Fotos der Präsentation
Neue Studie entschlüsselt das Medienverhalten der Jungen

| Janet Teplik 
| 12.04.2026

Eine neue Studie der Wiener Zeitung zeigt, dass die Generation Z kritischer gegenüber Medien ist als gedacht. Zwischen TikTok-Trends und dem Wunsch nach verifizierten Fakten klafft jedoch eine Lücke, die den Journalismus vor völlig neue Herausforderungen stellt.

Die Wiener Zeitung veröffentlichte kürzlich eine umfassende Studie ihres "Kontext Clubs" unter dem Titel "Knapp daneben ist auch vorbei", die sich intensiv mit dem Medienkonsum und der journalistischen Kompetenz der Generation Z in Österreich auseinandersetzt. 

Dafür wurden in Summe 58 Interviews geführt – 27 mit jungen Erwachsenen, 18 mit österreichischen Medienschaffenden und 13 mit internationalen Expert:innen. Diese wurden schließlich mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Das Ergebnis ist eine Diagnose, die der heimischen Medienlandschaft zu denken geben sollte. Denn diese zeichnet das Bild einer Generation, die zwar informationshungrig ist, sich jedoch von den klassischen Angeboten der Verlage zunehmend entfremdet fühlt. 

Zwischen Redaktion und Lebensrealität

Eines der zentralen Ergebnisse der Studie ist die wachsende Kluft zwischen dem, was Redaktionen als relevant erachten, und dem, was junge Menschen tatsächlich bewegt. So haben viele Befragte angegeben, dass traditionelle Medienhäuser oft Themen so aufbereiten, dass sie keinen direkten Bezug zu ihrem Alltag haben. Diese gefühlte Distanz endet darin, dass journalistische Marken für die Gen Z zunehmend an Identität verlieren.

Besonders auffällig war zudem, dass der Trend Richtung "unbeschwerten" Konsum geht. Nachrichten werden laut Studie oft als stressinduzierend oder gar deprimierend wahrgenommen. Die Folgen: eine bewusste Nachrichtenvermeidung, um die eigene mentale Gesundheit zu schützen. Die Konsequenz verlangt somit nach neuen Formaten, die Sachverhalte zwar faktenbasiert, dennoch weniger "alarmistisch" und stattdessen lösungsorientierter aufbereiten. 

Darüber hinaus lehnt etwa die Hälfte der Befragten es ab, für Nachrichten zu zahlen. Begründet wird diese Haltung damit, dass aus der Sicht der Jungen Informationen auch kostenlos zur Verfügung stünden. Die andere Hälfte wiederum zeigte sich zwar zahlungsbereit, schließt aber dennoch aufgrund kostenloser Alternativen, Zeitmangels oder mangelnder Attraktivität klassischer Angebote kaum Abos ab. 

Wahrheit als Nadel im Heuhaufen

Zudem habe sich gezeigt, dass die Sehnsucht nach Wahrheit im Informationsdschungel stark ist. Trotz der teilweisen Abkehr von klassischen Medienhäusern gibt es somit einen Hoffnungsschimmer für den Qualitätsjournalismus. Deutlich wurde aber auch, dass der Wunsch nach kurzen Nachrichtenbeiträgen für einen schnellen Überblick oder zur Ablenkung ebenso vorhanden ist, wie auch jener nach einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit bestimmten Themen. Clickbaiting ist hingegen ungern gesehen. 

Die Studie der Wiener Zeitung kann als Weckruf verstanden werden. Sie macht deutlich, dass es nicht reicht, Inhalte einfach auf Social Media zu spiegeln. Das heißt, wer eine junge Zielgruppe langfristig binden will, muss Journalismus neu denken und diesen weniger distanziert und emotionaler in der Ansprache machen, sowie mit Modellen ausstatten, die ohne starre Bezahlschranke auskommen.

Einen Eindruck von der Studienpräsentation können Sie sich mittels Galerie machen. 

www.wienerzeitung.at

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