Wegen Krieg im Nahen Osten
Nationalbank senkt Wachstumsprognose für 2026 deutlich

Tobias Seifried 
| 24.03.2026

Der Krieg im Nahen Osten belastet die wirtschaftlichen Aussichten Österreichs.  OeNB-Gouverneur Martin Kocher erwartet eine höhere Inflation und eine weiterhin hohe Arbeitslosenquote. Im Extremfall droht sogar eine neuerliche Rezession.

Laut der aktuellen Analyse der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) belastet der Krieg im Nahen und Mittleren Osten die wirtschaftlichen Perspektiven Österreichs deutlich. So geht aus der am Dienstag veröffentlichten Interimsprognose hervor, dass für 2026 bis 2028 das Wachstum heuer deutlich schwächer ausfallen werde als zuletzt erwartet.

Nach einer zweijährigen Rezession habe sich die heimische Wirtschaft 2025 zwar erholt, doch die geopolitischen Entwicklungen trüben den Ausblick. "Der am 28. Februar ausgebrochene Krieg im Nahen und Mittleren Osten und die in der Folge deutlich gestiegenen Energiepreise bringen jedoch erneut große Unsicherheit mit sich und trüben die weiteren wirtschaftlichen Aussichten signifikant", erklärte OeNB-Gouverneur Martin Kocher. Für 2026 rechnet die Nationalbank nun mit einem Wachstum von lediglich 0,5 Prozent – um 0,3 Prozentpunkte weniger als noch im Dezember prognostiziert. In den Jahren 2027 und 2028 dürfte sich die Dynamik wieder auf rund ein Prozent beschleunigen.

Höhere Inflation und angespannter Arbeitsmarkt

Die Inflation wird heuer vor allem durch gestiegene Energie- und Rohstoffpreise beeinflusst. Sie soll 2026 bei 2,7 Prozent liegen und damit um rund 0,6 Prozentpunkte höher ausfallen als ohne den Nahost-Krieg. Im Jahresverlauf werde die Teuerung zunächst auf über drei Prozent steigen, ehe sie bis Jahresende wieder auf etwa 2,5 Prozent sinken dürfte. Für 2027 und 2028 erwartet die Notenbank einen weiteren Rückgang auf 2,3 Prozent beziehungsweise 2,1 Prozent.

Am Arbeitsmarkt zeichnet sich laut Interimsprognose vorerst keine Entspannung ab. Demnach dürfte die Arbeitslosenquote 2026 bei 7,5 Prozent verharren.

Energiepreise als entscheidender Faktor

Unsicherheiten bestehen insbesondere hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Energiepreise. Kocher betonte, die Auswirkungen des Konflikts auf Märkte und Vertrauen seien "höchst unsicher". In alternativen Szenarien mit anhaltend hohen Öl- und Gaspreisen könnte das Wachstum 2026 auf 0,2 Prozent sinken, während die Inflation auf bis zu 3,8 Prozent steigen würde. Im Fall einer weiteren Eskalation sei sogar eine leichte Rezession möglich, verbunden mit einer Teuerungsrate von bis zu 4,2 Prozent.

Auch für den Euroraum sieht die OeNB erhöhte Risiken. Der EZB-Rat habe zuletzt bekräftigt, die Inflation mittelfristig bei zwei Prozent stabilisieren zu wollen und werde weiterhin datenabhängig entscheiden.

Budgetsaldo bleibt im Minus

In der Fiskalpolitik erwartet die OeNB vorerst keine grundlegenden Änderungen. Der Budgetsaldo dürfte in den kommenden Jahren weiterhin deutlich im Minus bleiben. Zusätzliche Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung erscheinen aus heutiger Sicht erforderlich.

Eigene Ertragslage

Neben der Interimsprognose wurde am Dienstag auch der eigene Geschäftsbericht präsentiert. Den Angaben zufolge gibt es eine leichte Verbesserung der Ertragslage der Notenbank. Zwar weist die OeNB für 2025 erneut ein negatives Ergebnis aus, doch fiel der Jahresfehlbetrag mit minus 1.023 Millionen Euro nur halb so hoch aus wie im Jahr zuvor. Edeltraud Stiftinger erklärte, man sehe "erstmals wieder einen Aufwärtstrend", die Belastungen aus der expansiven Geldpolitik würden künftig weiter abnehmen. Mittelfristig seien wieder Gewinne zu erwarten, die die Verluste kompensieren könnten.

Die Bilanzsumme der OeNB stieg 2025 auf 256 Milliarden Euro, was unter anderem auf den hohen Goldpreis zurückzuführen ist. Gleichzeitig investierte die Nationalbank mehr als 60 Millionen Euro in Forschungsförderung in Österreich.

www.oenb.at

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