Energiewende auf Rädern
Post und Netzbetreiber machen E-Flotte zum mobilen Stromspeicher

| Tobias Seifried 
| 15.03.2026

In Ostösterreich startet ein wegweisender Feldversuch zum bidirektionalen Laden. Durch die "Vehicle-to-Grid"-Technologie werden E-Zustellfahrzeuge zu mobilen Speichereinheiten, die das öffentliche Stromnetz entlasten können.

In Mautern an der Donau wird derzeit die Zukunft der energetischen Infrastruktur erprobt. Im Rahmen eines Pilotprojekts testen die Österreichische Post, die EVN und Netz Niederösterreich das bidirektionale Laden in Form von Vehicle-to-Grid (V2G). Dabei fungieren fünf Elektrofahrzeuge der Marke Maxus nicht nur als reine Stromabnehmer, sondern können über spezialisierte Wallboxen Energie zurück in das öffentliche Netz speisen.

Das Konzept nutzt Synergien mit der hauseigenen Photovoltaikanlage der Postbasis. Dabei wird der tagsüber generierte Sonnenstrom während der Standzeiten in den Fahrzeugbatterien zwischengespeichert und bei Bedarf – etwa zur Abdeckung von Lastspitzen – wieder abgegeben. Da die Zustellflotte zumeist vom Nachmittag bis zum nächsten Morgen an den Ladestationen verweilt, ergibt sich ein signifikantes Potenzial für intelligentes Lastmanagement.

Herausforderungen und regulatorisches Neuland

Trotz der technologischen Reife fehlen in Österreich bislang die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen flächendeckenden Einsatz. Das Projekt dient daher auch dazu, Standards für das zukünftige Energienetz zu definieren. Expert:innen rechnen damit, dass V2G hierzulande ab Anfang 2027 regulär möglich sein wird.

Peter Umundum, Generaldirektor-Stellvertreter der Österreichischen Post AG, bezeichnet das Vorhaben als einen essenziellen nächsten Schritt. Sollte der Praxistest erfolgreich verlaufen, könne die gesamte E-Flotte zu einem dezentralisierten Speichersystem transformiert werden. Er betonte, dass die Post bereits heute über 6.000 Elektrofahrzeuge sowie eine PV-Leistung von mehr als 20 Megawatt peak betreibe. Dieses Projekt verdeutliche das enorme Potenzial der vorhandenen Infrastruktur für die nationale Energiewende.

Auch seitens des Energieversorgers wird die Relevanz der Kooperation unterstrichen. Stefan Stallinger, Technikvorstand der EVN, hielt fest: "Wir brauchen bidirektionales Laden, um Elektrofahrzeuge künftig noch intelligenter in das Energiesystem einzubinden und wertvolle Flexibilität bereitzustellen." Man setze gemeinsam mit der Post einen innovativen Schritt zur praktischen Erprobung dieser Technologie.

Wirtschaftliche und netztechnische Vorteile

Die langfristige Vision sieht vor, die E-Fahrzeuge bevorzugt dann zu laden, wenn Strom kostengünstig und in hohem Maße verfügbar ist. Durch das Einspeisen zu wirtschaftlich optimalen Zeitpunkten kann die Technologie zum sogenannten "Peak Shaving" (Kappen von Lastspitzen) beitragen und den Eigenverbrauch aus erneuerbaren Quellen maximieren. Dies soll schlussendlich zu einer spürbaren Entlastung der öffentlichen Netzinfrastruktur beitragen.

www.post.at

www.evn.at

www.netz-noe.at

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