Falsch entsorgte Lithium-Akkus sind ein wachsendes Problem, weil sie Brände in Entsorgungs- und Recyclinganlagen auslösen und damit Menschen, Infrastruktur und Umwelt gefährden (LEADERSNET berichtete). Vor diesem Hintergrund haben die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), der Österreichische Gemeindebund und die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz die Fortsetzung der Informationskampagne "Her mit Leer" präsentiert. Nach der ersten Kampagnenphase von 2021 bis 2024 soll die Bevölkerung nun erneut bundesweit für die richtige Rückgabe sensibilisiert werden, um Fehlwürfe zu vermeiden, das Brandrisiko zu senken und wertvolle Rohstoffe im Kreislauf zu halten.
Brandgefahr durch falsche Entsorgung
Anlass für die Neuauflage sind unter anderem 36 größere Brandereignisse im Jahr 2025, bei denen unsachgemäß entsorgte Akkus als Ursache vermutet werden. "Lithium-Akkus haben in den letzten Jahren einen technologischen Wandel ermöglicht. Doch diese Fortschrittstechnologie birgt bei unsachgemäßer Entsorgung enorme Gefahren", erklärt Norbert Totschnig, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft. Derartige Brandereignisse wie im vergangenen Jahr würden ein "ernsthaftes Risiko" darstellen, denn: "Sie gefährden Mitarbeitende und die Funktionsfähigkeit unserer systemrelevanten Entsorgungsinfrastruktur und können bis zum Totalausfall ganzer Anlagen führen."
Bereits im September 2025 hatte das Ministerium dazu einen "Runden Tisch Batterien" einberufen. "Ein wesentliches Ergebnis dieser Expertendiskussion war die notwendige Wiederaufnahme der erfolgreichen Öffentlichkeitskampagne unter Federführung der EAK. Mit 'Her mit Leer II' wollen wir die Bevölkerung umfassend aufklären und motivieren. Jeder einzelne Beitrag zählt, um die akute Brandgefahr durch Fehlwürfe, etwa von E-Zigaretten im Restmüll, zu bannen. Mein persönliches Anliegen ist es, das Bewusstsein so zu schärfen, dass Österreich bei der Sammelquote nicht nur zum EU-Schnitt aufschließt, sondern eine Vorreiterrolle in der sicheren Kreislaufwirtschaft einnimmt", so Totschnig weiter.
Auch Johannes Pressl, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes, warnt vor den Folgen falscher Entsorgung: "Ich bitte alle inständig, Batterien gesondert zu entsorgen. Denn fast täglich brennt es irgendwo in einer Müllentsorgungsanlage, weil sich Batterien durch mechanische Beschädigungen im Zuge einer Behandlungsanlage entzündet haben", so Pressl. Mehr als 2.000 Sammelstellen sollen die getrennte Rückgabe erleichtern. "Unser gemeinsames Ziel muss es sein, diese Risiken deutlich zu reduzieren und gleichzeitig für die Wiederverwertung der Rohstoffe zu sorgen. Die Gemeinden stehen bereit, ihren Teil zu leisten. Jetzt gilt es, die Bevölkerung noch stärker mitzunehmen. Denn jede richtig entsorgte Batterie ist ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz und zur Sicherheit in unseren Gemeinden."
EU-Ziele und breite Maßnahmen
Mit der neuen EU-Batterieverordnung steigt auch der Druck auf die Sammelsysteme – sie stelle Österreich vor "ambitionierte Ziele", meint Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der EAK: "Während wir in Österreich mit einer aktuellen Sammelquote von 53 Prozent die derzeitige Marke von 45 Prozent übertreffen, wird diese ab 2028 auf 63 Prozent und bis 2031 sogar auf 73 Prozent angehoben." Diese verbindlichen Vorgaben seien "rechtlich wegweisend", doch die alleinige Anhebung der Quote reiche nicht aus, vielmehr müsse laut Giehser die Berechnungsmethode seitens der EU angepasst werden. "Das drängendste Problem sind die gestiegenen Brandereignisse in Recyclingbetrieben, die durch die falsche Entsorgung von Lithium-Akkus im Restmüll und anderen Sammelfraktionen entstehen – eine Gefahr für Mensch und Umwelt, die wir nur durch ein konsequentes Umdenken in den Griff bekommen", so die EAK-Geschäftsführerin.
Auch der stationäre Handel sieht sich hier in einer zentralen Rolle. "Als flächendeckende Nahversorger und zentrale 'Touchpoints' für die Bevölkerung sehen wir uns im Elektro- und Einrichtungsfachhandel als unverzichtbare Partner für die sichere Rücknahme von Batterien", betont Robert Pfarrwaller, Obmann des entsprechenden Bundesgremiums in der WKO. "Wir beobachten die Zunahme von Lithium-Akkus mit großer Sorge, da falsch entsorgte Batterien im Restmüll zur gefährlichen 'tickenden Zeitbomben' für Entsorgungsbetriebe werden. Um schwere Brände zu verhindern, leistet der stationäre Handel eine enorme, oft risikobehaftete Zusatzleistung: Wir nehmen als kostenloses Service auch Altbatterien aus Onlinekäufen in Drittstaaten an und sorgen für deren hochprofessionelle Entsorgung. Mit der Unterstützung von 'Her mit Leer II' appellieren wir eindringlich an die Konsument:innen, Akkus nicht zu Hause zu lagern oder im Hausmüll zu entsorgen, sondern die unkomplizierte Rückgabe direkt beim nächsten Einkauf im Fachhandel zu nutzen. Nur durch diese gemeinsame Kraftanstrengung sichern wir wertvolle Ressourcen und schützen unsere Infrastruktur."
"Hermit" und "Li-Zifer" als Kampagnengesichter
In der neuen Phase setzt die Kampagne erneut auf die Figur "Hermit", die nun durch das Alter Ego "Li-Zifer" ergänzt wird. Das Duo soll den Unterschied zwischen sicherem Alltagsnutzen und gefährlicher Fehlentsorgung plakativ sichtbar machen. Begleitet wird der Auftritt vom Slogan "Sei kein Zündler" und der Botschaft: "Von Menschen falsch entsorgte Batterien verursachen Brände und schaden Umwelt und Abfallwirtschaft."
"Information allein reicht nicht mehr aus – wir müssen eine Verhaltensveränderung herbeiführen. Genau hier setzt 'Her mit Leer II' an. Wir wollen die Menschen direkt in ihrem Alltag erreichen. Nur wenn wir die Rückgabe und die Entsorgung so selbstverständlich und einfach machen wie den Neukauf, können wir die Brandgefahr minimieren und wertvolle Rohstoffe dauerhaft im Kreislauf halten", erklärt Giehser.
Die Kampagne läuft seit April 2026 und ist auf drei Jahre angelegt. Geplant sind Hörfunk-Präsenz in nationalen und digitalen Radios, TV-Spots, digitales Bewegtbild, Out-of-Home- und Verkehrsmittelwerbung sowie begleitende Social-Media- und Online-Maßnahmen. Ergänzend verweist die Initiative auf die Plattform www.hermitleer.at, auf der Konsument:innen in sieben Sprachen Informationen zur Handhabung, Entsorgung und Sammelstellen finden.
Eindrücke von der Pressekonferenz finden Sie in unserer Galerie.
www.eak-austria.at
www.bmluk.gv.at
www.gemeindebund.at
www.wko.at
www.hermitleer.at
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