ISS-Experiment
Tiroler Forscher verlegen Endometriose-Tests ins Weltall

Ein Mini-Labor des Austrian Drug Screening Institute soll in der Nacht auf Mittwoch mit SpaceX zur ISS starten. Dort werden pflanzenbasierte Wirkstoffe und Gewebeproben zur bislang nicht heilbaren Unterleibserkrankung unter Schwerelosigkeit untersucht.

Endometriose zählt zu den häufigsten chronischen Unterleibserkrankungen und kann das Leben Betroffener massiv beeinträchtigen. Dabei wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter, etwa an Eierstöcken, Eileitern, Blase oder Darm. Die Folge können starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Blutungsstörungen, Verdauungsbeschwerden oder auch unerfüllter Kinderwunsch sein. Manche Patient:innen haben kaum Symptome, andere sind durch die Erkrankung im Alltag stark eingeschränkt. Besonders problematisch ist zudem, dass Endometriose oft lange unerkannt bleibt. Beschwerden werden nicht selten als normale Regelschmerzen eingeordnet, während eine eindeutige Diagnose schwierig sein kann.

Und selbst wenn eine Diagnose erfolgt, bleibt auch die Behandlung für viele Betroffene eine Herausforderung, da die Erkrankung bislang nicht heilbar ist und Therapien vor allem darauf abzielen, Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten einzudämmen. Genau hier will nun ein Tiroler Forschungsprojekt ansetzen: Das Austrian Drug Screening Institute (ADSI), eine Ausgründung der Universität Innsbruck, untersucht derzeit pflanzenbasierte Wirkstoffe gegen die Erkrankung – und verlegt einen Teil der Experimente dafür ins Weltall.

Forschung unter Schwerelosigkeit

In der Nacht auf Mittwoch (13. Mai) soll demnach ein Mini-Labor des Instituts mit einer SpaceX-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS starten. An Bord befinden sich Endometriose-Gewebeproben sowie ausgewählte pflanzliche Wirkstoffextrakte, sogenannte Phytoextrakte. Ziel sei es, deren Wirkung auf Endometriose-Zellsysteme unter Bedingungen zu untersuchen, die den Abläufen im menschlichen Körper näherkommen sollen als klassische Laborexperimente in der Petrischale.

Der Hintergrund: Während viele Zellversuche auf der Erde in zweidimensionalen Strukturen stattfinden, entsteht unter Schwerelosigkeit ein stärker dreidimensionales Umfeld. Dieses soll den Forschenden realistischere Daten darüber liefern, wie Zellen und Wirkstoffe miteinander interagieren. Parallel dazu laufen Vergleichsversuche in den Laboren der Universität Innsbruck sowie an der Universität Neapel Federico II. Erst durch den Abgleich zwischen Weltraum- und Bodenproben soll sichtbar werden, ob und wie sich die Bedingungen im Orbit auf die Ergebnisse auswirken.

Erste Ergebnisse im Herbst erwartet

Das Weltall-Labor selbst ist vergleichsweise klein und erinnert an einen Schuhkarton. Es wurde bereits so vorbereitet, dass Proben, Extrakte und Zellsysteme in kompakter Form zur ISS gebracht werden können. Der Transport erfolgt über internationale Partnerstrukturen, unter anderem über Space Factory in Neapel, die NASA-Infrastruktur sowie SpaceX. Der Start ist jedoch wie bei Raketenmissionen üblich wetter- und technikabhängig und könnte daher kurzfristig verschoben werden.

Die Experimente sollen schließlich mehrere Wochen laufen. Ein Teil der Daten kann direkt zur Erde übertragen werden, die restliche Auswertung erfolgt nach der Rückkehr der Proben. Diese wird nach aktuellem Plan Ende Juni erwartet. Mit ersten belastbaren Erkenntnissen rechnet das Forschungsteam vorraussichtlich im Spätherbst. Sollte der Ansatz die gewünschten Ergebnisse liefern, könnten die Tiroler Forschenden damit einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung eines pflanzenbasierten Therapieansatzes leisten.

www.adsi.ac.at

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