Schaumwein und Spirituosen
Schlumberger setzt auf Gastronomie, alkoholfreie Alternativen und Produktionsausbau

| Wolfgang Zechner 
| 12.02.2026

Der österreichische Schaumweinmarkt bleibt rückläufig, auch Spirituosen stehen unter Druck. Das Wiener Traditionshaus stabilisiert dennoch seine Marktposition, investiert in Produktion und Vertrieb und will 2026 mit einer alkoholfreien Variante sowie einer stärkeren Gastronomieausrichtung neue Impulse setzen. Auch eine Preiserhöhung wird wohl kommen.

Seit Oktober 2025 verantwortet Anne Glatz den Vertrieb von Schlumberger und ist Co-Geschäftsführerin der Vertriebstochter Top Spirit. Nun lud sie in die Schlumberger Zentrale in Wien zum Hintergrundgespräch. Im Mittelpunkt standen Marktumfeld, strategische Weichenstellungen und neue Produktimpulse.

Markt unter Druck

Der Schaumweinmarkt im Lebensmitteleinzelhandel verzeichnete 2025 einen Absatzrückgang von 2,7 Prozent bei stabilem Umsatz. Die Premium-Marke Schlumberger hält ihren Absatzmarktanteil mit 4,6 Prozent leicht verbessert und erreicht beim Umsatz einen Marktanteil von 9,7 Prozent. Die günstigere Range Hochriegl kommt beim Absatz auf elf und beim Umsatz auf 9,4 Prozent. Insgesamt liegt das Haus Schlumberger bei rund 20 Prozent Marktanteil im LEH.

Im Spirituosenmarkt zeigt sich ein Minus von fünf Prozent auf 30 Millionen Liter. Besonders Premium-Spirituosen stehen unter Druck. "Wir bewegen uns in einem Markt, der strukturell anspruchsvoller geworden ist", so Glatz. Kaufzurückhaltung, verändertes Konsumverhalten und hoher Aktionsdruck prägen das Umfeld. Im mehrjährigen Vergleich zeigt sich die Konsolidierung im Portfolio von Top Spirit besonders drastisch. Seit 2021 beträgt das Minus 13 Prozent. Gin verzeichnet ein Minus von 30 Prozent, Cognac sogar einen Rückgang von 40 Prozent.

Gastro und alkoholfreie Varianten im Fokus

Strategisch will Schlumberger 2026 die Gastronomie stärker adressieren. Die Reserve und die Große Reserve sollen als Speisenbegleiter positioniert werden. Neue Jahrgänge werden im Herbst präsentiert, begleitet von Verkostungen und Events. "Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der stärkeren Betonung der österreichischen Herkunft. Laut interner Befragung wünschen sich 50 Prozent der Gäste mehr österreichischen Schaumwein in der Gastronomie. "Österreichischer Sekt hat hier noch nicht die Sichtbarkeit, die er verdient", betont Glatz. Parallel wird Hochriegl verjüngt. Sondereditionen rund um den Eurovision Song Contest und der Vienna Pride sollen neue Zielgruppen ansprechen. Der Trend zu alkoholfreien Alternativen wird aktiv genutzt. Alkoholfreier Sekt legte um 60 Prozent auf 480.000 Flaschen zu. Hochriegl alkoholfrei wuchs im Vorjahr zweistellig und macht bereits rund zehn Prozent des Hochriegl-Umsatzes aus. Für 2026 ist eine alkoholfreie Schlumberger-Variante angekündigt, die klar im Premiumsegment positioniert werden soll.

Für 2026 kündigt Schlumberger moderate Preiserhöhungen an. In den vergangenen Jahren habe man die Preise deutlich unter der Inflation angepasst, nun sei eine Anhebung unvermeidlich, so Glatz.

Neue Produktionsstätte und ein geheimer Zukauf

Mit dem Standort im burgenländischen Müllendorf verfügt Schlumberger über eine hochmoderne Produktionsanlage, die im Vorjahr in Betrieb ging. Im ersten Jahr wurden hier drei Millionen Flaschen pro Jahr produziert, wobei es von den Kapazitäten noch deutlich Luft nach oben gibt. Damit besteht deutliches Wachstumspotenzial – sowohl für die Markenproduktion als auch für Lohnabfüllungen. In einem stagnierenden Markt setzt Schlumberger damit auf Differenzierung über Herkunft, Gastronomiekompetenz und alkoholfreie Innovation. Und zu guter Letzt sorgt Schlumberger nun auch noch für Spannung in der Branche: Das Unternehmen will heuer nämlich seine erste große Akquisition seit der Likörmarke Mozart vor zehn Jahren tätigen. Um welche Brand es sich dabei handelt, ist noch streng geheim. KEYaccount/LEADERSNET bleibt dran.

www.schlumberger.at

www.topspirit.at

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