Muss sich "auszahlen"
Anreize für Vollzeitarbeit sollen den Teilzeittrend bremsen

| Larissa Bilovits 
| 19.04.2026

Angesichts der hohen Teilzeitquote in Österreich drängt die Wirtschaftskammer Wien auf Reformen. Walter Ruck bringt dabei unter anderem einen Steuerbonus für Vollzeitkräfte ins Spiel.

Österreich zählt innerhalb der Europäischen Union zu den Ländern mit besonders hoher Teilzeitquote: Mit 31 Prozent liegt die Republik EU-weit auf dem zweiten Platz. Besonders ins Auge fällt dabei Wien, wo etwa rund 20 Prozent der Männer in Teilzeit arbeiten, und damit fast doppelt so viele wie in den übrigen Bundesländern.

Vollzeitarbeit werde "diskriminiert"

"Das wundert mich nicht, denn die Menschen können rechnen", kommentiert Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, die aktuellen Zahlen. Aus seiner Sicht werde Vollzeitarbeit in Österreich "diskriminiert", weil ein höheres Arbeitspensum nicht im selben Maß zu mehr Einkommen führe. Daraus entstehe eine paradoxe Entwicklung, so Ruck: Obwohl die Zahl der Beschäftigten steigt, gehe die tatsächliche Arbeitsleistung zurück - im Schnitt sei die geleistete Wochenarbeitszeit in Österreich mittlerweile auf unter 30 Stunden gesunken. "Es verwundert ebenfalls nicht, dass die Finanzierung staatlicher Leistungen dadurch immer schwieriger wird. Ganz abgesehen davon, dass unsere Unternehmen dringend qualifizierte Arbeitskräfte brauchen, die auch bereit sind, Vollzeit zu arbeiten", so Ruck.

Lösungsansätze der WKW

Dementsprechend sieht der WKW-Präsident nun Handlungsbedarf und fordert Maßnahmen, um Vollzeitarbeit wieder attraktiver zu machen. "Arbeit soll sich nicht nur lohnen, sondern auch auszahlen. Das bedeutet, Vollzeitarbeit muss attraktiver werden – auch finanziell. Sonst bekommen wir ernsthafte, volkswirtschaftliche Probleme." Konkret bringt Ruck einen steuerlichen Absetzbetrag von "mindestens 1.000 Euro pro Jahr" ins Spiel, um den Abstand zwischen Teil- und Vollzeit zumindest etwas zu verringern. "Dadurch bleibt jenen, die mehr Stunden arbeiten und daher im Vergleich zu Teilzeitkräften mehr ins System einzahlen, etwas mehr Netto vom Brutto."

Darüber hinaus plädiert er dafür, einkommensabhängige Unterstützungen wie etwa Energie- oder Wohnbeihilfen zu reformieren. Diese sollten bei steigendem Einkommen nicht sofort wegfallen, sondern schrittweise reduziert werden.

www.wko.at/wien

Tom Bläumauer
Die fairste Lösung wäre, unabhängig von der geleisteten Stundenanzahl, jenen Lohnsteuersatz anzuwenden, der bei Vollzeit (38,5 bis 40 Stunden) zur Anwendung käme. Dann würde jede Arbeitsstunde gleich viel netto bringen.

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