Nüchternheit statt Goldgräberstimmung
Warum die Gehaltserwartungen bei Jobwechseln sinken

Laut dem aktuellen Arbeitsmarktkompass sinkt die Zuversicht bei der Jobsuche, während die Wechselbereitschaft einen Rekordwert erreicht. Zudem trifft neue Nüchternheit auf hohe Ansprüche der Gen Z.

In regelmäßigen Abständen erhebt der "Arbeitsmarkt-Kompass" der Leitbetriebe Austria, durchgeführt von Marketagent, die aktuelle Stimmungslage der österreichischen Arbeitnehmer:innen. Der aktuelle Bericht bezieht sich auf das erste Quartal 2026. Das sind die Ergebnisse.

Die aktuelle Erhebung zeigt eine weitere Zuspitzung der Entwicklungen der vergangenen Monate. Die wahrgenommenen Chancen am Arbeitsmarkt verschlechtern sich erneut deutlich, während gleichzeitig ein neuer Höchstwert bei der Bereitschaft zur beruflichen Veränderung erreicht wird.

Zeitverlauf: Einfachheit einen Job zu finden © Leitbetriebe Austria/Marketagent

Jobchancen auf neuem Tiefstand

Nur noch 44 Prozent der unselbstständig Beschäftigten in Österreich sind der Meinung, dass es derzeit leicht ist, einen neuen Job zu finden. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung im dritten Quartal 2023. Damals lag der Anteil noch bei 68 Prozent. Auch im Vergleich zum vierten Quartal 2025 (51 Prozent) zeigt sich ein deutlicher Rückgang.

Mit dieser Entwicklung gehen angepasste Erwartungen einher. Die durchschnittlich erwartete Gehaltserhöhung bei einem Jobwechsel liegt aktuell bei 22 Prozent. Zu Beginn der Erhebung im Jahr 2023 lag dieser Wert noch bei rund 29 Prozent.

"Wir sehen aktuell eine zunehmende Nüchternheit am Arbeitsmarkt. Die Menschen schätzen ihre Chancen weniger optimistisch ein und rücken gleichzeitig ihre Erwartungen näher an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen heran", sagt Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent.

Zeitverlauf: Wechselbereitschaft im Job © Leitbetriebe Austria/Marketagent

Wechselbereitschaft erreicht neuen Höchstwert

Gleichzeitig steigt die Bereitschaft, den Job zu wechseln. 37,7 Prozent der Beschäftigten weisen aktuell eine hohe oder eher hohe Wechselbereitschaft auf – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung Mitte 2023. Besonders stark ausgeprägt ist dieser Trend bei der Generation Z: Rund 50 Prozent ziehen eine berufliche Veränderung in Betracht.

Klare Erwartungen an Arbeit und Rahmenbedingungen

Die wichtigsten Kriterien bei der Jobsuche bleiben ein faires Gehalt (59,3 Prozent) und ein gutes Arbeitsklima (52,4 Prozent). Zugleich zeigt sich eine hohe Leistungsbereitschaft: 84 Prozent der Befragten akzeptieren Überstunden, sofern diese fair abgegolten werden. Gleichzeitig bleibt der Wunsch nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance bestehen.

Prioritäten bei der Jobsuche © Leitbetriebe Austria/Marketagent

Die Vorstellungen vom Arbeitsalltag bleiben stabil. Die bevorzugte Wochenarbeitszeit liegt bei rund 33 Stunden, der ideale Home-Office-Anteil bei etwa 40 Prozent. Die maximal akzeptierte Pendeldistanz beträgt durchschnittlich rund 23 Kilometer.

Hohe Zufriedenheit trotz eingetrübter Aussichten

Ungeachtet der schlechter eingeschätzten Jobchancen bleibt die Zufriedenheit hoch: 82 Prozent der Beschäftigten sind mit ihrem aktuellen Job sehr zufrieden oder zufrieden.

"Der Arbeitsmarkt steht aktuell in einem Spannungsfeld: Einerseits steigt die Unsicherheit, andererseits bleibt die Zufriedenheit hoch und die Wechselbereitschaft nimmt zu. Für Unternehmen bedeutet das, dass attraktive Rahmenbedingungen allein nicht ausreichen. Sie müssen ernst gemeint, authentisch und fair gelebt werden, um Talente nicht nur zu gewinnen, sondern auch langfristig zu halten", so Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria.

www.marketagent.com

www.leitbetriebe.at

Über die Studie

Auftraggeber: Eigenstudie in Kooperation mit Leitbetriebe Austria

Methode: Mobile Research Tool via Smartphone App

Erhebungszeitraum: 1. Jänner 2026 – 31. März 2026

Sample-Größe: n = 724 Netto-Interviews

Kernzielgruppe: Unselbständig Berufstätige im Alter zwischen 18 und 69 Jahren

Quotensteuerung: Sample repräsentativ für die erwerbstätige Bevölkerung I gewichtet nach Daten des Mikrozensus 2023

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Über die Studie

Auftraggeber: Eigenstudie in Kooperation mit Leitbetriebe Austria

Methode: Mobile Research Tool via Smartphone App

Erhebungszeitraum: 1. Jänner 2026 – 31. März 2026

Sample-Größe: n = 724 Netto-Interviews

Kernzielgruppe: Unselbständig Berufstätige im Alter zwischen 18 und 69 Jahren

Quotensteuerung: Sample repräsentativ für die erwerbstätige Bevölkerung I gewichtet nach Daten des Mikrozensus 2023

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