Gedämpfte Erwartungen zum Jahresstart
Neues Jahr startet ohne Besserung für Konsumenten und Handel

| Wolfgang Zechner 
| 12.01.2026

Zum Jahresstart gibt es im österreichischen Handel keine Aufbruchsstimmung. Aktuelle Analysen des Linzer Instituts für Handel, Absatz und Marketing zeigen weder beim Konsum- noch beim Einzelhandelsklima nachhaltige Verbesserungen.

Eine Trendwende ist aus Sicht der Konsument:innen auch 2026 nicht in Sicht. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen zur finanziellen Lage hat sich im Jahresdurchschnitt 2025 weiter verschlechtert und liegt laut Analysen des Linzer Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) nun bei minus 18 Prozentpunkten nach minus 16 Punkten im Jahr davor. Entsprechend pessimistisch fällt der Ausblick auf die kommenden zwölf Monate aus. Zum Jahreswechsel 2025/2026 verharrt der Saldo zur erwarteten Finanzsituation der privaten Haushalte bei minus sieben Prozentpunkten. Gründe dafür sind anhaltend hohe Inflation, wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Arbeitslosigkeit. Im EU-Vergleich liegt Österreich damit nur im hinteren Feld, während nordeuropäische Länder sowie Spanien deutlich optimistischer in das neue Jahr starten.

Einzelhandel sieht kurzfristig keine Dynamik

Auch auf Seite des Handels bleibt die Stimmung gedrückt. Zwar hat sich das Einzelhandelsklima 2025 gegenüber dem Vorjahr minimal verbessert, mit minus fünf Prozentpunkten bleibt der Wert jedoch klar im negativen Bereich. Der Ausblick auf das erste Quartal 2026 fällt entsprechend verhalten aus. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der Einzelhandelsmanager:innen zur Geschäftslage liegt weiterhin bei minus zwölf Prozentpunkten. Damit gehört Österreich zu den pessimistischsten Ländern in der EU, lediglich in wenigen Staaten wie Deutschland, Belgien oder Ungarn wird die Lage noch negativer beurteilt. Im EU-Durchschnitt überwiegt hingegen bereits ein vorsichtig positiver Ausblick.

Verhaltene Erwartungen prägen den Jahresstart

Aus Sicht der Studienautor:innen verstärken sich die negativen Erwartungen von Konsument:innen und Handel gegenseitig. Gedämpfte Konsumlaune bremst die Nachfrage, während die fehlende wirtschaftliche Dynamik diese Zurückhaltung weiter verstärkt. Ein selbsttragender Aufschwung erscheint kurzfristig unwahrscheinlich. Hoffnung besteht erst für den weiteren Jahresverlauf, sofern wirtschaftliche Rahmenbedingungen stabiler werden. Dem Handel kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Durch verlässliche Preisstrategien, konstante Sortiments und Servicequalität sowie Investitionen in Kundennähe kann er dazu beitragen, Vertrauen schrittweise aufzubauen und Erwartungen zu stabilisieren.

"Das Jahr 2026 beginnt wie das Jahr 2025, verhalten und von Skepsis geprägt. Zu verunsichert sind die Konsument:innen von der anhaltend hohen Inflation, um bereits zu Jahresbeginn an eine spürbare Verbesserung zu glauben", sagt IHaM-Experte Ernst Gittenberger. Christoph Teller, Institutsvorstand des IHaM, ergänzt: "Gedämpfte Erwartungen bremsen den Konsum, während die fehlende konjunkturelle Dynamik diese Zurückhaltung weiter verstärkt. Gerade der Einzelhandel kann jedoch durch Stabilität, Verlässlichkeit und gezielte Investitionen in Kundennähe dazu beitragen, neues Vertrauen aufzubauen."

www.jku.at/institut-fuer-handel-absatz-und-marketing

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