Interview mit Helmut Mojescick
Wenn ein Klick das Leben verändert

| Redaktion 
| 19.11.2025

Früher brauchte es Einbrecher, heute reicht eine E-Mail. Cyberkriminalität ist unsichtbar, aber sie trifft mitten ins Leben. Sie löscht Erinnerungen, raubt Existenzen, zerstört Vertrauen. Und während wir unser Zuhause abschließen, lassen wir die Tür zu unseren Daten oft sperrangelweit offen.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Mojescick, wir speichern heute alles online: Fotos, Dokumente, Bankdaten. Gleichzeitig liest man fast täglich von Cyberangriffen. Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Mojescick: Größer, als die meisten glauben. Viele denken bei Cyberkriminalität an Hollywood-Hacker in Kapuzenpullis. In Wahrheit sind es automatisierte Prozesse, die jeden treffen können – Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden. Die Attacken auf SalzburgMilch, Range Rover und in jüngster Vergangenheit die Formel 1 sind nur wenige Beispiele, die gezeigt haben, wie verletzlich selbst bestens organisierte Unternehmen sind. Ein unbedachter Klick auf einen Link, und schon sind Daten verschlüsselt, Passwörter geknackt oder Identitäten gestohlen. Das passiert nicht irgendwo, sondern mitten in Österreich, jeden Tag.

LEADERSNET: Also kann jeder betroffen sein – selbst ohne technische Vorkenntnisse?

Mojescick: Genau. Es genügt bereits ein täuschend echt wirkendes Phishing-Mail oder ein manipuliertes WLAN im Café. Cyberkriminalität ist längst kein Randphänomen mehr, sondern Teil unseres digitalen Alltags. Besonders perfide ist, dass Täter oft gar nicht gezielt einzelne Personen ins Visier nehmen, sondern automatisiert nach Schwachstellen in Systemen suchen. Diese Angriffe sind nicht persönlich – sie richten sich gegen jede verwundbare Stelle, die sich online finden lässt.

LEADERSNET: Trotzdem scheinen viele das Risiko zu unterschätzen. Warum?

Mojescick: Weil man es nicht sieht. Ein Hausbrand oder ein Autounfall ist sichtbar, spürbar, greifbar. Ein digitaler Angriff passiert unsichtbar. Man merkt es oft erst, wenn es zu spät ist. Dazu kommt eine gewisse Bequemlichkeit: Wir leben digital, aber unser Bewusstsein für digitale Risiken ist analog geblieben. Wir teilen private Informationen in Sekundenschnelle, klicken auf "Ja" bei Nutzungsbedingungen, die wir nie gelesen haben, und wundern uns später über Datenmissbrauch.

LEADERSNET: Was wäre so ein typischer Schadenfall?

Mojescick: Die Bandbreite reicht vom Diebstahl sensibler Daten bis zur Erpressung von Firmen durch Lösegeldforderungen. Privatpersonen trifft es oft emotional: gestohlene Fotos, gehackte Messenger-Konten, leere Bankkonten. Unternehmen verlieren Kundendaten oder ganze Netzwerke. Und vor allem kleine Betriebe sind betroffen – etwa eine Arztpraxis, dessen Terminsoftware plötzlich gesperrt ist, bis Lösegeld gezahlt wird.

LEADERSNET: Wie kann man sich dagegen schützen?

Mojescick: Cybersicherheit beginnt mit Bewusstmachen der Tatsache, dass es das gibt und einfach umsetzbaren Sicherheitsmaßnahmen. Komplexe Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierungen und regelmäßige Updates – das klingt banal, ist aber entscheidend. Und: Skepsis ist ein gutes Frühwarnsystem. Wenn eine Nachricht zu dringlich oder zu verlockend klingt, sollte man sie doppelt prüfen. Viele Angriffe scheitern an einem gesunden Misstrauen.

LEADERSNET: Reicht das im Ernstfall aus?

Mojescick: Leider nicht immer. Die Folgen eines erfolgreichen Angriffs können verheerend sein – von hohen Wiederherstellungskosten bis zu rechtlichen Problemen, wenn Daten Dritter betroffen sind. Und hier kommt ein Bereich ins Spiel, den viele noch kaum kennen: die Absicherung digitaler Risiken.

LEADERSNET: Gibt es spezielle Absicherungsmaßnahmen für die digitale Kriminalität?

Mojescick: Hier kommen Cyberversicherungen ins Spiel. Für Unternehmen sind sie mittlerweile unverzichtbar – nicht nur, weil sie finanzielle Schäden abfedern, sondern weil sie im Ernstfall ganze Krisenstäbe aktivieren. Sie übernehmen etwa Kosten für IT-Forensik, Datenrettung, Krisenkommunikation, rechtliche Unterstützung und Schadenersatzansprüche Dritter. Sie bieten zudem Zugang zu spezialisierten Expert:innen, die rund um die Uhr reagieren können, denn im Moment eines Angriffs zählt jede Minute.

LEADERSNET: Wie verbreitet ist dieses Bewusstsein bereits?

Mojescick: Noch viel zu wenig. Noch viel zu oft gibt es die „Mich betrifft das nicht-Mentalität“. Aber Cyberkriminalität unterscheidet nicht nach Alter, Beruf oder Einkommen. Sie kann jeden von uns treffen. Und oft dauert es Wochen, bis Opfer begreifen, wie tief der Eingriff reicht.

LEADERSNET: Was raten Sie unseren Leser:innen?

Mojescick: Man muss sich mit dieser Gefahr auseinandersetzen. Bewusstsein schaffen. Wir sichern unser Zuhause ab, aber nicht unser digitales Leben, obwohl es oft genauso wertvoll ist. Wer heute seine Daten schützt, schützt morgen seine Identität, seine Existenz, vielleicht sogar seinen Ruf. Und wer jetzt sagt, "so etwas passiert mir nicht", sollte sich fragen: Wann habe ich das letzte Mal wirklich hingeschaut, bevor ich auf "OK" gedrückt habe?

www.wiener-versicherungsmakler.at

Zur Person und weitere Infos

KR Helmut Mojescick ist Obmann der Fachgruppe Versicherungsmakler in der WK-Wien, unterrichtet an diversen Universitäten und Fachhochschulen, ist gerichtlich beeideter Sachverständiger und Experte für Versicherungsfragen.

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