich zur Datenerhebung setzt die Initiative auf weitere Maßnahmen – wie dem Women-in-Energy-Event, eine Podcastserie und die Praktikumsinitiative "Klimapionierin". Ziel sei es, die Chancengleichheit im Energiesektor sowohl innerhalb der Branche als auch in der breiten Öffentlichkeit stärker sichtbar zu machen.

"Wir wollen verstehen, wie Energieberufe gestaltet sein müssen, damit sich mehr Frauen dafür entscheiden – und wie Unternehmen und Organisationen ihre Stellenausschreibungen entsprechend weiterentwickeln können", so Mitter und meint abschließend: "Damit schaffen wir eine Grundlage, die weit über Österreich hinauswirkt."

www.bmimi.gv.at

www.energyagency.at

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