Enorme Forderungen
Causa "Laura Privatstiftung" bringt Milliarden-Bestreitung

| Tobias Seifried 
| 18.05.2026

Im Insolvenzverfahren fand am Montag die erste Prüfungstagsatzung statt. Während Forderungen in der Höhe von lediglich 32,7 Millionen Euro anerkannt wurden, bleiben astronomische Ansprüche vorerst bestritten.

Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die Laura Privatstiftung im März (LEADERSNET berichtete) hat am 18. Mai 2026 die erste Berichts- und Prüfungstagsatzung am Landesgericht Innsbruck stattgefunden. Dabei zeichnete sich die enorme finanzielle Dimension des Verfahrens ab: Insgesamt haben 32 Gläubiger:innen Forderungen von rund 1,7 Milliarden Euro angemeldet. Davon wurden vorerst aber nur 32,7 Millionen Euro gerichtlich anerkannt, wie der KSV1870 mitteilte.

Den Löwenanteil der angemeldeten Summe machen Gläubigeransprüche in der Höhe von rund 1,67 Milliarden Euro aus, die von der Insolvenzverwaltung unter der Leitung von Stefan Geiler vorerst bestritten wurden. Diese betreffen im Wesentlichen die Mubadala-Gruppe sowie einen Investor aus Luxemburg.

Laut Angaben des Kreditschutzverbandes ist jedoch nicht auszuschließen, dass namhafte Beträge im weiteren Verfahrensverlauf noch als berechtigt anerkannt werden. Für die Ansprüche der Mubadala-Gruppe liegen in der Schweiz bereits rechtskräftige Schiedssprüche vor; bezüglich des Luxemburger Investors ist ein Schiedsverfahren im Gange. Wie aus dem Insolvenzeröffnungsantrag hervorgeht, war die stiftungsinterne Entscheidung, die Schweizer Schiedssprüche nicht weiter zu bekämpfen, der rechtliche Auslöser für den Eintritt der Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung.

Komplexe Beteiligungsstruktur im In- und Ausland

Wie der Insolvenzverwalter in der heutigen Verhandlung berichtete, führt die Stiftung keinen klassischen operativen Unternehmensbetrieb, sondern hält ein weitverzweigtes Netz an mittelbaren und unmittelbaren Beteiligungen im In- und Ausland. Diese Gesellschaften halten wiederum Eigentum an namhaften Immobilienwerten – darunter Liegenschaften in Deutschland (Berlin, Chemnitz, Leipzig), Italien (Gardasee) sowie in Österreich (Tirol, Vorarlberg und der Steiermark).

Da sich die betroffenen Tochter- und Enkelgesellschaften selbst nicht in Insolvenz befinden, müssen sämtliche Schritte der Insolvenzverwaltung eng mit den jeweiligen Organen abgestimmt werden. Besondere zeitliche Priorität genießen laut Verwalterbericht Projekte, bei denen zur Vermeidung von Wertverlusten akuter Handlungsbedarf besteht.

Zeitkritische Bauprojekte und Start-Up-Investments

Als konkretes Beispiel wurde das Projekt "Schokoladenhaus in Berlin" erörtert, wo ein ehemaliges Hotel in Büroflächen umgebaut wird. Um den dortigen hohen Kapitalbedarf zu decken und die Bauführung zu finalisieren, befindet sich die Verwaltung in Abstimmung mit der finanzierenden Pfandgläubigerin, um einen anschließenden strukturierten Abverkauf zu ermöglichen.

Zudem ist die Stiftung über eine Tochtergesellschaft im zweistelligen Millionenbereich als Investorin in Start-ups engagiert. Hier prüft die Insolvenzverwaltung derzeit gemeinsam mit der Geschäftsführung, ob vertraglichen Kapitalnachschusspflichten nachgekommen werden, um einen massiven Wertverlust der bestehenden Investments abzuwenden.

Vermögenswerte in Liechtenstein und Kunstsammlung

Ein weiterer Aspekt der Tagsatzung betrifft dem KSV1870 zufolge liquide Mittel und Wertpapiere im Ausmaß von rund acht Millionen Euro, die auf einem Bankguthaben in Liechtenstein liegen und im Zusammenhang mit strafrechtlichen Ermittlungen gegen René Benko zurückgehalten werden. Die Insolvenzverwaltung bemüht sich derzeit um den Abruf dieser Gelder für die Insolvenzmasse. Parallel dazu wird unter Beiziehung von Expert:innen ein Verwertungskonzept für die vorhandene Kunstsammlung der Privatstiftung ausgearbeitet.

Klassische Lieferanten- und Dienstleisterforderungen spielen in dem Verfahren laut KSV1870-Regionalleiter Klaus Schaller kaum eine Rolle. Neben den internationalen Großinvestoren finden sich im Anmeldeverzeichnis vor allem gesellschaftsrechtlich verbundene Unternehmen aus dem erweiterten Signa-Umfeld.

www.ksv.at

Über die Stiftung

Die Laura Privatstiftung wurde am 22. Dezember 2006 von Ingeborg Benko und René Benko gegründet und Anfang 2007 im Firmenbuch eingetragen. Als Vorstände fungieren (Stand: Februar 2026) Luipold WüsthofThomas Limberger und Christof Jauschnegg, der langjährige Privatpilot von René Benko.

Ursprünglich diente die Stiftung laut Stiftungsurkunde der Versorgung der Begünstigten – der beiden Stifter:innen sowie der Nachkommen von René Benko. Im Laufe der Jahre wurde die Urkunde mehrfach geändert. Unter anderem schied René Benko aus dem Kreis der Begünstigten aus. Zudem wurde der Stiftungszweck erweitert: Den Vorständen wurde erlaubt, unternehmerische Risiken einzugehen und Beteiligungen an Unternehmen zu erwerben.

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Über die Stiftung

Die Laura Privatstiftung wurde am 22. Dezember 2006 von Ingeborg Benko und René Benko gegründet und Anfang 2007 im Firmenbuch eingetragen. Als Vorstände fungieren (Stand: Februar 2026) Luipold WüsthofThomas Limberger und Christof Jauschnegg, der langjährige Privatpilot von René Benko.

Ursprünglich diente die Stiftung laut Stiftungsurkunde der Versorgung der Begünstigten – der beiden Stifter:innen sowie der Nachkommen von René Benko. Im Laufe der Jahre wurde die Urkunde mehrfach geändert. Unter anderem schied René Benko aus dem Kreis der Begünstigten aus. Zudem wurde der Stiftungszweck erweitert: Den Vorständen wurde erlaubt, unternehmerische Risiken einzugehen und Beteiligungen an Unternehmen zu erwerben.

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