Unter dem Motto "The Poetry of Software" wurde Wien am 19. Jänner zum Treffpunkt der heimischen Software- und Digitalbranche: Beim bereits neunten VÖSI Software Day, veranstaltet vom Verband Österreichischer Software Innovationen (VÖSI), in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) kamen Vertreter:innen aus Unternehmen, IT-Dienstleistung und Anwenderorganisationen zusammen, um aktuelle Entwicklungen, technologische Trends und die Bedeutung der Branche für den Wirtschaftsstandort Österreich zu diskutieren.
Eröffnung im Zeichen digitaler Souveränität
Welche wirtschaftliche Relevanz dem Sektor dabei zukommt, machte Helga Tieben, Geschäftsführerin des Fachverbands UBIT in der WKO, bereits in ihrer Eröffnungsrede deutlich. "Der Fachverband Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) freut sich als Partner dabei zu sein und sieht diese Veranstaltung als einen zentralen Impulsgeber für Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und digitale Souveränität am Wirtschaftsstandort Österreich. Mit rund 40.000 IT-Mitgliedern und einem Jahresumsatz von 40 Milliarden Euro sind wir stolz auf unsere Branche, die für acht Prozent des BIP verantwortlich zeichnet."
Angesichts der aktuellen Debatte um digitale Souveränität rückte VÖSI-Präsidentin Doris Lippert anschließend die Rolle der heimischen Softwarebranche in den Fokus. Sie plädierte dafür, technologische Entwicklung und Wertschöpfung konsequent in Österreich zu verankern. Der Anspruch gehe dabei deutlich über reine Anwendung internationaler Lösungen hinaus. "Made in Austria ist nicht einfach nur ein Slogan. Es ist ein Qualitätssiegel. Es steht für herausragende Qualität und verantwortungsvolle Umsetzung. Dafür stehen wir auch im VÖSI und in der heimischen Softwarebranche. Wir wollen nicht nur Innovationen aus anderen Ländern umsetzen, wir wollen gestalten, kreieren und Neues erschaffen. Lösungen und Software, die den Menschen hier in Österreich nutzen, Mehrwert schaffen und sie verbinden." Konkret sichtbar werde dieser Gestaltungsanspruch unter anderem mit der VÖSI KI-Landkarte: Die seit September 2025 online verfügbare Plattform bündelt derzeit rund 150 konkrete KI-Anwendungsfälle aus Österreich und wird laufend erweitert (LEADERSNET berichtete).
Dass technologische Exzellenz dabei untrennbar mit kreativen Fähigkeiten verbunden ist, betonte wiederum Armin Skoff, VÖSI-Vorstandsmitglied und Projektleiter des VÖSI Software Day. Innovation entstehe nicht allein durch technische Präzision, sondern durch Kreativität, Problemlösungskompetenz und Einfühlungsvermögen: "Software ist viel mehr als Code in 0 und 1 – Software und Poesie haben viel gemeinsam", so Skoff.
Über 30 Speaker:innen
Mit mehr als 30 Sprecher:innen stellte der VÖSI Software Day anschließend die Kreativität, Innovationskraft und technologische Exzellenz des Software-Standorts Österreich in den Mittelpunkt. Den inhaltlichen Auftakt gestaltete heuer eine Keynote aus der Medienbranche: Astrid Zöchling, im Vorjahr zur CIO des Jahres gewählt und seit 2023 CIO im ORF, eröffnete die Veranstaltung mit ihrem Vortrag "Der ORF – Becoming stronger than Resilient. Der Weg von Digital Resilience zu Resilient Excellence". Darin zeigte sie, wie technologische Innovationen und Künstliche Intelligenz gezielt eingesetzt werden, um Qualität, Effizienz und Verantwortung zu stärken, thematisierte zugleich aber auch die wachsenden Herausforderungen durch Fake News und manipulierte Bilder. Angesichts zunehmender KI-generierter Desinformation komme verlässlichen Medien eine neue Schlüsselrolle zu. "Das journalistische Grundprinzip 'Check – Recheck – Double Check' ist damit wichtiger als je zuvor. Technologie ist ein Enabler – der Mensch bleibt die letzte Instanz in der Recherche", betonte Zöchling. Zugleich unterstrich sie die Verantwortung bei der Auswahl technologischer Lösungen: "Gerade weil Technologie immer mächtiger wird, müssen wir die richtige wählen. Technologien müssen Innovation ermöglichen, verlässlich verfügbar sein, Daten sicher schützen und nachhaltig kosteneffizient bleiben und den Menschen nützen", so die Speakerin.
Neben Zöchling sorgten auch Markus Murtinger (AIT Austrian Institute of Technology, Deputy Head of Center for Technology Experience) sowie Nina Brandl (Johannes Kepler Universität Linz, Department of Quantum Computing) mit ihren Keynotes für inhaltliche Impulse. In zwei Panel-Gesprächen rückten überdies unterschiedliche Facetten der digitalen Transformation in den Fokus: Im CIO-Panel "Mission 2026 – Software, Systeme und Menschen" diskutierten Martin Buresch (ZKW Group), Andreas Hohensinner (Frutura), Barbara Hotwagner (Gesundheit Österreich), Peter Reichstädter (Parlament), Susanne Tischmann (ÖAMTC) sowie Thomas Zapf (Verbund) über aktuelle Projekte, strategische Herausforderungen und ihre Ziele für 2026. Moderiert wurde die Runde von Christine Wahlmüller-Schiller (AIT Austrian Institute of Technology). Am Nachmittag widmete sich ein weiteres hochkarätig besetztes Panel dem Thema "Software Engineering of the Future". Sylvia Geyer (FH Technikum Wien), Mateusz Gren (ATOS), Christoph Kitzler (MP2 IT Solutions), Daniel Siegl (Syntevo), Sylvia Resetarits (Expleo Austria) und Sebastian Schenk (Ebcont) diskutierten unter der Moderation von Martin Szelgrad (Report Verlag), wie sich Software-Engineering im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz heute und künftig verändern wird.
Umfangreiches Rahmenprogramm
Begleitend zum Vortragsprogramm präsentierten sich die fünf VÖSI Special Interest Groups (SIG) in den Bereichen Accessibility in ICT, Datenschutz, Enterprise Architecture Management, Künstliche Intelligenz und WOMENinICT und luden zur aktiven Mitarbeit ein. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte die von der SIG WOMENinICT organisierte Rätsel-Rallye. Nicht zuletzt gab es auch Ausstellungsbereich mit namhaften Partner:innen.
Eindrücke von der Veranstaltung finden Sie in unserer Galerie.
www.voesi.or.at
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