Anlässlich des "Tages der Batterie" am 18. Februar informierten die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) sowie der Österreichische Bundesfeuerwehrverband bei einem Medientermin über die Risiken falsch entsorgter Lithium-Akkus.
Auf dem Gelände der Saubermacher Dienstleistungs AG in Wien-Inzersdorf wurde im Rahmen eines Live-Experiments demonstriert, welche Auswirkungen beschädigte Lithium-Akkus in Abfallströmen haben können.
Millionen Batterien im Restmüll
Lithium-Akkus sind aus zahlreichen Alltagsgeräten nicht mehr wegzudenken, von Einweg-E-Zigaretten über Laptops bis zu elektrischen Zahnbürsten. Nach Schätzungen der Montanuniversität Leoben werden jährlich rund drei Millionen Lithium-Batterien in Österreich über den Restmüll entsorgt, statt über vorgesehene Sammelsysteme. In den kommenden Jahren könnte sich diese Menge auf etwa sechs Millionen Stück pro Jahr erhöhen. Der Verband österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) verzeichnete 2025 insgesamt 36 größere Brandereignisse in Entsorgungs- und Recyclinganlagen. In mehreren Fällen wurden falsch entsorgte Lithium-Batterien und -Akkus als mögliche Brandursache vermutet.
Experiment vom Burgenländischen Landesfeuerwehrverband im Vorfeld - Teil 1 © Andreas Braunstein/Burgenländischer Landesfeuerwehrverband
Politik fordert konsequente Sammlung
"Die Abfallwirtschaft ist eine tragende Säule unseres Wirtschaftssystems, entwickelt sich konsequent in Richtung Kreislaufwirtschaft weiter und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz. Um die Funktionsfähigkeit dieser wichtigen, insbesondere von regionalen und kleinen Betrieben geprägten Infrastruktur zu gewährleisten, ist die fachgerechte Entsorgung von Batterien von entscheidender Bedeutung", sagt Umweltminister Norbert Totschnig und betont die fundamentale Bedeutung der Entsorgungsbranche.
Bereits im September 2025 hatte der Minister eine breit angelegte Informationskampagne angeregt. Die Kampagne "Her mit Leer" soll nun fortgeführt und weiterentwickelt werden. Zudem unterstrich Totschnig: "Wir müssen die Brand-Thematik noch stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankern. Jede:r Bürger:in sollte dazu beitragen, dieses Risiko zu minimieren, indem Batterien und Akkus konsequent an den dafür vorgesehenen Sammelstellen abgegeben werden."
Steigenden Mende bei niedriger Sammelquote
Laut Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der EAK, machten Lithium-Batterien 2024 rund 46,5 Prozent der in Verkehr gesetzten Gerätebatterien aus. Die Sammelquote lag hingegen bei 13,3 Prozent. Als Grund nennt die Expertin u.a. die lange Lebensdauer von Lithium Batterien von zumindest fünf bis acht Jahren (bei manchen Geräten, die selten genutzt werden, können sie weit über zehn Jahre halten). Zugleich warnt sie: "Das Risiko von Bränden steigt in Recycling-Betrieben und auf Sammelstellen durch den kontinuierlichen Zuwachs der Mengen an, insbesondere aber auch durch Fehlwürfe im Restmüll sowie in Papier- oder Kunststoffbehältern", so Giehser und fügt hinzu: "Besonders gefährlich ist das Unwissen darüber, in welchen alltäglichen Produkten diese Akkus verbaut sind. Neben bekannten Altgeräten, wie Powerbanks, Smartphones und Laptops, bergen auch 'scheinbar harmlosere' Gegenstände, wie E-Vapes, blinkende Haarreifen, Earpods und Kinderspielzeug mit verbauten Akkus eine Brandgefahr in sich. Viele enthalten zudem oft noch Restenergie und sind keineswegs 'leer', wenn sie weggeworfen werden. Das zeigen etliche Beispiele von Brandfällen in der Vergangenheit."
Sechs Brände pro Tag
In Österreichs Abfallwirtschaft kommt es statistisch zu bis zu sechs Bränden täglich, auch wenn laut den Expert:innen nicht jeder auf Lithium-Akkus zurückzuführen sei. Zwischen dem Jahr 2012 und 2024 wurde nach Angaben des VOEB eine Verfünffachung der Brandereignisse verzeichnet.
"Die Brandgefahr steigt durch falsch entsorgte Lithium-Batterien/Akkus massiv an. Wenn ein solcher Akku im Müllauto oder in der Sortieranlage zerdrückt bzw. mechanisch beschädigt wird, kann es zum sogenannten 'thermischen Durchgehen' (Thermal Runaway) kommen – einer Kettenreaktion, durch die sich die Temperatur konstant erhöht, bis es zur Selbstentzündung kommt", sagt Berthold Kren, Segmentleiter Österreich der Saubermacher Dienstleistungs AG.
Laut Kren finden diese Akkus im Restmüll ideale Brennbedingungen. Dabei lassen vor allem leicht entzündliche Stoffe und große Abfallmengen kleine Funken sofort zum unkontrollierbaren Brandherd werden.
Experiment vom Burgenländischen Landesfeuerwehrverband im Vorfeld - Teil 2 © Andreas Braunstein/Burgenländischer Landesfeuerwehrverband
Belastung für Einsatzkräfte und Betriebe
Martin Mittnecker vom Bundesfeuerwehrverband und Referatsleiter für vorbeugenden Brandschutz schildert die Herausforderungen bei der Brandbekämpfung: "Brände dieser Art entzünden gewaltige Abfallmengen. Die Bekämpfung ist langwierig und kann mehrere Tage beanspruchen. Problematisch ist dabei nicht nur der hohe Aufwand an Mannschaft, Gerät und Sonderlöschmittel, sondern auch die erhebliche Schadstoffbelastung in der Luft über einen langen Zeitraum. Zudem stellt das kontaminierte Löschwasser eine zusätzliche Belastung dar, da es aufgefangen und aufwendig entsorgt werden muss."
Auch wirtschaftlich sind die Folgen laut Berthold Kren erheblich. "Die Schäden belaufen sich in Österreich bereits auf mehrstellige Millionenbeträge. Das führt zu einem großen Problem mit Versicherungen: Viele Versicherungsanstalten erhöhen die Prämien drastisch oder steigen ganz aus, da die Schadenssummen nicht mehr kalkulierbar sind. Das ist ein enormes Risiko für die gesamte Recycling-Infrastruktur. Saubermacher, österreichweit führend in der Batteriesortierung, hat am Kompetenzstandort Premstätten umfassend in Brandschutzeinrichtungen investiert – zur sicheren Annahme, Sortierung und Lagerung aller Arten von Batterien und zum Schutz der Mitarbeiter:innen", so Kren.
Gemeinsame Verantwortung
Neben verstärkter Öffentlichkeitsarbeit werden auch regulatorische Maßnahmen diskutiert, darunter ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten, das voraussichtlich Ende 2026 in Kraft treten soll.
"Wir stehen vor einer Herausforderung, die wir nur gemeinsam bewältigen können", so Elisabeth Giehser.
"Es braucht einen Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft sowie die aktive Mithilfe der Bevölkerung. Nur wenn wir Batterien und Lithium-Akkus als wertvolle, zugleich aber potenziell gefährliche Ressourcen verstehen und konsequent richtig entsorgen, gewährleisten wir einen sicheren Betrieb unserer Entsorgungsinfrastruktur und vermeiden Risiken für Mensch und Umwelt.", sagt Bundesminister Totschnig abschließend.
LEADERSNET war beim Medientermin. Einen Eindruck können Sie sich hier machen.
www.saubermacher.com
www.bmluk.gv.at
www.bundesfeuerwehrverband.at
www.eak-austria.at
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