Nach den Rekordpleitenjahren der vergangenen Jahre (LEADERSNET berichtete hier und hier) bleibt die wirtschaftliche Situation auch zu Beginn des Jahres 2026 angespannt. Die AKV-Insolvenzstatistik für das erste Quartal 2026 zeigt, dass sich die Unsicherheiten weiterhin deutlich in den Unternehmensinsolvenzzahlen widerspiegeln. Die wirtschaftliche Erholung wird als langsam und fragil beschrieben. Geopolitische Konflikte sowie steigende Energiepreise wirken sich negativ auf Investitionen und Nachfrage aus. Gleichzeitig bleibt das Konsumverhalten durch die Inflation gedämpft.
Rückgang bei Eröffnungen, Anstieg bei Gesamtinsolvenzen
Im ersten Quartal 2026 wurden 1.045 Firmeninsolvenzen eröffnet, was einem Rückgang von 7,77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Gleichzeitig ist jedoch eine gegenteilige Entwicklung bei den Verfahrensabweisungen festzustellen. Diese stiegen um 26,56 Prozent auf 891 Fälle, da zahlreiche Insolvenzanträge mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen wurden. Insgesamt ergibt sich daraus ein Anstieg der Gesamtinsolvenzen auf 1.936 Verfahren, was einem Plus von 5,39 Prozent entspricht.
Firmeninsolvenzeröffnungen im Monatsdurchschnitt © AKV
Die monatliche Entwicklung zeigt ein uneinheitliches Bild. Während Jänner und Februar noch auf eine gewisse Stabilisierung hindeuten, lässt der März mit einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Verfahren Zweifel an einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung aufkommen.
Regionale Unterschiede
Auch regional zeigt sich ein uneinheitliches Bild. In Wien wurden im ersten Quartal 2026 insgesamt 355 Firmeninsolvenzen eröffnet, nach 403 im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das entspricht einem Rückgang um 11,91 Prozent. In Niederösterreich sank die Zahl von 216 auf 175 Verfahren, was einem Minus von 18,98 Prozent entspricht. Oberösterreich verzeichnete 119 eröffnete Firmeninsolvenzen nach 133 im Vorjahr und damit einen Rückgang um 10,53 Prozent. In Salzburg ging die Zahl von 68 auf 53 Verfahren zurück, was ein Minus von 22,06 Prozent bedeutet. Besonders deutlich fiel der Rückgang in Tirol aus, wo 49 Firmeninsolvenzen eröffnet wurden, nach 69 im ersten Quartal 2025. Das entspricht einem Minus von 28,99 Prozent.
Regionale Unterschiede – Eröffnete Firmeninsolvenzen im ersten Quartal 2026 © AKV
Gegen den Bundestrend entwickelten sich mehrere Bundesländer mit steigenden Zahlen. In Vorarlberg nahm die Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen von 27 auf 42 zu, was einem Anstieg um 55,56 Prozent entspricht. Im Burgenland stieg die Zahl von 34 auf 39 Verfahren und damit um 14,71 Prozent. In der Steiermark wurden 149 Firmeninsolvenzen eröffnet, nach 126 im Vorjahr, was einem Plus von 18,25 Prozent entspricht. Auch Kärnten verzeichnete einen Anstieg von 57 auf 64 Verfahren und damit ein Plus von 12,28 Prozent.
Betroffene Arbeitsplätze
Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze bleibt hoch. Im ersten Quartal 2026 waren 4.252 Dienstnehmer:innen von Firmenpleiten betroffen, nach 4.394 im Vorjahr.
Top 5 Insolvenzen Österreich nach Dienstnehmer:innen © AKV
Zu den größten Fällen nach Beschäftigten zählen unter anderem Wollsdorf Leder Schmidt & Co. Ges.m.b.H. (361 Dienstnehmer:innen), Eitek GmbH (319 Dienstnehmer:innen) sowie Nothegger Transport Logistik GmbH (191 Dienstnehmer:innen). Die Top 5 Insolvenzen in Österreich nach Dienstnehmer:innen werden noch durch die Mediashop GmbH (163 Dienstnehmer:innen) und die ADA Möbelwerke Holding AG (96 Dienstnehmer:innen) ergänzt.
Größte Firmenpleiten nach Passiva
Unter den größten Firmenpleiten nach Verbindlichkeiten im ersten Quartal 2026 nimmt die Laura Privatstiftung mit Passiva in Höhe von 1.071.650.000 Euro die mit Abstand größte Position ein (LEADERSNET berichtete). Weitere große Insolvenzfälle sind die LL-resources GmbH mit Verbindlichkeiten von 130.752.000 Euro sowie die Domaines Kilger GmbH & Co KG mit 81.530.000 Euro. Die Mediashop GmbH weist Passiva von 45.000.000 Euro auf.
Ebenfalls unter den größten Fällen finden sich die Wollsdorf International GmbH mit 32.000.000 Euro sowie ein Einzelunternehmen mit Verbindlichkeiten von 30.000.000 Euro. Die Da Vinci Waldgarten GmbH folgt mit 26.000.000 Euro.
Top 10 Insolvenzen Österreich nach Passiva © AKV
Weitere bedeutende Insolvenzfälle betreffen die Wollsdorf Leder Schmidt & Co. Ges.m.b.H. mit 25.652.000 Euro, die NeFa Beteiligung und Verwaltung GmbH mit 25.403.000 Euro sowie die Eitek GmbH mit 20.801.000 Euro.
Rückgang der Gesamtverbindlichkeiten
Die Gesamtpassiva der eröffneten Firmeninsolvenzen beliefen sich im ersten Quartal 2026 auf rund 2,3 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2025 waren es rund 3,57 Milliarden Euro.
Branchen im Fokus
Die Insolvenzen verteilen sich auf mehrere Branchen. Die meisten Fälle entfallen auf die Baubranche mit 261 Insolvenzen, gefolgt vom Handel mit 250 Fällen und der Gastronomie mit 180 Fällen. In der Bauwirtschaft führen weiterhin hohe Finanzierungskosten und restriktive Kreditvergaben zu zahlreichen Verfahren, insbesondere im Wohnbau. Insgesamt waren 565 Beschäftigte betroffen.
Im Handel belasten vor allem der internationale Onlinewettbewerb sowie hohe Kosten die Unternehmen. Von den 250 betroffenen Unternehmen wurde bei 173 ein Insolvenzverfahren eröffnet, 653 Dienstnehmer:innen waren betroffen. Auch die Gastronomie steht weiterhin unter Druck. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und sinkende reale Umsätze erschweren die wirtschaftliche Situation. Insgesamt wurden 180 Insolvenzen verzeichnet, 512 Beschäftigte waren betroffen.
Produktionsbetriebe zunehmend betroffen
Neben den klassischen Krisensektoren geraten zunehmend auch Produktionsunternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Besonders im Automobilzulieferbereich kommt es vermehrt zu Firmenpleiten. Hohe Energie- und Lohnkosten sowie strukturelle Veränderungen führen dazu, dass Verfahren häufig mit Produktionsverlagerungen ins Ausland verbunden sind.
Ausblick
Der AKV rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit rund 4.100 eröffneten Firmeninsolvenzen. Gleichzeitig könnten steigende Abweisungen dazu führen, dass die Gesamtzahl der Insolvenzen weiter zunimmt.
www.akv.at
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