Fotos der PK "Wohnen im Zeitraffer 2016-2026"
Wohnimmobilienmarkt im Wandel zwischen Wachstum und Gegenwind

| Redaktion 
| 18.03.2026

Zum zehnjährigen Bestehen zog Raiffeisen Immobilien Österreich Bilanz über ein von Krisen, Boomphasen und strukturellen Veränderungen geprägtes Jahrzehnt. Während sich der Markt zuletzt deutlich abkühlte, rücken Themen wie Leistbarkeit und Wohnungsangebot zunehmend in den Fokus. 

Am 23. Februar 2016 wurde die Vereinigung aller heimischen Raiffeisen Immobiliengesellschaften unter der gemeinsamen Dachmarke "Raiffeisen Immobilien Österreich" (RIÖ) verkündet. Zehn Jahre nach der Gründung blickte RIÖ bei einer Pressekonferenz auf eine Phase zurück, die von starken Schwankungen geprägt war. Pandemie, Niedrigzinsphase, Inflation und Zinsanstieg hätten den Wohnimmobilienmarkt stark beeinflusst. Dennoch habe sich die Organisation stabil entwickelt und ihre Marktposition ausgebaut, so die Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich Peter Weinberger und Peter Mayr

Seit 2016 erhöhte die Gruppe ihren Honorarumsatz um 36 Prozent auf rund 37 Millionen Euro. Auch das Transaktionsvolumen am österreichischen Markt legte laut den Verantwortlichen zu und stieg von 18 auf 20 Milliarden Euro.

Boomphase durch Pandemie und Niedrigzinsen

Insbesondere die Jahre zwischen 2019 und 2022 waren durch eine außergewöhnlich hohe Dynamik gekennzeichnet. Getrieben durch niedrige Finanzierungskosten und veränderte Wohnbedürfnisse während der Pandemie, entwickelte sich der Markt stark.

"2019 bis 2022 befand sich der Markt in einer nie dagewesenen Boomphase", so Peter Weinberger. Immobilien seien damals in kürzester Zeit verkauft worden, teilweise zu sehr hohen Preisen. Die Preisentwicklung verlief entsprechend steil: Der Immobilienpreisindex legte zwischen 2015 und 2024 um insgesamt 57 Prozent zu. In dieser Phase hätten Angebot und Nachfrage deutlich auseinandergelegen, wodurch selbst Bestandsobjekte teils auf dem Niveau von Neubauten gehandelt worden seien.

Veränderte Nachfrage und neue Wohnbedürfnisse

Parallel dazu wandelten sich die Anforderungen der Käuferinnen. Die Pandemie habe den Stellenwert des eigenen Wohnraums erhöht, insbesondere Homeoffice-Möglichkeiten und Freiflächen seien wichtiger geworden.

So habe sich der Fokus von klassischen Nebenräumen hin zu Arbeitsbereichen verschoben. Gleichzeitig beobachten die Expert:innen zuletzt wieder eine stärkere Nachfrage nach kleineren, leistbaren Einheiten, vor allem in Städten.

Marktwende ab 2022

Mit steigenden Zinsen und strengeren Kreditvergaben setzte 2022 eine deutliche Abkühlung ein. Die Finanzierung von Wohneigentum sei für viele Haushalte schwieriger geworden, wodurch die Transaktionszahlen spürbar zurückgingen. Der Markt habe sich in Richtung Käufermarkt entwickelt, in dem Verkäufer:innen ihre Preisvorstellungen anpassen mussten. In diesem Umfeld gewannen professionelle Bewertungen und Maklerleistungen wieder an Bedeutung.

Leistbarkeit bleibt zentrales Thema

Die Preissteigerungen der Boomjahre hätten die Leistbarkeit von Wohneigentum deutlich verschlechtert. Während 2016 noch etwas mehr als sieben Jahreshaushaltseinkommen für ein Einfamilienhaus notwendig waren, lag dieser Wert 2022 bei über zehn.

Inzwischen habe sich die Situation etwas entspannt. Für 2025 werde ein Wert von rund 7,6 Jahresnettoeinkommen erwartet, was wieder näher am Ausgangsniveau liege.

Gleichzeitig seien Mieter:innen stärker von steigenden Kosten betroffen gewesen, insbesondere durch inflationsbedingte Anpassungen.

Wohnbau unter Druck

Deutlich schwieriger stellt sich die Lage im Neubausektor dar. Hohe Bau- und Finanzierungskosten führen zu rückläufigen Investitionen und sinkenden Fertigstellungszahlen. "Österreichs Städte steuern auf eine Wohnungsnot zu", warnt Weinberger. Besonders in Ballungsräumen treffe ein schrumpfendes Angebot auf anhaltend hohe Nachfrage.

Zusätzlichen Druck könnten verschärfte Eigenkapitalvorschriften für Banken bringen. Diese würden die Finanzierung von Wohnbauprojekten weiter erschweren und könnten laut Einschätzung der Branche ab 2027 zu einem deutlichen Rückgang im gewerblichen Wohnbau führen.

Forderung nach Reformen und Impulsen

Vor diesem Hintergrund sehen die Experten vor allem politischen Handlungsbedarf. Neben einer Reduktion regulatorischer Hürden seien schnellere Genehmigungsverfahren und steuerliche Anreize notwendig.

Weinberger betonte, dass Investitionen in den Wohnbau erleichtert werden müssten, etwa durch Anpassungen bei steuerlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig könnten effizientere Bauverfahren und standardisierte Genehmigungen zur Kostensenkung beitragen. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sei der Wohnbau von großer Bedeutung. Laut Peter Mayr könne ein Eingreifen zur falschen Zeit "verheerende Folgen haben".

LEADERSNET war bei der Pressekonferenz. Einen Eindruck können Sie sich hier machen. 

www.raiffeisen-immobilien.at

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