KSV1870 Zahlen für das 1. Quartal 2026
Firmenpleiten zu Jahresbeginn rückläufig, wirtschaftliche Lage bleibt angespannt

Trotz dieser Entwicklung bleibt die Situation herausfordernd, eine nachhaltige Trendwende ist laut KSV1870 jedoch nicht in Sicht. Zu den maßgeblichen Treibern zählen weiterhin unter anderem der Handel und das Baugewerbe.

Zu Beginn des Jahres 2026 wurden in Österreich 1.687 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet. Das entspricht einem Minus von sechs Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 mit 1.795 Fällen. Pro Tag mussten damit durchschnittlich rund 19 Betriebe Insolvenz anmelden. Das sind die aktuellen KSV1870 Zahlen für das erste Quartal 2026. 

Auch bei den eröffneten Verfahren zeigt sich ein Rückgang: Diese sanken von 1.134 auf 995 Fälle (-12 %). Gleichzeitig nahm die Zahl der nicht eröffneten Insolvenzverfahren von 661 auf 692 zu (+5 %). Insgesamt sind rund 6.000 Arbeitnehmer:innen betroffen, ein Anstieg von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Gläubiger:innen ging hingegen um 14,3 Prozent auf etwa 9.600 zurück.

Keine nachhaltige Trendwende in Sicht

Trotz des Rückgangs bleibt das Niveau der Insolvenzen hoch. "Die Firmenpleiten liegen weiterhin auf einem hohen Niveau, doch es ist zumindest ein positiver Funke, dass wir heute von einem leichten Rückgang in puncto Fallzahlen sprechen können", sagt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Gesamtinsolvenzen nach Bundesländern, Q1-2026 © KSV1870

Zugleich verweist er auf bestehende Unsicherheiten: "Nichtsdestotrotz ist es deutlich zu früh, von einer Trendumkehr zu sprechen, zumal gerade in den vergangenen Wochen neue Krisenherde aufgetreten sind, die Potenzial haben, negativen Einfluss auf die heimische Wirtschafts- und Insolvenzentwicklung zu nehmen."

Als belastende Faktoren gelten u. a. geopolitische Konflikte sowie wirtschaftliche Spannungen, etwa im internationalen Handel.

Steigende Zahl nicht eröffneter Verfahren als Warnsignal

Eine besonders auffällige Entwicklung betrifft die Struktur der Verfahren, so der Experte. Während eröffnete Insolvenzen zurückgehen, steigt die Zahl jener Fälle, die mangels kostendeckenden Vermögens gar nicht eröffnet werden können.

Diese machen inzwischen 41 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen aus. Hintergrund ist, dass viele Unternehmen nicht in der Lage sind, die Verfahrenskosten von rund 4.000 Euro zu tragen. "Wenn die Zahl der nicht eröffneten Verfahren steigt, steigen die finanziellen Verluste der Gläubiger:innen noch weiter, da eine professionelle Aufarbeitung dieser Fälle nicht mehr möglich ist. Angesichts dieser Entwicklungen ist es wohl an der Zeit, sich konkret darüber Gedanken zu machen, wie man aus gesetzlicher Sicht mit derartigen Fällen in Zukunft umgehen möchte", so Götze.

Branchenentwicklung mit gemischtem Bild

Die meisten Insolvenzen entfallen weiterhin auf drei zentrale Bereiche: Handel (272 Fälle), Bau (240 Fälle) sowie Beherbergung und Gastronomie (226 Fälle). Zusammen stehen diese Branchen für 44 Prozent aller Insolvenzen.

Im Handel (-10 %) und im Bau (-14 %) ist ein Rückgang der Fallzahlen zu beobachten. Auch im Grundstücks- und Wohnungswesen (-25 %) sowie in der Herstellung von Waren (-17 %) kam es zu deutlichen Rückgängen. "Es ist ein positives Signal, dass insbesondere in Branchen mit vielen Arbeitsplätzen zuletzt deutlich weniger Insolvenzfälle zu verzeichnen waren als noch vor einem Jahr", erklärt Götze.

Demgegenüber verschärft sich die Lage in der Gastronomie und Beherbergung, wo die Insolvenzen um 14 Prozent gestiegen sind. "Hier hat sich die Lage in den vergangenen Monaten weiter verschärft", so der Insolvenzexperte. Als Gründe werden steigende Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten, eine schwache Nachfrage sowie strukturelle Herausforderungen wie geringe Margen und intensiver Wettbewerb genannt. Verkürzte Öffnungszeiten infolge von Personalmangel oder wirtschaftlichem Druck verschärfen zusätzlich die Situation.

Regionale Entwicklungen im Überblick

Die Entwicklung unterscheidet sich je nach Bundesland deutlich. Kärnten weist mit einem Plus von 29,9 Prozent den stärksten Anstieg auf, während Salzburg mit minus 32,5 Prozent den deutlichsten Rückgang verzeichnet.

In absoluten Zahlen liegt Wien mit 638 Fällen weiterhin an der Spitze, gefolgt von Niederösterreich (276) und der Steiermark (198). Bei den Passiva zeigen sich ebenfalls starke Unterschiede: Während Wien einen deutlichen Rückgang verzeichnet, kommt es etwa in der Steiermark zu einem starken Anstieg.

Deutlicher Rückgang bei den Passiva

Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten belaufen sich im ersten Quartal 2026 auf rund 2,005 Milliarden Euro, nach 2,624 Milliarden Euro im Vorjahr (-23,6 %).

Rund die Hälfte davon entfällt auf die Insolvenz der Laura Privatstiftung mit etwa 1,072 Milliarden Euro. Ohne diesen Einzelfall würden die Passiva bei rund 933 Millionen Euro liegen, was einem Rückgang von 64 Prozent entsprechen würde. Zudem ist die Zahl großer Insolvenzen gesunken: Während im ersten Quartal 2025 noch neun Fälle mit Verbindlichkeiten über 50 Millionen Euro registriert wurden, sind es im Jahr 2026 drei.

Großinsolvenzen, Q1-2026 – Top Ten Insolvenzen nach Passiva © KSV1870

Zu den größten Insolvenzen zählen neben der Laura Privatstiftung unter anderem die LL-resources GmbH (131 Millionen Euro) sowie die Domaines Kilger GmbH & Co KG (82 Millionen Euro). Für den weiteren Verlauf des Jahres bleibt die Einschätzung zurückhaltend. Eine verlässliche Prognose ist angesichts globaler Entwicklungen und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen derzeit nur eingeschränkt möglich, so Götze. 

"Aus heutiger Sicht erwarten wir als KSV1870 im Jahresverlauf keine eklatanten Verschiebungen bei den Fallzahlen der Unternehmensinsolvenzen", betont Götze. Ob das Vorjahresniveau erreicht wird, gilt derzeit als eher unwahrscheinlich. Neben geopolitischen Entwicklungen könnten auch gesetzliche Änderungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Betrugsbekämpfungsgesetz 2026, Einfluss auf die weitere Entwicklung nehmen. 

www.ksv.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV