Media Analyse: Österreicher werden immer "zeitungsfauler"

| 11.10.2018

Bundesweit ergibt sich ein Bild der Rückgänge im Print, Erfolge werden vornehmlich bei einzelnen Regional- und Qualitätsmedien verbucht.

Die aktuelle Media-Analyse (MA) für das zweite Halbjahr 2017 und das erste Halbjahr 2018 zeigt Kontinuität – sowohl in der Dominanz der Big Player am heimischen Medienmarkt als auch im geringfügigen Rückgang der Printleserschaft. Für 4,73 Millionen (63,3 Prozent) der Österreicher ab 14 Jahren ist der Griff zur Zeitung derzeit ein tägliches Ritual: das sind 2,2 Prozent weniger als bei den 65,5 Prozent der Vorjahreserhebung.

Mit 2.091.000 Lesern und glatten 28 Prozent Reichweite täglich behauptet sich die Kronen Zeitung, trotz eines signifikanten Verlusts von 2,1 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr, weiter unangefochten als stärkste Marke im Printsektor. Auch sonntags bleibt der Leserkreis von Kronen Zeitung und Krone bunt mit 34,5 Prozent (2.578.000 Leser) dominant. "Zwei Millionen Österreicher lesen täglich die Kronen Zeitung und vertrauen der journalistischen Kompetenz des Marktführers. Diese Leserzahl ist nicht nur ein klares Zeichen der vitalen Markenstärke der Krone, sondern auch ein klares Bekenntnis der Österreicher zu ihrer Lieblingszeitung", kommentiert Krone- Geschäftsführer Gerhard Valeskini die Titelverteidigung des Reichweitenkaisers.

Qualitätszeitungen auf Erfolgskurs

Mit 554.000 Lesern täglich bleibt der Kurier mit 7,4 Prozent Gesamtreichweite nach einem signifikanten Rückgang in der Vorjahresauswertung souverän stabil und verteidigt seinen Platz in den Top 3 der Tagesprintmedien. In den Bundesländern baut der Kurier seine Reichweite noch aus. Sowohl in der Steiermark als auch in Oberösterreich konnte das Qualitätsblatt seine Reichweite um rund einen Prozentpunkt steigern und bleibt auch in Niederösterreich und dem Burgenland gewohnt stark.

Interessant wird, ob das bis dato im Bundesvergleich konstant drittplatzierte Qualitätstagesmedium seine Position auch weiter halten kann, denn der Standard ist auf der Überholspur. Mit einer neuen Gesamtreichweite von 7,0 Prozent und 525.000 Lesern fährt der Standard weiter Kurs auf signifikanten Zuwachs. Mit einem Plus von exakt einem Prozentpunkt gegenüber den 6,0 Prozent vom Vorjahr schlägt das Großformat den erst jüngst aufgestellten Rekord seines höchsten Reichweitenwerts seit Gründung. Damit ist der Standard das einzige Tagesmedium das dem allgemeinen Trend von Rückgang auf Bundesebene trotzen kann – wenn es diesen Erfolgskurs konstant hält, ist ein baldiges Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Kurier in Aussicht.

"Mit sieben Prozent Reichweite in Print und 39 Prozent Reichweite Online lesen mehr Menschen den Standard als je zuvor", sagt Standard-Chefredakteur Martin Kotynek zu LEADERSNET. "Diese Rekordwerte zeigen, dass unser anspruchsvoller Qualitätsjournalismus immer mehr nachgefragt wird. Dafür danken wir unseren Leserinnen und Lesern von Herzen."

Auch die Presse erzielt mit 336.000 täglichen Lesern, also einer Reichweite von 4,5 Prozent, ein besseres Ergebnis als noch im Vorjahr mit 4,1 Prozent. Das Qualitätsmedium steht besonders bei seiner Kernzielgruppe von Akademikern mit 11,3 Prozent und Bestverdienern mit 10,7 Prozent hoch im Kurs. "Die große Loyalität unserer Leser ist der Beweis, dass unsere journalistische Arbeit geschätzt wird und der Qualitätsjournalismus der Presse auf Papier noch immer sehr gefragt ist", kommentiert Rainer Nowak, Chefredakteur, Herausgeber und Geschäftsführer der Presse die Ergebnisse.

Zankende Gratiszeitungen weiterhin stark in Wien

Österreich titelt am Erscheinungstag der MA mit "Österreich ist die neue Nummer 1 in Wien" und bezieht sich mit dieser Aussage auf die jüngst auf 364.939 Zeitungen täglich erhöhte Auflage in der Bundeshauptstadt. Dennoch ist die Tageszeitung Heute mit gesamt 901.000 Lesern täglich und damit 12,1 Prozent Reichweite weiter der klare Reichweitenkönig im Segment der Gratis-Tageszeitungen und Zweitplatzierte in den bundesweiten Top 3. "Die Media-Analyse beweist erneut, dass die Leser qualitativ hochwertig gemachten Boulevard schätzen. Heute ist keine Zeitung für Griesgrame, sondern setzt bewusst auf positive und konstruktive Berichterstattung", stellt Chefredakteur Christian Nusser fest.

Die Regionalmedien Austria (RMA) halten mit wöchentlich 3.610.000 Lesern und einer Reichweite von 48,3 Prozent weiterhin ihre Position an der Spitze der regionalen Wochenzeitungen. "Wir liegen mit unseren Medien in der MA konstant an vorderster Stelle. Keiner unserer Mitbewerber am Printmarkt erreicht annähernd so viele Leserinnen und Leser wie wir", betont RMA-Vorstand Georg Doppelhofer.

Regionale Erfolge mischen die Reichweiten-Melange auf

Während die kollektiven Reichweitenzahlen bundesweit gesehen bis auf einige wenige Ausnahmen rückläufig sind und bestenfalls stagnieren hat der Print in den Regionen mehr Grund zur Freude. Mit einer Reichweite von 64,6 Prozent und mehr als 800.000 Lesern in Oberösterreich bleibt Tips die meistgelesene Regionalzeitung. "Seit wir die Tips auf das Konzept 'total regional' umgestellt haben, eilen wir von Erfolg zu Erfolg", zeigt sich Tips-Geschäftsführer Josef Gruber zufrieden mit den aktuellen Zahlen.

In Tirol jubelt die Tiroler Tageszeitung (TT) über signifikante Leserzuwächse. So stieg in Nordtirol die Reichweite von TT und TT Kompakt im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 49,4 Prozent. Besonders spannend ist die Beliebtheit der Tiroler Tageszeitung bei den jungen Lesern. Im TT-Hauptverbreitungsgebiet Nordtirol nehmen 44,6 Prozent der 14- bis 19-jährigen täglich die Tiroler Tageszeitung oder die TT Kompakt zur Hand.

Digitale Tagesnews "on-the-go" im Trend

Parallel zum steten Rückgang von Print nehmen digitale Tagesmedien stark an Fahrtwind auf. Der Fahrgast-TV-Sender Infoscreen kann mit exakt 800.000 Zusehern und Zuseherinnen pro Tag ein - laut eigenen Aussagen "langfristig gestecktes" - Reichweitenziel früher als erwartet erreichen. "Erstmals den Achter am Beginn unserer Tagesreichweite zu sehen, ist ein wichtiges Signal an unsere Partner, Kunden und Mitarbeiter", freut sich Infoscreen-Geschäftsführer Sascha Berndl über den unerwartet hohen Zuwachs.

Magazine und Illustrierte in stürmischen Gewässern

Die Lage am aktuellen Markt gestaltet sich durch die Bank schwierig für Monatsmagazine, egal ob im Segment der Kauf- oder der Gratistitel. Bei derzeit 22,1 Prozent Reichweite liegt die Red-Bull-Media-Kombi laut aktuellen Erhebungen, was einem Minus von 1,1 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Auch der Markt für Special-Interest- und Kundenmagazine gestaltet sich herausfordernd. Einzig das ÖAMTC-Mitgliedermagazin Auto Touring fällt als auflagenstärkster Titel positiv aus der Reihe und hält bei 28 Prozent Reichweite. Unter den Frauenmagazinen behaupten sich neben der Woman unverändert das Corporate Publishing Produkt der Rewe Group, die maxima, und die Moser Holding sowie die Styria Group mit den Bundesländerinnen mit vergleichsweisen Spitzenwerten.

Dem schroffen Wind erfolgreich entgegen navigiert das Kulinarikblatt Falstaff durch die Magazinwelt. So weist der Falstaff mit 208.000 Lesern im engsten und 861.000 Lesern im weitesten Leserkreis sowie einem Reichweitenzuwachs von 3,7 Prozent zum Vorjahr eine signifikante Zunahme aus. (rb)

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