China und Huawei wollen das Internet "neu erfinden"

Verbesserungsvorschlag bei den Vereinten Nationen eingebracht: der Westen zweifelt, Russland reagiert positiv.

Im Land des "Roten Drachen" ist man mit dem Internet unzufrieden. Es sei "viel zu instabil" und die Art und Weise, wie das Netz aktuell funktioniert, sei angesichts der Herausforderungen unserer neuen Zeit über 20 Jahre nach seiner Erfindung einfach "nicht mehr zeitgemäß". So liest sich das kritisch Urteil, das Huawei und die chinesische Regierung dem World Wide Web aktuell ausstellen. Daher könnten die Anforderungen im Jahr 2030 – Stichwort Internet of Things und selbstfahrende Autos – nicht ausreichend erfüllt werden.

"New IP": Infrastruktur soll radikal angepasst werden

Wie die Financial Times soeben berichtete, hat China darum mit seinen staatlichen Unternehmen China Unicom und China Telecom gemeinsam mit Huawei bei den Vereinigten Nationen einen "Verbesserungsvorschlag" eingebracht. Demnach wolle man die Infrastruktur radikal anpassen: unter dem Namen "New IP" soll das Netz vor allem eher durch staatliche Internetprovider kontrolliert werden. Momentan funktioniert das World Wide Web ähnlich wie unser Postsystem: Nachrichten werden in kleine Pakete aufgeteilt und zwischen Geräten ausgetauscht. Dabei enthält jedes Paket die Information der IP, die erreicht werden soll und der jeweilige Empfänger fasst dann die Pakete so zusammen, wie die Daten letztlich aussehen sollen.

Chinas Gegenvorschlag sieht ein "dynamischeres IP-Verbindungssystem" vor, dass das aktuelle System ablösen und mehr Effizienz in den Prozess bringen soll. Das Internet teile sich demnach immer mehr in verschiedene Netzwerke auf, die aber aufgrund inkompatibler Mechanismen nicht miteinander kommunizieren könnten. Mit dem neuen Protokoll "New IP" soll ermöglicht werden, dass Geräte im selben Netzwerk miteinander kommunizieren können, ohne Informationen über das Internet zu versenden. Gleichzeitig soll das Internet "top-down" anstatt dezentralisiert funktionieren.

Kritik aus dem Westen

Der chinesische "Verbesserungsvorschlag" bleibt nicht ohne Kritiker: so wurden Bedenken laut, dass Regierungen und Internetanbieter dadurch viel mehr Macht über IP-Adressen haben könnten. So sei es notwendig, dass "Tracking Features" eingebaut werden, die neue Adressen authentifizieren und autorisieren, wenn sie dem Netzwerk hinzugefügt werden, Menschen erreichen oder aber Informationen über das Web versenden.

Vor allem westliche Länder wie Großbritannien, Schweden und die USA stehen diesem "neuen chinesischen Modell" des Internets kritisch gegenüber. Positive Reaktionen gab es indessen aus Russland, und auch Saudi-Arabien soll geneigt sein, sich für den Vorschlag auszusprechen. (red)

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