"Unser Fokus liegt auf Sicherheit"

Peter Hildebrand, Geschäftsführer Betten Reiter, im Interview über die  internen und externen Maßnahmen im Shutdown, die schrittweise Öffnung und den Handel in der Zeit nach der Krise.

Das Familienunternehmen Betten Reiter ist seit 1953 als österreichischer Heimtextilien-Spezialist am Markt tätig. LEADERSNET hat Peter Hildebrand, Geschäftsführer Betten Reiter, zum Interview gebeten.

LEADERSNET: Welche Maßnahmen unternahm bzw unternimmt Betten Reiter in der COVID-19 Krise konkret, um die kritische Situation zu meistern?

Hildebrand: Wir prüfen derzeit – wie alle Handelsunternehmen und Handelspartner in unserer Branche – die rechtlichen und unternehmerischen Gegebenheiten, denen wir nun aufgrund der Weisung der Bundesregierung zur Schließung unserer Geschäfte im Rahmen von COVID-19 gegenüberstehen. Das geht von notweniger und nicht notweniger Mietzahlungen unserer Filialen bis hin zur Aufrechterhaltung der Lieferantenaufträge in der gesamten Lieferkette. Bei all diesen Punkten sehen wir aber vor allem unsere Verantwortung als wichtiger und relevanter Arbeitgeber und Unternehmer in der Region als oberste Priorität.

LEADERSNET: Welche internen und externen Maßnahmen wurden im Rahmen des Shutdown getroffen?

Hildebrand: Auch uns blieben wesentliche ad hoc Maßnahmen zur Eindämmung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona Krise nicht erspart: Wir mussten zu Beginn rund 400 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und prüfen derzeit alle rechtlichen Vereinbarungen und die daraus resultierenden Auswirkungen auf unsere Liquiditätssituation. Auf der anderen Seite wurden aber alle Aufträge, die von Kundenseite noch VOR Inkrafttreten der interimistischen Geschäftsschließungen in ganz Österreich bei uns eingelangt sind, vollständig abgewickelt und kostenlos unserer Kundenen zugestellt. Alle bestellten Waren von Lieferanten wurden und werden von uns abgenommen und vollständig übernommen, wir nehmen unsere Verantwortung ernst und lassen da keinen hängen. Jetzt ist die Zeit, Beziehungen zu stärken, Mut zu zeigen und gesellschaftliche und unternehmerische Verantwortung gegenüber der Lieferkette ernst zu nehmen.

LEADERSNET:  Welche Rolle spielt der Onlineshop und die Social Media Kanäle von Betten Reiter derzeit im Kundengeschäft?

Hildebrand: Unser derzeitiger Fokus liegt vor allem auf dem Online Shop und dem Online Auftritt, wo wir derzeit eine Verdreifachung des Umsatzvolumens nach Heimtextilien verzeichnen. Online starten wir nun viele Aktionen und Preisreduktionen, die wir via Social Media, Newsletter und anderer direkt Mailing Maßnahmen bewerben. Auch in der Kundenkommunikation setzen wir verstärkt auf digitale Maßnahmen und Medien. Die Zugriffe auf Facebook und Instagram sind derzeit besonders im Steigen, Kundenen informieren sich gerne und laufend über Angebote und Aktionen im Netz, das spüren auch wir derzeit sehr. Wir legen auch viel Wert auf unsere Online Präsenz und sehen das auch als Chance, hier langfristig neues Kundenklientel zu generieren. Vor allem diejenigen, die nun verstärkt auf österreichische Anbieter umsatteln, wenn es um Heimtextilien geht.

LEADERSNET:  In welchen Produktgruppen können Sie hier teilweise den stationären Verkauf umleiten

Hildebrand: Das Cocooning sehen wir als Turbo im Heimtextilhandel, der Wunsch nach Schönheit in den eigenen vier Wänden lässt unsere Kunden verstärkt Produkte wie Bettwäsche, Tischwäsche und Kopfkissen nachfragen, aber auch quer durch das restliche Sortiment verzeichnen wir eine deutliche Steigerungsrate im Vergleich zum Vorjahreswert. Wir sehen hier einen deutlichen Trend zum starken positiven Wohngefühl, dem Rückzug in die eigenen vier Wände und das Umlenken der Sinne nach innen. Das wird uns noch den ganzen Sommer begleiten.

LEADERSNET:  Wie von der Bundesregierung verkündet, soll der Handel Step by Step nach Ostern wieder geöffnet werden. Was heißt das für Betten Reiter?

Hildebrand: Die Größe unserer Stores bewegt sich zwischen 1.000 und 2.500 Quadratmeter. Das heißt für uns, keine Öffnung des stationären Verkaufes vor Anfang Mai 2020. Wichtig für uns neben dem Timing, sind aber auch Fragen zur konkreten Umsetzung der Aufhebung der Restriktionen. Also, was dürfen die Kunden dann nach der Wiederöffnung wirklich, welche Restriktionen werden noch gelten, davon hängen Aktionen seitens des Handels ab. Ein notweniger zeitlicher Vorlauf ist dabei sehr wichtig; vor allem in der Werbung und der Planung von Aktionen am POS. Da muss man nachrücken, dann springen alle auf, die Kunst ist, sich werblich auch zu positionieren; Wie schnell zieht die Nachfrage dann auch an? Wann kommt es zur "Normalität" und wie kann diese aussehen, was ist auch möglich? Einen gestaffelten Übergang sehe ich kritisch, ebenso einen eingeschränkten Betrieb, denn das heißt für uns volle Personalkosten, volle Mieten, aber weniger Geschäft.

LEADERSNET: Welche Reboot Aktionen planen Sie für die Zeit nach der akuten Coronakrise? 

Hildebrand: Das Wichtigste jetzt ist es, die Auflagen von Hygiene- und Schutzmaßnahmen seitens der Regierung fristgerecht und praktikabel umzusetzen. Dazu gibt es auch eine Arbeitsgruppe bei uns im Haus, die alle Aspekte und Anforderungen analysiert und plant. Unser Hauptaugenmerk liegt aber natürlich darin, bei all diesen Restriktionen und Einschränkungen, dem Kunden ein angenehmes Einkaufserlebnis zu bieten. Man stelle sich ein Beratungsgespräch vor, wenn sowohl Kunde als auch Verkaufspersonal Mundschutzmasken tragen müssen. Es uns ganz klar, dass wir hier vor der besonderen Herausforderung stehen, dem Kunden wieder das Gefühl von Sicherheit und Freude beim Einkaufen zu geben. Es war uns immer ein besonderes Anliegen unsere Filialen positiv, grün und nachhaltig emotional aufzuladen und die individuelle Customer Experience in den Vordergrund zu rücken. Das wird jetzt noch wichtiger für uns alle werden.

LEADERSNET: Welche Relevanz sehen Sie dann in Argumente wie Manufaktur, Nachhaltigkeit, Lokalität bei der Nachfrage der Kunden?

Hildebrand: Wir sind froh, dass wir schon jahrzehntelang Regionalität und österreichische Produkte fördern und anbieten. Meiner Meinung nach wird nach Corona Regionalität und lokale Manufaktur noch wichtiger, Kunden werden besonders dann bewusst österreichische Waren und Werte nachfragen. Die Phase des Corona Virus hat gezeigt wie empfindlich die globalen Versorgungsketten sind! Es wird Zeit, nicht nur die Globalisierung anzustreben, sondern regionale Produkte und Leistungen zu schätzen und zu konsumieren! Deshalb werden wir sicher verstärkt darauf hinweisen, was österreichischen Ursprungs ist! Wir gehen davon aus, dass die eingeschränkten Reisemöglichkeiten zu einer Besinnung auf das zu eigene zu Hause führen wird!

LEADERSNET: Mit Ihrer Cradle to Cradle Kollektion, waren Sie einer der ersten mit einer vollkommen schadstofffreien Produktserie. Werden Sie dies nun noch stärker in den Fokus Ihrer Innovation rücken? 

Hildebrand: Der Welt wird jetzt besonders bewusst, dass Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein Überlebensthema wird. Während viele Textilhersteller bisher versuchten, Schadstoffe, giftige Inhaltsstoffe und Plastik lediglich zu reduzieren, läutet Betten Reiter mit der Einführung von gänzlich schadstofffreien Produkten des Labels OceanSafe™ einen radikalen Paradigmenwechsel ein. Die Erzeugnisse von OceanSafe™ mit dem Zertifikat „Cradle to Cradle Certified™ Gold“ gehen einen ganz neuen und bisher einzigartigen Weg – die Materialien werden von Grund auf neu designt, sodass im ganzen Herstellungsprozess erst überhaupt keine umweltschädlichen Substanzen zum Einsatz kommen. Das Ergebnis sind hochwertige, gänzlich neuartige Produkte.

www.bettenreiter.at

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