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AMA-Milchforum 2026: Zwischen Preis, Tierwohl und Zukunftsfragen

| Wolfgang Zechner 
| 28.05.2026

Die österreichische Milchwirtschaft diskutierte beim AMA-Milchforum in Wien über Marktmechanismen, Konsumtrends und den Wert von Milch jenseits des Preises.

Die heimische Milchwirtschaft schwebte heuer nicht auf Wolke sieben, sondern auf Wolke 19. Dort, hoch über der Donau-City im Wiener Ares Tower, traf sich die Branche auch in diesem Jahr zum AMA-Milchforum 2026. Der Titel der Veranstaltung war programmatisch gewählt: "Milch und das Wertspiel: Was bleibt neben dem Preis?" Bereits beim Get-together wurde klar, dass die Branche derzeit zwischen wirtschaftlichem Druck, steigenden gesellschaftlichen Erwartungen und neuen Marktchancen balanciert.

AMA-Marketing-Geschäftsführerin Christina Mutenthaler-Sipek eröffnete gemeinsam mit Lorenz Mayr, Aufsichtsratsvorsitzender der AMA-Marketing, Helmut Petschar, Präsident des Milchverbandes Österreich, und Moderatorin Sabine Kronberger die Veranstaltung. Inhaltlich stand zunächst die Frage im Zentrum, wie sich der Wert von Milch überhaupt definiert: über den Preis, über Herkunft, über Tierwohl oder zunehmend über emotionale und gesellschaftliche Faktoren.

Preisbildung zwischen Markt und Emotion

Den Auftakt machte Tabea Höllger von der deutschen Unternehmensberatung BrandTrust mit einem Vortrag über die Mechanismen hinter der Preisbildung von Milch. Im Fokus standen dabei weniger reine Produktionskosten als vielmehr Wahrnehmung, Markenführung und die Frage, wie Konsument:innen Wert definieren. Anschließend beleuchtete Hans-Jürgen Seufferlein vom Verband der Milcherzeuger Bayern die Chancen und Herausforderungen der europäischen Milchwirtschaft.

Dass Milchpreise längst nicht mehr ausschließlich am physischen Markt entstehen, zeigte Florian Hildebrand vom Finanzdienstleiter StoneX. Er erklärte die zunehmende Bedeutung von Angebot, Nachfrage und internationalen Terminmärkten für die Preisentwicklung. Gerade globale Unsicherheiten, volatile Rohstoffmärkte und geopolitische Spannungen hätten unmittelbaren Einfluss auf die heimische Milchwirtschaft.

Am Nachmittag verlagerte sich der Fokus stärker auf Konsument:innen und gesellschaftliche Entwicklungen. Market-Geschäftsführer Werner Beutelmeyer sprach von einem "Ausnahmezustand" in der Konsumstimmung rund um Milchprodukte. Themen wie Gesundheit, Nachhaltigkeit, Regionalität und Tierwohl würden Kaufentscheidungen immer stärker beeinflussen.

Tierwohl wird zum Verkaufsargument

Wie sehr Tierwohl mittlerweile zum zentralen Differenzierungsmerkmal geworden ist, zeigte auch eine aktuelle Pressemitteilung der AMA-Marketing anlässlich des Weltmilchtags am 1. Juni. Zwei Jahre nach Einführung des AMA-Gütesiegel-Moduls "Tierhaltung plus" ziehen AMA-Marketing und Milchwirtschaft eine positive Bilanz: Bereits 81,5 Prozent der konventionellen Milchviehbetriebe nehmen am Programm teil. Auf 90 Prozent aller österreichischen konventionellen Milchpackungen und Milchprodukte sei das Siegel mittlerweile sichtbar.

"Wer zu Milch, Käse oder Joghurt mit dem Tierhaltung-plus-Siegel greift, kann sich sicher sein, sich höhere Standards in den Einkaufswagen zu legen", erklärte Christina Mutenthaler-Sipek. Verbesserte Tierhaltung, strengere Kontrollen und klare Fütterungsvorgaben würden für mehr Transparenz sorgen. Auch Helmut Petschar, Präsident des Milchverbandes Österreich, sieht darin einen wichtigen strategischen Schritt für die gesamte Wertschöpfungskette. Das Modul bringe Planungssicherheit für Molkereien und eröffnet zusätzliche Chancen im Export, insbesondere nach Deutschland.

Proteinboom und neue Konsumgewohnheiten

Auch der Blick auf den Markt zeigt Bewegung. Laut RollAMA-Haushaltspanel gaben österreichische Haushalte 2025 durchschnittlich rund 53 Euro pro Monat für Milchprodukte aus, der größte Anteil entfiel dabei auf Käse. Besonders gefragt seien proteinreiche Produkte wie Skyr, Cottage Cheese oder Naturjoghurt. Gleichzeitig steige die Nachfrage nach frischen Milchvarianten und Butter, während haltbare Milch und Margarine an Bedeutung verlieren.

Zum Abschluss des AMA-Milchforums diskutierten Branchenvertreter:innen über die Frage, welche Werte für die nächste Generation zählen. Klar wurde dabei vor allem eines: Milch bleibt ein emotionales Produkt. Doch die Branche muss ihren Mehrwert künftig noch stärker erklären – zwischen Preis, Herkunft, Tierwohl und gesellschaftlichen Erwartungen. Genau darum ging es auf Wolke 19.

KEYaccount/LEADERSNET war auch mit einem Fotografen vor Ort. Alle Fotos finden Sie hier

www.amainfo.at

www.milch.or.at

www.brand-trust.de

www.stonex.com

www.market.at

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