Das Ende der Fastenzeit steht kurz bevor. Wahrscheinlich werden viele Menschen die Enthaltsamkeit der vergangenen Wochen dann nicht vegetarisch zelebrieren, sondern das Osterfest unter anderem wieder mit Fleischprodukten begehen. Dementsprechend widmet sich KEYaccount in dieser Ausgabe den hiesigen zuständigen Produzenten.
Radatz spielte seine Stärken aus
Eines dieser Schwergewichte – insbesondere in der Hauptstadt – ist Radatz. 2025 war es hier wieder sehr arbeitsintensiv, verrät Eigentümer Franz Radatz: "Das letzte Jahr war eine Herausforderung, in der wir alle Stärken eines jahrzehntelang erfahrenen Familienunternehmens ausspielen mussten, um dieses positiv abzuschließen." So konnte man zum Beispiel in Wien-Liesing im Großhandelsbereich den Umsatz über dem gewünschten Niveau von 200 Millionen Euro halten. "Angesichts der Rahmenbedingungen – vom intensiven Wettbewerb am Heimmarkt bis hin zu Kostenunterschieden im internationalen Vergleich – ist dies für uns ein zufriedenstellendes Ergebnis." Für 2026 wolle man dieses Umsatzziel erneut erreichen. Der Exportanteil liege derzeit bei rund zehn Prozent und konnte leicht gesteigert werden. "Gerade vor dem Hintergrund unterschiedlicher Lohnstückkosten werten wir das als respektable Leistung."
2026 werde es aber nicht einfacher: "Wir erwarten kein einfaches Jahr, sehen aber klare Chancen in unseren Kernkompetenzen: österreichische Wurst- und Fleischspezialitäten, hohe handwerkliche Qualität und starke Marken." Wachstumspotenzial sieht Radatz vornehmlich in ausgewählten Kategorien: Fertiggerichte, klassische Salamiprodukte und Grill-Produkte. Aber vor allem die neusten Verschiebungen der Weltlage stellen Radatz vor neue Herausforderungen: “Die aktuelle geopolitische Lage verschärft die Rahmenbedingungen noch einmal deutlich.” Der letzte Preisschock bei Düngemitteln infolge des Iran-Krieges und der Schließung der Straße von Hormus treffe landwirtschaftliche Partnerbetriebe. Die Blockade treibe somit die Preise massiv nach oben. "Für uns als Verarbeiter bedeutet dies: Wir sehen uns mittelbar mit steigenden Rohstoffkosten konfrontiert. Höhere Düngemittel- und Energiekosten verteuern die landwirtschaftliche Produktion, wirken sich auf Getreide- und Futtermittelpreise aus und schlagen letztlich auf die Fleischproduktion durch."
Ausschließlich als Folge des Ölpreisschocks seien die Transportkosten allein innerhalb eines Monats im zweistelligen Prozentbereich gestiegen. "Parallel dazu treffen uns die Steigerungen im Energiebereich hart und unvermittelt. Dazu können auf der Beschaffungsseite wesentliche Faktoren – wie Rohstoffpreise, Düngemittelkosten und internationale Marktentwicklungen – nur sehr begrenzt beeinflusst werden. Dieses Spannungsfeld zwischen Einkaufs- und Absatzseite erhöht den Druck auf Margen, Planungssicherheit und Investitionsentscheidungen für die gesamte Branche."
Hinzu kommen der anhaltende Fachkräftemangel, steigende regulatorische Anforderungen sowie der eigene Anspruch, gleichzeitig preislich wettbewerbsfähig und qualitativ führend zu bleiben. Auf der Rohstoffseite habe sich die Lage aber bei Schweinefleisch aktuell zumindest stabilisiert, während bei Rind- und Kalbfleisch weiterhin Rekordpreise vorherrschen.
Verbesserung statt Verzicht
"Unser Ziel ist es, den massiven Kostenanstieg nicht einfach eins zu eins weiterzugeben, sondern über Effizienzsteigerungen und Strukturverbesserungen abzufedern – ohne Abstriche bei Produktsicherheit, Qualität und Verfügbarkeit", erklärt Radatz. Zumindest die allgemeine Konsumzurückhaltung schlage nicht vollständig zu Buche. Sie sei spürbar, zeige sich aber in dieser Branche nur differenziert: "Wurst- und Fleischspezialitäten gehören für viele Menschen in Österreich nach wie vor zu den regelmäßigen Genuss- und Alltagsprodukten. Solange es in unserer Warengruppe keine zusätzliche Teuerungswelle gibt, ist die breite Diskussion um Teuerung zwar allgegenwärtig, hat aber bislang nicht zu einem massiven Rückgang des Konsums unserer Kernprodukte geführt."
Nachholbedarf sieht Radatz daher nicht in der Breite des Sortiments, sondern eher in der kontinuierlichen Anpassung an geänderte Konsumgewohnheiten, zum Beispiel im Blick auf Portionsgrößen, Convenience und spezifische Ernährung. "Sehr gut entwickeln sich insbesondere jene Bereiche, in denen wir unsere traditionelle Kompetenz mit aktuellen Konsumtrends verbinden können." So werden vor allem bewährte Klassiker weiterhin stark nachgefragt: Käsekrainer, Beinschinken, Salami und Cabanossi – zudem typische Artikel für Grillfeste und Familienfeiern.
Die weiterhin eher traditionelle Ernährungsweise der Österreicher:innen zeigt sich somit hier ebenso: "Der Trend zum fleischreduzierten Konsum ist auch für uns ein Thema, wird jedoch in Österreich eher differenziert gelebt. Viele Konsument:innen entscheiden sich nicht für einen völligen Verzicht, sondern für einen bewussteren, qualitativ hochwertigen Fleischkonsum. Für uns bedeutet das unter anderem eine klare Fokussierung auf Qualität, Herkunft und handwerkliche Verarbeitung. Komplett fleischfreie Alternativen stehen nicht im Mittelpunkt unserer Marke, wohl aber ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Rohstoff Fleisch."
Marcher Fleischwerke erweitert Kapazitäten
Auch die Marcher Fleischwerke können nicht beobachten, dass hierzulande der Bevölkerung der Appetit auf Fleisch vergangen ist. Geschäftsführer Norbert Marcher konstatiert: "Die Fleischbranche ist per se eine sehr stabile Branche, zwar mit geringen Margen, aber mehr oder weniger gleichbleibenden Absätzen – zuletzt ist der Fleischkonsum sogar leicht gestiegen. Fleischersatz hat tatsächlich seinen Peak erreicht, hier erwarten wir keine Steigerungen mehr." Marcher erklärt das damit, dass es aktuell wieder einen Trend in Richtung "echte" Proteinquellen gebe. "Das ist aus unserer Sicht eine sinnvolle Entwicklung. Es gibt keine Lebensmittel, die Eiweiß dem menschlichen Körper direkter und auch gesünder zuführen können."
Unternehmen stemmt sich gegen Verwerfungen
Die allgemeine Krise sei aber spürbar: "Natürlich ist die Fleischbranche wie jede andere von politischen Verwerfungen betroffen – höhere Treibstoff- und Energiepreise oder höhere Düngerpreise belasten die Produktionskosten." Zuletzt hat man sich aber offenbar beharrlich gegen die Lage gestemmt: An den insgesamt elf Firmenstandorten wurde insgesamt ein Umsatz von rund 700 Millionen Euro erwirtschaftet. Mit einem Exportumsatz von über 50 Prozent sei dabei das Auslandsgeschäft ein wesentlicher Geschäftsbereich. "Hier haben wir Möglichkeiten, Teilstücke zu verkaufen, die im Inland nur sehr schwer oder gar nicht verwertbar wären." Der Erfolg rührt wohl auch daher, dass Marcher in den vergangenen Jahren intensiv in Kapazitätserweiterungen investiert hat, die inzwischen für die nächste Zeit abgeschlossen wurden. Neben dem Ausbau des Salamiwerks der Marke Loidl im steirischen St. Stefan im Rosental und des Hauptquartiers in Villach, wurde in Leoben ein Standort zum Tierfutterwerk umgerüstet und in Adlwang ein kleiner Schlachthof erworben. "Dadurch können wir Transportwege zusätzlich verkürzen und unsere Zerlegebetriebe noch besser auslasten. Unsere Erweiterungen oder Zukäufe müssen sich immer synergetisch in das Gesamtgefüge eingliedern."
Angesprochen auf die "Dauerbrenner" nennt Marcher Faschiertes: "Das erklären wir uns dadurch, dass Faschiertes sehr einfach zuzubereiten, schnell durchgegart und in unserer sowie in der sehr beliebten mediterranen Küche in zahlreichen Speisen zu finden ist." Und auch sonst haben es Marchers Konsument:innen gerne eher bequem: "Im Wurstbereich stellen wir eine erhöhte Nachfrage nach Snackartikeln aller Art fest, Salamisticks, Mini-Cabanossi, Salami-Pralinen sind wirklich boomende Artikel. Im Convenience-Bereich freuen wir uns über die stetige Nachfrage nach Chickennuggets, Fleischlaibchen und Burgerpattys."
Tiroler Kernkompetenz Speck
Bei Handl Tyrol trifft man ebenfalls auf einen gut gelaunten Geschäftsleiter: "Handl Tyrol blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück. Die Gruppe erzielte einen Umsatz von 217,8 Millionen Euro und konnte damit gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Millionen Euro zulegen", bilanziert Johannes Wechner, Geschäftsleiter für Vertrieb und Marketing bei Handl Tyrol. Die positive Entwicklung spiegle sich auch in einer gewachsenen Zahl von Mitarbeiter:innen wider: "Gerade in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld ist das ein klares Signal für Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und eine konsequente strategische Ausrichtung. Entscheidend dafür sind unsere starke Marke, die hohe Qualität unserer Produkte und das anhaltende Vertrauen der Konsument:innen."
Die herrschende Krise sei aber auch am Unternehmenssitz in Pians nicht spurlos vorübergegangen. "Wie viele Unternehmen in der Branche stehen wir unter hohem Kostendruck, während die Margen gleichzeitig sinken. Besonders herausfordernd ist, dass Kostensteigerungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette auftreten und sich nur teilweise weitergeben lassen. Umso wichtiger sind für uns Effizienz, vorausschauende Planung und ein klarer Fokus auf jene Bereiche, in denen wir mit Qualität, Marke und Innovationskraft nachhaltig bestehen können."
Somit erwartet er 2026 ein anspruchsvolles Jahr mit schwierigen Rahmenbedingungen: "Steigende Rohstoffpreise, volatile Verfügbarkeiten und zusätzliche Belastungen bei den Produktnebenkosten sorgen weiterhin für großen Druck. Dazu kommen geopolitische Entwicklungen rund um den Krieg im Iran, die sich unmittelbar auf Kostenstrukturen auswirken. Allein in diesem Bereich rechnen wir mit erheblichen Mehrkosten."
Starke Marke gegen Konsumrückhaltung
Die allgemeine Konsumzurückhaltung bemerke man ebenfalls. Wechner hält jedoch ebenso eine starke Marke für ein probates Mittel dagegen: "Wir sehen, dass viele Konsument:innen gerade in unsicheren Zeiten bewusst auf Qualität, Verlässlichkeit und Authentizität setzen. Genau dafür steht die Marke Handl Tyrol. Unsere Erfahrung zeigt, dass starke Marken mit klarer Herkunft, nachvollziehbarer Qualität und hoher Glaubwürdigkeit auch in schwierigen Marktphasen einen wichtigen Vertrauensvorsprung haben." So sieht Wechner trotz einer schwierigen Gesamtsituation für 2026 genauso Chancen "vor allem durch Innovationen und eine starke Markenarbeit".
In der Kernkompetenz Speck sei man bereits sehr gut aufgestellt, mit der eigenen Veggie-Linie konnten zuletzt neue Konsument:innengruppen gewonnen werden und neben neuen markeneignen Produkten gibt es inzwischen zudem eine Kooperation mit dem Snack-Produzenten Kelly. "Unser Ziel ist es, auch 2026 durch Innovationskraft, Qualität und eine klare Markenpositionierung Wachstumspotenziale zu nutzen." Jedoch sei das inzwischen gar nicht mehr so einfach: "Der Markt verändert sich laufend und Innovationen müssen heute sehr präzise an Konsumentenbedürfnissen ausgerichtet sein. Wir investieren stark in Produktentwicklung und Innovation, sehen aber gleichzeitig, dass es immer schwieriger wird, echte Break-through-Innovationen zu schaffen. Genau darin liegt für die gesamte Branche eine zentrale Zukunftsaufgabe."
www.radatz.at
www.marcher.at
www.handltyrol.at
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