KEYaccount: Werner & Mertz gilt als Pionier der Kreislaufwirtschaft. Was war der entscheidende Moment, an dem dieses Prinzip zur strategischen Leitlinie des Unternehmens wurde?
Florian Iro: Der Wendepunkt kam Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre. Unser Eigentümer hat damals gesagt: Es kann nicht sein, dass wir als Chemieunternehmen die Umwelt so stark belasten. Wir müssen etwas ändern. So haben wir begonnen, Produkte wie phosphatfreie Haushaltsreiniger zu entwickeln. 1986 kam mit dem Frosch-Universalreiniger das erste vollständig biologisch abbaubare Produkt auf den Markt. Das war damals eine echte Sensation.
KEYaccount: Die Marke Frosch steht seit den 1980er Jahren für Nachhaltigkeit. Wie hat sich Ihr Verständnis von Kreislaufwirtschaft und Verantwortung seither weiterentwickelt?
Iro: Sehr schnell war klar, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Produktlinie sein darf. Ökologie musste Teil der DNA des gesamten Unternehmens werden. Kreislaufwirtschaft ist für uns das zentrale Prinzip. Wir arbeiten entlang zweier Systeme: dem biologischen Kreislauf für den Inhalt und dem technischen Kreislauf für die Verpackung. Entlang dieser beiden Kreisläufe entwickeln wir uns kontinuierlich weiter.
KEYaccount: Kreislauffähige Verpackungen sind ein zentrales Thema. Welche Innovationen waren zuletzt besonders entscheidend, etwa bei der Entwicklung vollständig recycelbarer Sprühköpfe?
Iro: Ein Sprühkopf ist viel komplexer, als man denkt. Unterschiedliche Kunststoffe, Metallfedern, mehrere Komponenten – das ist normalerweise nicht recyclingfähig. Wir haben daher einen Sprühkopf entwickelt, der aus nur einem Material besteht, ohne Metallfeder und bereits aus Rezyklat. Gleichzeitig konnten wir rund 18 Prozent Gewicht einsparen. Ergänzend dazu setzen wir auf Monobeutel als Nachfülllösung, die vollständig aus einer Kunststoffgruppe bestehen und damit wirklich recyclingfähig sind.
KEYaccount: Die Inflation ist zuletzt gesunken, war in den vergangenen Jahren jedoch sehr hoch. Wie zufrieden sind Sie mit den Preisanpassungen im Lebensmitteleinzelhandel und im Drogeriefachhandel?
Iro: Ökologie funktioniert nur, wenn Unternehmen profitabel bleiben. Gleichzeitig müssen nachhaltige Produkte leistbar sein. Wir arbeiten deshalb sehr effizient und verzichten bewusst auf Maximalmargen. Entscheidend ist aber: Verbraucherinnen und Verbraucher akzeptieren Nachhaltigkeit nur, wenn sie keine Leistungseinbußen haben.
KEYaccount: Nachhaltige Produkte stehen oft unter besonderem Kostendruck. Wie gelingt es Werner & Mertz, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu verbinden?
Iro: Rezyklat ist aktuell etwa dreimal so teuer wie Neuplastik, pflanzliche Tenside deutlich teurer als erdölbasierte Alternativen. Wir steuern unsere Kreisläufe sehr konsequent und sind bereit, auf einen Teil der Marge zu verzichten. Am Ende ist es eine Frage der Haltung und der langfristigen Perspektive.
KEYaccount: Die vergangenen Jahre standen auch im Zeichen von Rohstoffknappheit und starken Verwerfungen in den Lieferketten. Welche Auswirkungen hatte das auf Ihr Unternehmen?
Iro: Sehr große. Ein Beispiel ist Sonnenblumenöl aus der Ukraine, das wir für Tenside benötigen. Wenn solche Rohstoffe wegfallen, steigen die Preise massiv. Wir können das nicht einfach vollständig weitergeben, weil unsere Mission klar ist: Wir wollen eine nachhaltige Lebensweise für möglichst viele ermöglichen. Das funktioniert nur, wenn Produkte leistbar bleiben.
KEYaccount: Welche Rolle spielen starke Partnerschaften mit Handel und Industrie für die Umsetzung Ihrer Nachhaltigkeitsziele?
Iro: Sie spielen eine zentrale Rolle. Der Handel verfolgt eigene Nachhaltigkeitsziele und findet in uns einen Partner, der konkrete Lösungen liefert. Gleichzeitig teilen wir unser Know-how im Sinne von Open Innovation. Kreislaufwirtschaft funktioniert nur gemeinsam.
KEYaccount: Wie wichtig sind Line Extensions und neue Produktkategorien für die Weiterentwicklung von Marken wie Frosch oder Erdal?
Iro: Sehr wichtig. Wir bringen über die gesamte Gruppe hinweg jährlich zehn bis 15 neue Produkte auf den Markt. Bei Frosch etwa entwickeln wir Konzepte wie Soda weiter. Das ist ein klassisches Hausmittel, das wir modern und ökologisch neu interpretieren. Bei Erdal reagieren wir auf Trends wie Sneakerpflege und neue Materialien.
KEYaccount: Gibt es für 2026 konkrete Neuprodukte, Innovationen oder strategische Schwerpunkte, auf die sich der Handel einstellen kann?
Iro: Wir bauen die Soda-Linie weiter aus und bringen einen neuen Badreiniger auf Weinsäurebasis. Bei Erdal, das heuer 125 Jahre feiert, erweitern wir die Sneaker-Range, etwa mit einem Sneaker-Deo und einem Sohlenreiniger.
KEYaccount: Zum Abschluss: Können Sie etwas über das abgelaufene Geschäftsjahr sagen – und welche Erwartungen haben Sie für 2026?
Iro: Der Markt war insgesamt schwierig und hat sich kaum bewegt. Wir konnten dennoch im höheren einstelligen Bereich wachsen. Besonders stark waren Maschinen-Geschirrspülmittel und Wäschepflege. Für 2026 bin ich sehr optimistisch. Mit "Echt grün, echt stark“ starten wir die größte Kampagne unserer Unternehmensgeschichte.
www.werner-mertz.de
www.erdal.at
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