Ostern gilt seit jeher als Fest des Neubeginns, das tief in religiösen Traditionen verwurzelt ist. Doch während der Kern des Festes, sprich Jesus' Auferstehung und das Erwachen der Natur im Frühling, beständig bleibt, hat sich die Art des Feierns über die Jahrzehnte stark gewandelt. Was früher als spirituelles Familienfest galt, ist heute untrennbar mit liebgewonnenen Bräuchen wie etwa der Suche nach bunten Eiern und süßen Aufmerksamkeiten verbunden.
Doch mit dem Klima- und Gesellschaftswandel wächst auch der Anspruch an einen verantwortungsvollen Genuss. Immer mehr Menschen hinterfragen inzwischen, unter welchen Bedingungen die süßen Präsente in den Osterkörben entstehen. Dass dieser Wunsch nach Transparenz gehört wird und Wirkung zeigt, belegt eine aktuelle Untersuchung, die dem beliebtesten Botschafter des Festes, dem Schoko-Osterhasen, ein bemerkenswertes Zeugnis im Hinblick auf Fairness ausstellt.
87 Prozent mit mindestens einem Gütesiegel ausgestattet
Laut dem Osterhasen-Check der Menschenrechtsorganisation Südwind und der Umweltorganisation Global 2000 tragen 87 Prozent der 30 getesteten Schokohasen* mindestens ein Gütesiegel – was einen neuen Rekord darstellt. Neu dabei in der Bewertung ist die Chocolate-Scorecard. Dabei handelt es sich um eine unabhängige Initiative, die weltweit die Nachhaltigkeit und ethischen Standards von Schokoladenhersteller:innen und Einzelhändler:innen bewertet. Ziel ist es, Transparenz in der Kakaolieferkette zu schaffen und Unternehmen zu einem verantwortungsvollen Handeln zu bewegen. Was hinsichtlich der Schokohasen, bei denen mit konzerneigenen Siegeln gearbeitet wird, als zusätzliche Orientierungshilfe dient.
Wer den Test bestand
Geschichte wiederholt sich – und scheinbar auch die Erfolgsgeschichte, denn die fünf Testsieger, die sich bereits in den letzten Jahren als Vorreiter für soziale und ökologische Standards etabliert haben, gewinnen in diesem Jahr erneut das Rennen:
- der "EZA Schokohase" aus den Weltläden
- der "Billa Bio Schokohase"
- der vegane "Billa Vegavita Bio Schoko Osterhasen"
- der "Spar Natur Pur Bio-Osterhasen"
- der "Bio Osterhase Fairtrade" von Hofer
Sie alle tragen sowohl das Fairtrade als auch das EU-Biosiegel, weswegen sie im Ampelsystem des Osterhasen-Checks eine doppelt grüne Bewertung bekommen. "Der Osterhasen-Check zeigt, dass faire und soziale Schokolade im Supermarkt schon lange kein Einzelfall mehr ist", so Gudrun Glocker, Lieferketten-Expertin bei Südwind und Anna Leitner, Ressourcen-Sprecherin bei Global 2000. "Gleichzeitig gibt es immer noch Ausreißer, die keine unabhängigen Zertifizierungen aufweisen. Mit unserem Check bieten wir Orientierung, damit die Schokolade im Osternest nachhaltig ist."
Umdenken einer Branche
Somit trägt auch in diesem Jahr wieder die Mehrheit der Schokohasen ein unabhängiges Gütesiegel – mit 87 Prozent deutlich mehr als im Vorjahr, als der Anteil bei rund 75 Prozent lag. Nur vier Hasen enthalten eine doppelt rote Bewertung und haben damit wieder für ökologische noch für soziale Standards ein unabhängiges Siegel.
Glocker betont hier, dass eigene Nachhaltigkeits-Programme, auf die vor allem große Unternehmen setzen, kein Ersatz für unabhängige Zertifizierungen seien. "Konsument:innen können sich nicht darauf verlassen, dass selbst definierte Kriterien bei der Herstellung der Schokolade eingehalten werden. Konzern-Initiativen sind oft intransparent und es wird nicht unabhängig kontrolliert", meint sie. Umso erfreulicher sei es, wenn Branchenriesen wie etwa Lindt umdenken. Diese lassen nämlich seit Anfang des Jahres 100 Prozent ihres Kakaos zusätzlich zum eigenen Nachhaltigkeits-Programm von der Rainforest Alliance zertifizieren.
"Konsument:innen dürfen im Siegel-Dschungel nicht auf sich allein gestellt bleiben. Die Regierung muss Unternehmen zu Maßnahmen gegen Kinderarbeit und Umweltzerstörung verpflichten. Das EU-Lieferkettengesetz gibt dafür einen ersten Rahmen. Jetzt ist die Bundesregierung am Zug, ein nationales Gesetz zu schaffen, das Menschen und Umwelt effektiv schützt – damit in Zukunft jeder Schokohase unbeschwert genossen werden kann", fordert Leitner.
Die Schattenseiten der Schokoladenindustrie
Zuletzt sind die weltweiten Kakaopreise gesunken. Doch Preisschwankungen setzen Kakaobäuer:innen, die ohnehin schon mit klimabedingten Ernteausfällen zu kämpfen haben, unter zusätzlichen Druck. "Kinder- und Zwangsarbeit und sehr niedrige Bezahlung sind nach wie vor große Probleme. Waldzerstörung für Kakao-Anbauflächen schaden wiederum indigenen und anderen lokalen Gemeinschaften", bringt Glocker an. "Dagegen können auch wir in Europa etwas tun: Die EU-Entwaldungsverordnung soll verhindern, dass Produkte in Zusammenhang mit Waldzerstörung auf den europäischen Markt kommen. Sie steht aber gerade massiv unter Beschuss vieler Mitgliedsländer. Österreich muss sich hier endlich seiner Verantwortung bewusst werden", mahnt sie.
www.suedwind.at
*Dieser Check bezieht sich laut Aussendung auf Schokoladen-Hohlfiguren, die bis 17.03.2026 in österreichischen Supermärkten erhältlich waren und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jeder Hase wurde nur einmal aufgenommen – auch wenn er im Handel in unterschiedlichen Varianten erhältlich ist.
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